Eines der großen Highlights auf einer Südamerikareise ist ein Besuch des Salar de Uyuni, mit mehr als 10.000 Quadratkilometern der größte Salzsee der Welt. Wir berichten, was es auf der 4-tägigen Reise von San Pedro de Atacama (Chile) nach Uyuni zu erleben gibt.

Die Reise ist nicht ganz unbeschwerlich. Die große Höhe in über 4000 Metern über Meer ist für den flachlandgewöhnten Organismus eine extreme Herausforderung. Zudem muss man sich auf viele Stunden Autofahrt durch unwegsames Gelände gefasst machen. Denn geteerte Straßen sucht man in dieser Gegend Südamerikas vergeblich. Mit dem Allrad-Geländefahrzeug geht es mitten durch die Wüste. Das Gepäck wird aufs Dach geschnallt und die Plätze im Auto sind nicht gerade 5-Sterne-Komfort – vor allem, wenn man das zweifelhafte Glück hat, in der letzten Bank zu sitzen.

Die Unterkünfte sind für unsere Verhältnisse sehr einfach. Fließend Wasser gibt es immer, manchmal sogar warme Duschen. Toilettenpapier sollte man besser mitbringen, ebenso Seife. Strom gibt es stundenweise am Abend – die Konstruktion, mit der die Mehrfachsteckdosen für die Touristen ‚angeklöppelt‘ werden, sind abenteuerlich bis lebensmüde.

Auswahl des Reiseveranstalters

Die erste Herausforderung stellt sich bereits bei der Auswahl der Reiseagentur. Wenn man sich die Bewertungen im Internet durchliest, bekommt man es mit der Angst zu tun. Von betrunkenen Fahrern und schmuddeligen Unterkünften ist die Rede. Nicht gerade einladend. Wir entscheiden uns am Ende für eine Fahrt mit World White Travel – die einzige Agentur, über die wir kein richtig schlechtes Review finden. Das Programm an sich ist übrigens über die Veranstalter hinweg mehr oder weniger einheitlich, d.h. es werden die gleichen Sehenswürdigkeiten angefahren und auch die Unterkünfte sowie die Verpflegung unterscheiden sich nicht wesentlich.

Selbst fahren ist für diesen Trip keine Option – die Wegfindung durch die Wüste und die Versorgung unterwegs sind schwierig, wenn man auf sich alleine gestellt ist. Anders sieht es natürlich aus, wenn man als Weltreisender ohnehin ein geländetaugliches Überlebensfahrzeug bei sich hat. Bei der Fahrt mit einem Reiseveranstalter bekommt man das Rundumsorglospaket mit Fahrer, Verpflegung und Unterkunft. Man muss lediglich genügend Wasser für unterwegs mitbringen.

San Pedro de Atacama

Die City von San Pedro de Atacama – ein bissle staubig, viele Hunde und jede Menge Tourismusbüros und Hostels. Hat auch seinen gewissen Charme – UND: wir haben in San Pedro die besten Empanadas unserer Reise verspeist!

Wenn man sich für eine Agentur entschieden hat, kann man die Tour direkt in ihrem Büro in San Pedro buchen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch vorab über Internet buchen. Es empfiehlt sich, zur Sicherheit nach der Ankunft in San Pedro persönlich ins Büro der Agentur zu marschieren und zu checken, ob die Buchung wirklich funktioniert hat. Man weiß ja nie…

Tag 1 – Als nuff in bolivianische Höhen – kein Spaß für jedermann

Am ersten Tag wird man von einem Bus der Agentur abgeholt und nach den Ausreiseformalitäten aus Chile an der Grenzstation in San Pedro in rasantem Tempo an die bolivianische Grenze gebracht. Dort wird man nach einem ausgiebigen Frühstück auf geländegängige Fahrzeuge verteilt. Wir müssen erst mal den Schreck verdauen, dass wir mit Abstand die ältesten Teilnehmer sind und unsere Mitfahrer beinahe unsere Kinder sein könnten. Dabei kamen wir uns bisher noch gar nicht vor wie Greise…

Laguna Verde

Auch in Bolivien gibt es zahlreiche Lagunen – hier die Laguna Verde

Mit unserem Fahrer Herman haben wir es gut getroffen. Er fährt ordentlich, ist nüchtern und kümmert sich vorbildlich um seine Gäste. Die erste Station, die wir anfahren, sind die Laguna Blanca und die Laguna Verde. Anschliessend besteht die Möglichkeit, in ein paar heiße Quellen einizuspringen und ein Bad zu nehmen. Da PapaMufflons Fuß noch immer einbandagiert ist, beobachten wir lieber ein paar Flamingos. Einige Mitreisende berichten übrigens im Nachgang, dass ihnen das heiße Bad in der noch ungewohnten Höhe ziemlich zugesetzt hat. Wer weiß, dass er empfindlich auf Höhe reagiert, sollte sich überlegen, ob er die Zusatzbelastung für den Kreislauf wirklich auf sich nehmen möchte.

