Als wir uns zum alpinen Basiskurs angemeldet haben, wusste ich noch gar nicht, dass mein Ziel der Mont Blanc werden wird. Doch mittlerweile steht es fest: diesen Sommer geht es mit Bergführer auf den höchsten Berg der Alpen. Was für eine Vorbereitung ich dafür mache und gemacht habe,  werde ich in einer Artikelreihe auf diesem Blog beschreiben. Los geht es mit einem Kurs, in dem man das Laufen wieder lernt.

Mein Weg auf den Mont Blanc:

Laufen lernen

Der DAV Summit Club* bietet auf der Jamtal-Hütte einen für Einsteiger geeigneten alpinen Basiskurs an. Und den haben wir letztes Jahr belegt. Dieser beginnt am frühen Nachmittag in Galtür mit einer relativ jungen Gruppe. Das Durchschnittsalter dürfte so um die 30-35 sein. Am ersten Tag heißt es nur auf bequemer Fahrstraße zur Hütte aufzusteigen und den Abend samt Essen zu genießen. Das Abendessen sowie das Frühstück war immer super und völlig ausreichend. Genau die richtigen Gerichte für kommende Bergsteiger!

Gepäcktransport zur Jamtal-Hütte

Gepäcktransport zur Jamtal-Hütte

Jamtal-Hütte mit Gletscher und schneebedeckte Berge

Die Jamtal-Hütte, unsere Unterkunft für die nächsten Tage

Am ersten richtigen Tag steht also die Trittschulung an. Dazu geht es auf das Gamshorn. Auf dem Weg dorthin gibt es schon erste Tipps zum richtigen Gehen: kleine Schritte und niedrige Stufen suchen. Dann klappt’s auch mit der Kondition besser. Bald schon erreichen wir den Fuß des Berges. Hier hat es jede Menge Felsblöcke, die durchstiegen werden möchten. Auch hier gilt wieder: je kleiner der Schritt, desto sicherer. Bald wandeln sich die Felsen in Schotter, der ekelig zu begehen ist, da es nur eine dünne Schicht hat. Man kommt hier leicht ins Rutschen. Aber Jürgen, unser Ausbilder, gibt auch hier wichtige Tipps und findet vor allem die Mut spendenden Worte, so dass wir alle heil auf dem Gipfel des Gamshorns stehen können.

Auf dem Schotterweg auf's Gamshorn

Auf dem Schotterweg auf’s Gamshorn

Gipfel Gamshorn

Auf dem Gipfel des Gamshorn

Regen am Gamshorn

Regen setzt beim Abstieg vom Gamshorn ein

Gletscher anritzen

Der Regen beim Rückmarsch vom Gamshorn sollte schon ein Vorbote für die restlichen Tage sein. Doch ich will nicht vorgreifen. Der nächste Tag beginnt erst mal nur bewölkt und mit dem Plan, die Gemsspitze zu erklimmen. Dazu nehmen wir fast alles Material, welches wir am Morgen bekommen haben, mit: Steigeisen, Pickel, Klettergurt, Eisschraube, Bandschlinge und Reepschnüre. So präpariert machen wir recht bald Bekanntschaft mit dem Gletscher (beziehungsweise Ferner, wie es in Teilen Österreichs heißt). Mit dem Eispickel dürfen wir unsere Initialen einritzen und bekommen gleich mit, dass so ein Eiskoloss recht robust ist. Man braucht eine Weile, bis ein schönes „T“ entsteht. Danach die Eisschraube reindrehen und nach einem Hüpfer über eine Mini-Gletscherspalte geht es in einer Seilschaft in Richtung Gipfel. Doch leider verschlechtert sich das Wetter wieder zusehends und selbst dunkle, hohe Wolken mischen sich jetzt mit ein: Gewittergefahr! Darum beschließt unser Bergführer das Ziel auf die Schulter zu verlegen und es für heute gut sein zu lassen. Nix war’s mit einem Hochtouren-Gipfel 🙁 Aber besser, als in einem Gewitter zu verbrutzeln 😉

