Der Torres del Paine Nationalpark im Herzen Patagoniens gilt für viele als das Highlight einer Patagonienreise. Recherchiert man nach Wandermöglichkeiten im Torres del Paine, stößt man unweigerlich auf die bekannten Mehrtagestreks namens „W“ und „O“. Doch der Park lässt sich auch hervorragend in Tageswanderungen erkunden.

Da die Busse in den Park nur zwei Mal am Tag fahren, nimmt man sich am besten einen Mietwagen, um ganz nach eigenem Belieben im Park herum cruisen zu können. Von Puerto Natales kommend muss man sich zunächst am Parkeingang registrieren und den Parkeintritt bezahlen, der für 3 Tage gültig ist. Man bekommt an der Rangerstation eine Karte des Parks, auf der alle Straßen und Wanderwege samt Länge und benötigter Zeit eingezeichnet sind.

Mirador Cuernos

2 Stunden – einfach

Die Wanderung zum Mirador Cuernos startet bei der Guarderia Pudeto. Wir folgen ab der Guarderia der Straße bis zu einem großen Parkplatz.

Das erste Highlight der Wanderung ist der Salto Grande, ein – wie der Name schon sagt – großer Wasserfall. Wir erreichen ihn bereits nach etwa 10 Minuten Gehzeit. Die Sonne scheint und wir können in der aufschäumenden Gischt einen Regenbogen bewundern. Schon ist die Zeit reif für einen ersten Fotostop!

Salto Grande

Der Salto Grande – den Regenbogen sieht man auf der Aufnahme leider nicht, aber es muss ja in Natura noch eine Steigerung geben!

Die Wanderung verläuft nahezu ohne Steigung, ganz gemütlich am Ufer des Lago Nordenskjöld entlang. Prima geeignet zum Aufwärmen für weitere Erkundungstouren im Park. Leider werden wir Zeuge der Schäden eines verheerenden Waldbrands, den 2012 ein unachtsamer Tourist verursacht hat. Spätestens bei diesem Anblick sollte jedem klar werden, dass man niemals ein offenes Feuer in der freien Natur machen sollte. Weder zum Klopapier verbrennen, noch zum Würstchen braten, noch zum Wärmen.

Wir haben Glück und begegnen unterwegs einigen Guanakos, die sich bereitwillig fotografieren lassen. Tiere sind ja immer ein bißchen schwierig zu fotografieren, aber ein wirklich schönes Guanakofoto zu bekommen gleicht einem Sechser im Lotto, denn die lustigen Gesellen haben eine Vorliebe dafür, ein blödes Gesicht zu machen. Von gefühlten tausend geknipsten Aufnahmen, bleibt am Ende gerade mal eine Hand voll übrig. Der Rest fällt der Delete-Taste zum Opfer.

Guanako

Ein Guanako blickt nachdenklich zu den dunklen Wolken über dem Lago Nordenskjöld. Gut zu sehen sind die traurigen Überreste des Waldbrands.

Das erste Mal machen wir Bekanntschaft mit dem berühmt berüchtigten patagonischen Wind. Er weht nicht gleichmässig, sondern rüttelt immer wieder in starken Böen an unseren Körpern und versucht uns von den Beinen zu holen. Je  näher wir unserem Ziel kommen, umso stärker werden die Böen.

Am Mirador angekommen, gibt es kein Stillstehen mehr. Der Sturm peitscht uns um die Ohren, dass es weh tut. Ein Sandpeeling gibt es gratis dazu. Die Aussicht auf die Los Cuernos ist gigantisch. Wie gern würden wir den Anblick fotografisch festhalten, doch es stellt sich als ein Ding der Unmöglichkeit heraus, ein unverwackeltes Bild zu schießen, so sehr schüttelt uns der Wind durch.

Mirador Cuernos

Die Los Cuernos – die berühmten Hörner des Torres del Paine. Vom Mirador Cuernos sieht man sie am besten. Hier eines der wenigen nicht verwackelten Bilder.

Ein Platz zum lange Verweilen ist der Mirador aufgrund dieser Umstände wahrlich nicht. Wir kehren auf dem selben Weg zurück zu unserem Auto und sind gespannt, was uns als nächstes erwartet.

Mirador Cóndor

2 Stunden – mittel

Die Wanderung auf den Mirador Cóndor startet am Campingplatz Pehoé. Nicht auf der dem Lago Pehoé zugewandten Seite, sondern auf der anderen Straßenseite. Der Einstieg ist ein wenig schwer zu finden. Ohne die Hilfe von einer Navigationsapp (wir nutzen OsmAnd) hätten wir den Weg wahrscheinlich nicht gefunden.

Die Wanderung ist relativ kurz, nämlich ca. 1 Stunde bis zum ‚Gipfel‘. Steigungsmässig hat sie es aber teilweise ganz schön in sich. Besonders das letzte Stück zum Gipfel ist ziemlich steil und der sandige, erdige Untergrund rutschig. Auch der Wind bläst immer stärker, je weiter wir nach oben kommen. Trotzdem lohnt es sich durchzuhalten, denn die Aussicht von oben ist grandios.

