Es ist Samstag, die Wettervorhersage für das Allgäu ist hervorragend und die Berge wollen erklommen werden – aber Baby Mufflon hat schon etwas anderes vor. Die Mama soll besucht werden. Da muss ich nicht unbedingt mit, lass ich die beiden mal quatschen – ruhig auch über mich, ich hör’s ja nicht 😉

Da ich in der Woche zuvor auf der Zugspitze war, ist noch ordentlich Kondition vorhanden. Also kann eine knallharte Actiontour ausgesucht werden. Zwei Berge stehen bei mir hoch im Kurs: der Große Widderstein und der Hochvogel – beides Vorzeigeberge des Allgäu. Letztendlich entscheide ich mich für den Hochvogel.

Mir stehen fünf Stunden Fahrt und über 10 Stunden Wandern bevor – wenn man dem Routenplaner und dem Wanderbuch vertrauen darf. Zumindest den Wanderteil versuche ich etwas zu verkürzen: angesteckt vom Trailrunning-Hype will ich recht leichtgewichtig unterwegs sein. Mitgenommen wird:

  • nix zu trinken (ich werde das Prinz Luitpold Haus beim Auf- und Abstieg leertrinken – liebe Kinder: nicht nachmachen. Beim nächsten Mal nehme ich wieder was mit!)
  • rote Fototasche mit:
    • meiner Kamera
    • meinem Smartphone
    • 10 Euro-Schein
  • schwarze Fototasche mit:
    • 2 Riegel
    • 1 paar Grödel (hätte ich mir sparen können, wenn ich vorher beim Hüttenwirt angerufen hätte…)
  • Wanderstöcke

Laut Fahrplan zum Giebelhaus (hier zu finden) fährt der erste Bus um 7:15 Uhr. Bedeutet: 4:15 Uhr aufstehen (gääähn – da werde ich jetzt schon wieder müde). Wenigstens ist zu dieser Zeit die Autobahn schön leer, so dass ich den Bus zusammen mit ca. 18 anderen Mitwanderern pünktlich erreiche. Zum Glück dauert die Fahrt nur 20 Minuten, sonst wäre ich womöglich wieder eingeschlafen. Doch der unbarmherzige Busfahrer schmeisst mich vor dem Giebelhaus raus.

Nach kurzer Orientierungsphase kann der Aufstieg beginnen. Es fängt mit einem fast drei Kilometer langen Hatsch auf einer nahezu flachen Landwirtschaftsstraße an, bevor der Weg links im Wald verschwindet. Bald wird das Prinz Luitpold Haus, auf einem Felsabsatz ruhend, sichtbar. Schnell ist auch dieser ohne Schwierigkeiten erklommen, so dass mein erstes Belohnungsgetränk geordert werden kann. Alle Übernachtungsgäste sind schon aufgebrochen, so dass ich mein Wasser alleine auf der Terasse genießen darf.

Prinz Luitpold Haus

Ich gönne mir nur eine kurze Pause, denn es liegt noch viel Weg vor mir. Nächste Station: Kreuzspitze. An der Abzweigung geht es nach rechts, wo der Spaß beginnt. Je höher man kommt, desto mehr Eisen wurde verbaut und immer öfter muss die Hand zu Hilfe genommen werden. Nach kurzer Zeit hole ich eine Familie ein, die sich mit ihren Klettersteigsets an den Drahtseilen sichern. Da die Kraxelei den 1. Grad nie überschreitet, fühle ich mich nicht „underdressed“ und klettere weiter. Schon bald gibt mir die Kreuzspitze den Blick auf den Hochvogel frei und es folgt ein kurzer, aber steiler Abstieg zur Kreuzung Kalter Winkel / Hochvogel.

Ein kurzer Blick verrät mir, dass der Kalte Winkel diesen Sommer stark hat Federn lassen müssen. Meine Grödeln habe ich umsonst mitgenommen. Aber nun geht es geradeaus weiter, hoch zum Hochvogel. Dieser Aufstieg ist leichter als zur Kreuzspitze. Es gibt nur wenige Stellen, die man erklettern muss und schon steht man auf dem Gipfel. Etwas über drei Stunden habe ich dafür benötigt – da habe ich mir meine zwei Riegel redlich verdient! Knapp 25 Gipfelstürmer ergötzen sich an der Aussicht, die hin und wieder von den Wolken freigegeben wird. Durch das Sonne-Wolken-Spiel gelingt es mir sogar, eine Glorie zu fotografieren – hatte ich zuvor noch nie gesehen!

Gegen 11 Uhr mache ich mich wieder auf den Abstieg, da die Sonne mich so langsam austrocknet. Gar nichts zum Trinken mitzunehmen ist doch etwas wenig… Der nicht mehr kalte Kalte Winkel ist fast gänzlich abgetaut und wenn man möchte, muss man nicht mit Schnee oder Eis in Berührung kommen. Es ist noch ein Seil ausgelegt – sicherlich war das nützlicher, als der Weg noch über Schnee und Eis ging. Nach dem Kalten Winkel geht der Weg rüber zur Balkenscharte und von dort per Treppe sicher zurück in Richtung Prinz Luitpold Haus.

Um Viertel nach zwei war ich wieder am Giebelhaus – rechtzeitig, um gerade den Bus verpasst zu haben. Hätte ich doch unterwegs auf meine Uhr geschaut, dann hätte ich mich etwas mehr beeilt und hätte den Bus um zehn nach zwei noch bekommen. Hätte, hätte, Fahrradkette! So durfte ich eine Stunde unter einem schattigen Baum auf den nächsten Bus warten. Ein kühles Radler im Giebelhaus war nicht drin, da mein 10 Euro-Schein schon aufgebraucht war. Wieder zurück am Auto war mein erstes Ziel eine Tankstelle und darin eine große Colaflasche. Das tat dann richtig gut 🙂

 

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, den Hochvogel zu besteigen, solltest Du lieber nicht allzu lange zögern. Im Gipfelbereich hat sich ein so großer Spalt gebildet, dass mittlerweile der Aufstieg von der anderen Talseite über den Bäumenheimer Weg bereits gesperrt ist. Und es ist nicht auszuschließen, dass der Hochvogel irgendwann aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt wird. Nähere Informationen dazu hat der Bayerische Rundfunk hier.

 

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