Eine Tageswanderung hat etwas für sich – am Abend kehrt man verschwitzt und geschafft in seine heiligen Hallen zurück, stellt sich unter die warme Dusche – selbstverständlich so lange man will, legt sich vor den Fernseher und kuschelt sich dann ins warme Bettchen.

Doch irgendwann erwacht die Neugier auf ein größeres Abenteuer. Man hat sie als Tagesgast schon oft besucht. Die urigen Berghütten, die inmitten wunderschöner Landschaft weilen. Wie mag es wohl sein, sich unter die erfahrenen Bergleute zu mischen und hier den Abend und die Nacht zu verbringen? Den Sonnenuntergang hoch oben im Gebirge zu erleben?  Wie fühlt es sich an, einmal für mehrere Tage den Komfort des modernen Lebens hinter sich zu lassen und nur mit dem nötigsten im Rucksack durch die Welt zu ziehen?

Da man sich in einer Gruppe bekanntlich sicherer fühlt, heuern wir kurzerhand ein paar Freunde an, die uns begleiten werden. Fabian, Sabine und Bibi erklären sich tapfer bereit. Als ‚Wandergruppe Kraichgau‘ wollen wir das Allgäu durchqueren und die sog. Steinbocktour machen.

Folgende Etappen sind geplant – (wie sich herausstellen wird, sind Pläne dazu da, sie nicht einzuhalten):

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Wir wissen – für den echten Alpinisten ist diese Wanderung ein Spaziergang und hat nichts mit einer Herausforderung zu tun. Für uns gleicht das Unternehmen damals angehend einer Expedition. Und deshalb wird sich ausgiebig vorbereitet.

Packeseltraining vor der Wanderung

Packeseltraining vor der Wanderung

Der Rucksack wird mit Wasserflaschen befüllt und die üblichen Wochenendspaziergänge ab sofort mit schwerem Gepäck abgehalten. Da auf dem Heilbronner Weg auch eine Leiter zu begehen ist, wird das Besteigen von Leitern ebenfalls geübt – in der Küche: hoch auf die Trittleiter, dann Übergang auf die Arbeitsplatte und zurück. Für BabyMufflon durchaus eine Herausforderung. Und an alle die jetzt lachen: werdet ihr mal in einem derart ungelenken Körper geboren!

Dann geht es ans Packen. Wir wollen für alle Fälle gerüstet sein. Und doch gilt es auf jedes Gramm zu achten. Jedes Teil wird auf die Waage gelegt. Von der Wanderkarte wird der Pappdeckel entfernt, um Gewicht zu sparen.

Es geht loooous!

Und dann geht es los. Früh morgens sammeln wir mit unserem treuen Mufflonomobil – damals noch ein geräumiger Renault Kangoo – alle Mitwandernden ein und tuckern nach Oberstdorf. Auf dem Parkplatz der Fellhornbahn wird es ernst. Wir verlassen die Zivilisation und werden eine Woche lang nur auf die Dinge zugreifen können, die wir in unser Rucksäckle gepackt haben. Wenn man noch nie eine größere Reise mit wenig Gepäck gemacht hat, ist das ein seltsames Gefühl.

Es geht los! Aufbruch an der Talstation der Fellhornbahn

Es geht los! Aufbruch an der Talstation der Fellhornbahn

Die ersten Höhenmeter sind sehr angenehm, denn wir schweben sanft mit der Gondelbahn nach oben. Ab der Mittelstation der Fellhornbahn müssen wir dann mit unseren eigenen Beinen fürs Vorankommen sorgen. Zunächst sind uns die Anforderungen gnädig gesonnen, der Weg ist einfach und die Steigung angenehm.