Wir überblicken den Lago Pehoé, der in einem surrealen türkis von unten zu uns herauf leuchtet. In der Ferne  sehen wir wieder die Los Cuernos und das Paine Grande Massiv. Es ist atemberaubend schön hier oben.

Mirador Cóndor

Am Mirador Cóndor hat man einen umwerfenden Blick – auch wegen dem Wind

Und umwerfend windig. Zu nah dürfen wir uns nicht an die Klippe wagen. Die Gefahr, über die Kante geweht zu werden, ist zu groß. Wir haben ein Video gemacht wie Baby Mufflon gegen die Böen kämpft. Leider können wir es aus Jugenschutzgründen nicht veröffentlichen, denn der Wind hat beinahe das T-Shirt vom Leib geweht.

Wir sitzen eine Weile oben und genießen die Aussicht, bevor es auf dem selben Weg wieder nach unten geht.

 

Mirador Ferrier

4 Stunden – mittel

Am Fuß des Hotel Lago Grey beginnt die Wanderung zum Ferrier Aussichtspunkt. Bevor es aber losgeht, soll man sich am nahe gelegenen Guardaparque-Häuschen registrieren. Denn oben am Lookout können sehr starke Winde wehen und wenn man nicht aufpasst, weht man mal eben 600 Meter in die Tiefe. Die Registrierung kann das zwar nicht verhindern, aber dann weiß man wenigstens, dass es wieder was zum Aufkratzen gibt…

Der Weg beginnt jedoch recht einfach, es geht circa 800 Meter recht flach über eine Graslandschaft. Erst dann beginnt die Steigung über Wurzeln, kleine und große Steine, lehmige Wege, geröllige Wege – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Aufgeheitert wird man zwischendurch durch Fortschrittsanzeigen auf Holztafeln. Nach der Hälfte wird auch vorgeschlagen, eine kleine Pause zu machen und die Aussicht zu genießen. Hier sieht man schon auf den Lago Grey und Nordenskjöld – und auf die Cuernos.

Läuft man den unspektakulären Weg nun ganz zu Ende und man hat Glück, dass ein laues Lüftchen weht, wird es umso spektakulärer. Die Winde dort oben waren die stärksten, die wir je erlebt haben. Der Rucksack musste abgelegt und mit einem Stein gesichert werden, die Sonnenbrille sicher in der Regen- bzw. nun Windschutzjacke verstaut werden. Und so richtig hat man sich nicht getraut, rumzulaufen, da man wirklich das Gefühl hatte, wegzuwehen. Aber die Aussicht ist toll. Man schaut bis zum Eisfeld hinter – Kinder, Kinder!

Mirador Ferrier

180°-Aussicht auf dem Mirador Ferrier

Da es doch etwas ungemütlich ist, bleibt die Verweilzeit gering. Der Abstieg ist gleich dem Aufstieg. Nach dem Auschecken beim Guardaparque-Häuschen geht es mit dem Mietwagen wieder zurück.

Mirador de Las Torres

7 Stunden – mittel

Die berühmten Las Torres sind neben Fitz Roy und Cerro Torre die bekanntesten Berge Patagoniens und für viele Touristen das Highlight der Reise. Wir selbst haben diesen Mirador im Rahmen des W-Treks aufgesucht. Es ist aber auch möglich, ihn in einer Tagestour zu erwandern.

Die Wanderung startet am Las Torres Hotel. Bis zum Mirador müssen von hier einige Höhenmeter überwunden werden, d.h. es geht stetig bergauf. Nach ca. 2 Stunden ist das Camping Chileno erreicht, wo man auf dem W-Trek die letzte Nacht verbringt. Von hier sind es nochmal ca. 1,5 Stunden bis zum Mirador.

Mirador de Las Torres im Schneesturm

Das ist die Wahrheit – auch so kann man den Mirador de Las Torres antreffen. Zu sehen ist: nichts!

Dieser beginnt mit einer Brückenüberquerung auf die andere Flussseite. Von dort geht es durch Wald mal bergauf, mal gerade bis zum Campamento Torres. Von dort aus immer noch unschwer durch den Rest des Waldes bis die Bäume verschwinden. Ab nun fängt die Kraxelei an. Erst gut ausgetretenen Wegen folgend, geht es bald auf steinige Wege, wo der ein oder andere auch schon mal ein zartes Händchen für das Gleichgewicht einsetzen wird. Letztendlich kommt man oben an der Laguna an. Wir haben gehört, dass der Blick dort wunderschön sein soll – das konnten wir wegen Schneeregen leider nicht nachprüfen. Um keine Erkältung zu bekommen, ging es schnurstracks wieder runter.

Da der Weg selbst nicht sonderlich schön ist, sollte man den anstrengenden Aufstieg nur auf sich nehmen, wenn berechtigte Hoffnung besteht, die Las Torres zu Gesicht zu bekommen. Ansonsten lohnt sich die Wanderung nicht.

 

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