Materialausgabe

Am Morgen gab es Bergsteiger-Material

Blick zum Jamtal-Gletscher

Schon bald stehen wir auf Eis

Auf dem Jamtal-Gletscher

Auf dem Jamtal-Gletscher

Eindrehen einer Eisschraube

Gar nicht so leicht: Eindrehen einer Eisschraube

Seilschaft zum Gemsspitzen-Gipfel

Seilschaft zum Gemsspitzen-Gipfel

Theorie im Trockenen – Praxis im Nassen

Der dritte Ausbildungstag ist total verregnet. Wir können draussen nichts machen. Wie gut, dass die Jamtal-Hütte eine kleine Kletterhalle hat! Dort ziehen wir unsere ausgeliehenen Kletterschuhe an und lernen etwas Klettern und eine Menge Knoten. Mit dem Wissen machen wir dann zum einen einen hoch-prusiken-Wettkampf (wer ist am schnellsten an einem Seil mit zwei Reepschnüren 4 Meter nach oben geklettert), zum anderen Erlernen wir die Spaltenbergung mit loser Rolle. Oh Mann, ist das kompliziert. Zum Glück machen wir das am nächsten Tag nochmal.

Und zwar bei verschärften Bedingungen: denn in der Nacht hat es mächtig Neuschnee gegeben – und das im Juli! Wir starten wieder mit vollem Material und laufen ein paar Meter von der Hütte weg, so dass wir einen geeigneten Platz für unsere Spaltenbergungs-Übungen finden. Im tollsten Schneetreiben wird dann das Erlernte praktisch eingesetzt (mit simulierter Gletscherspalte, da es keine geeignete auf dem Jamtal-Ferner gibt). Man kommt sich schon fast wie auf einer Expedition vor: alle eingemummelt, überall Schnee und schweres Gerät 😉 Wie gut, dass die Hütte und eine heiße Schokolade mit Rum nicht weit entfernt sind. Als alle durchgefroren sind, aber stolz, die Spaltenbergung erlernt zu haben, geht es dann zurück ins Warme.

Neuschnee auf der Jamtal-Hütte

Neuschnee auf der Jamtal-Hütte

Ausbildungstour bei Neuschnee

Trotz Neuschnee unterwegs

Spaltenbergung mit loser Rolle

Da ist eindeutig jemand in eine Gletscherspalte gefallen! BabyM beginnt die Rettung.

Spaltenbergung mit loser Rolle

Seilentlastung passt, jetzt kommt die zweite Reepschnur zum Einsatz

Spaltenbergung mit loser Rolle

Hau-ruck! Dank loser Rolle hast Du ihn bald gerettet 😉

Verschneites Jamtal

Expedition Spaltenbergung beendet

Kraxeln ist angesagt

Auch am letzten Ausbildungstag hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Schnee ist nicht so schnell weggetaut wie erhofft, so dass wir nicht via Klettersteig auf den Pfannknecht kommen. Statt dessen hat die Jamtal-Hütte wieder ein Eisen im Feuer: denn direkt davor wurde ein kleiner Lehr-Klettersteig eingerichtet, der durchaus B/C-Charakter hat. Dadurch, dass es immer noch recht feucht am Felsen ist, wirkt er nochmals schwerer. Aber durch die gute Ausbildung der vergangenen Tage klappt die Begehung einwandfrei. Auch das Abseilen von einem Felsblock vor der Jamtal-Hütte macht Laune. Selber mit einem Tuber runter zu schweben hat schon was 🙂

Klettersteig vor der Jamtal-Hütte

Auf schmalem Fels am Klettersteig entlang

Klettersteig vor der Jamtal-Hütte

Klettersteig vor der Jamtal-Hütte: nur Fliegen ist schöner

Abseiling am Fels

Abseiling am Fels

Das war’s leider. Kartenkunde, Orientierung per Kompass und Wetterkunde gab es immer mal wieder in leichten Dosen von Jürgen als Lektionen unter der Woche eingestreut. Die Woche hat irre Spaß gemacht und das Schnuppern der Bergsteiger-Luft riecht nach mehr! Zum Beispiel nach einer Besteigung des Breithorns in eigener Seilschaft. Das konnten wir uns nach diesem Kurs nämlich zutrauen! Zum guten Abschluß am Abstiegstag kam endlich die Sonne wieder raus – da haben wir sie auch nicht mehr benötigt 😉

Verschneite Berge im Jamtal

So sieht das Jamtal übrigens bei schönem Wetter aus

Kuh streckt Zunge raus

Die Kuh streckt uns – stellvertretend für die Sonne – die Zunge raus

 

Einen ausführlichen Bericht – ohne Wetterkapriolen wie bei uns – zum alpinen Basiskurs auf der Jamtalhütte findet ihr bei Grisu und Dirk auf verwandern.de

 

* dies ist kein gesponserter Post. Wir sind vom DAV Summit Club überzeugt und haben selbst gezahlt! 😉