Erste seilgesicherte Passagen auf dem Weg zur Fiderepasshütte

Erste seilgesicherte Passagen auf dem Weg zur Fiderepasshütte

Erst vor der Hütte beginnt der Anstieg, der uns ins Schwitzen und Schnaufen bringt. Der ein oder andere wird zu diesem Zeitpunkt bereits bereut haben, sich auf diese Geschichte eingelassen zu haben. Aber nun ist es zu spät. Wir stecken schon mitten drin. Am Ende schaffen wir es alle zur Fiderepasshütte.

Steiler Aufstieg vor der Hütte - so verdient man sich sein Radler

Steiler Aufstieg vor der Hütte – so verdient man sich sein Radler

Dort dürfen wir sogleich unseren Lagerplatz beziehen. Wir sind im Großlager direkt unterm Dach untergebracht. 40 Leute auf engstem Raum. Wir haben Glück, dass wir als Erste eintreffen und uns die besten Plätze aussuchen dürfen. Schnell haben wir unsere Hüttenschlafsäcke auf die auserwählten Plätze geworfen (erinnert etwas an die Handtücher auf Poolliegestühlen), unsere  Rucksäcke ans Fußende gestellt und schon sitzen wir unten bei einem erfrischenden Radler beisammen.

Das Lager wird geentert

Das Lager wird geentert

Nach dem stärkenden Mahl begeben wir uns nach draussen, denn es gibt noch was zu feiern.

Geburtstagsfeier in abendlicher Stimmung

Geburtstagsfeier in abendlicher Stimmung

Fabian hat nämlich heute Geburtstag. Seine Sabine (wir haben 2 davon an Bord, die andere werden wir wie üblich BabyMufflon benennen) packt Unmengen an Kerzen und Schnäpslefläschle aus und singt ihm ein Ständchen.

Happy Birthday, Fabian!

Happy Birthday, Fabian!

Erst jetzt wird ihr offenbart, dass man Müll niemals auf einer Berghütte lässt und alles brav selber wieder ins Tal trägt. Doof, wenn man noch eine ganze Woche von Hütte zu Hütte vor sich hat. So ist das nun mal, wenn man das erste Mal als Hüttentürler unterwegs ist. Man muss sich mit den vielen geschriebenen und ungeschriebenen Regeln erst vertraut machen. Wenn Du den Hüttenknigge noch nicht kennst, kennst –  kannst Du ihn bei Jana von zufussunterwegs nachlesen.

Apropos Hüttenregeln. Dass um 22 Uhr Zapfenstreich ist, haben wir mitbekommen. Also wollen wir uns brav kurz vor zehne bettfertig machen und entern den Schlafsaal. Diverse andere Übernachtungsgäste liegen bereits schlafend herum. Zu blöd, dass wir unsere Taschenlampen vorhin nicht mit runter genommen haben. So müssen wir uns nun im Dunkeln erst mal zu unseren Plätzen vortasten. Unsere Sachen für die Nacht haben wir auch nicht rausgelegt. Wir fangen an, in unseren Rucksäcken zu kruschteln. Da wir alles fein säuberlich in Plastiktüten verpackt haben (als Schutz falls es mal regnet) und uns in unserer eigenen Packordnung nicht auskennen, wird das eine etwas lautere Angelegenheit. Peinlich!!!

Irgendwann haben wir es alle geschafft, an unserer Zahnbürsten zu kommen und schliesslich liegen auch wir im Bett. Doch an viel Schlaf ist nicht zu denken. Wenig Platz, stickige Luft und diverse menschliche Geräusche verhindern ein friedliches Einschlummern. Hin und wieder nickt man vermutlich doch ein bißchen weg, aber gefühlt rollt man sich von einer Seite auf die andere und wartet sehnsüchtig auf den neuen Tag.

Hier geht’s zur nächsten Etappe – Krumbacher Höhenweg zur Mindelheimer Hütte

 

Detaillierte Informationen zur Steinbocktour – alle Etappen – alle Hütten – Bergschulen, die die Tour geführt anbieten findet ihr unter www.steinbock-tour.de