Heiße Quellen Bolivien

Planschen in heißen Quellen – da es am frühen Morgen auf 4000 Metern Höhe noch recht frisch ist, eine willkommene Möglichkeit zum Aufwärmen

Dem Wasser entsprungen, geht es zu unserer ersten Unterkunft. Es ist ein einfaches Hostel auf ca. 4300 Metern Höhe. Dass die dünne Luft nicht jedermanns Sache ist, macht sich schon bald bemerkbar. Die ersten klagen über Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Als wir nach dem Mittagessen zur Laguna Colorada fahren, muss eine Teilnehmerin statt des Ausflugs mit einer Antihöhenkrankheitstablette Vorlieb nehmen.

Laguna Colorada in Bolivien mit Flamingos

Eine gewöhnungsbedürftige Farbe hat die Laguna Colorada – die Flamingos stört es nicht.

Leider hilft die Tablette nicht. Ebenso wenig das Sauerstoffgerät.  Der Zustand der jungen Frau verschlechtert sich zusehends, so dass unsere ganze Gruppe in der Nacht die Sachen packen muss, um nach Villa Mar, einem tiefer gelegenen Ort, zu fahren. Schade, dass die Agenturen nicht deutlich darauf hinweisen, wie wichtig es ist, sich vor Beginn der Tour an die Höhe zu akklimatisieren. Eine Nacht auf 2500 Meter Höhe in San Pedro ist für höhenempfindliche Menschen zu wenig. Besser ist es, einige Nächte dort zu verbringen und mehrere Ausflüge auf 4000 Meter Höhe zu unternehmen. Selbst dann ist es gewagt, die Schlafhöhe direkt auf über 4000 Meter zu verlegen. Wenn es irgendwie machbar ist, sollte man die Tour lieber von Uyuni aus starten – dann ist man von Vorneherein an die Höhe gewöhnt.

Wie Herman im Dunklen den Weg durch die Wüste findet, ist uns allen ein Rätsel. Straßen oder gar Schilder gibt es nicht. Lediglich unzählige Fahrspuren in sämtliche Richtungen. Er sagt, er orientiert sich an den Sternen. Kurz vor Villa Mar versperrt plötzlich ein Lastwagen unseren Weg. Vermummelte Gestalten mit Gewehren kommen auf unseren Wagen zu. Keiner rührt sich. Jeder hält den Atem an. Was geht hier vor? Werden wir gleich überfallen? Sie fragen unseren Fahrer, was das für Leute sind, die er da im Gepäck hat. Touristen sind das, sagt er. Sie kucken grimmig. Überlegen. Fragen nochmal. Und schleichen dabei um das Auto. Sie leuchten mit ihren Taschenlampen ins Auto. Noch immer rührt sich niemand, keiner sagt einen Ton. Dann ist der Spuk vorbei. Wir dürfen weiter fahren. Es waren wohl Polizisten auf der Jagd nach Schmugglern. Wir atmen auf.

Das Hostel in Villa Mar ist auf so späte Gäste nicht eingerichtet. Der Strom ist bereits abgeschaltet. Mit Taschenlampen schleichen wir in die Zimmer, die Herman uns zuweist.

Tag 2 – Alternativrunde über Valle de Rocas

Am nächsten Morgen hüpft die junge Dame wieder quietschvergnügt umher als wäre nichts gewesen.Trotzdem setzen wir die Fahrt nicht auf der geplanten Route fort, sondern wählen einen niedriger gelegenen Weg. Zu unserem Bedauern entgeht uns dadurch der Arbol de Piedra – eine 7 Meter hohe Gesteinsformation inmitten der bolivianischen Wüste, die aussieht wie ein Baum.

Valle de Rocas

Alternativprogramm für alle höhenkrankheitsgeschädigten Gruppen: Rote Felsen im Valle de Rocas

Alternativ besuchen wir das Valle de Rocas, das – wie der Name bereits ankündigt – mit jeder Menge Felsformationen aufwartet. Die Felsen haben klangvolle Namen wie ‚Ciudad Italia Perdida‘ und ‚Copa del Mundo‘. Nach Herzenslust kann man auf den Steinen umherklettern und waghalsige Selfies schießen.

Laguna Negra mit Blümchen

Ein idyllischer Ort – die Laguna Negra

Anschließend unternehmen wir eine kleine Wanderung zur Laguna Negra, die sehr schön gelegen zwischen Felswänden eingebettet liegt. Vor der Lagune grasen in friedlicher Eintracht Lamas und Alpakas. Wir chillaxen einige Zeit an diesem idyllischen Ort, bevor Herman uns in einem kleinen Restaurant das Mittagessen zubereitet. Es gibt Brot und Reis mit Gemüse, Käse und jeder Menge Avokados.

Alpakas an der Laguna Negra

Alpakas grasen an der Laguna Negra

Gut gesättigt geht es durch die Wüste in Richtung Salzhotel. In dem Hotel ist tatsächlich nicht alles, aber vieles aus Salz: die Wände, Tische, Bänke, der Boden, selbst die Betten. Und: es gibt Duschen (nicht aus Salz!). Auf die freut man sich bei der Hitze ganz besonders. Dass es keine getrennten Waschräume für Männlein und Weiblein gibt, nimmt man dabei gerne in Kauf. Dafür bekommen wir als altgedientes Ehepaar ein Doppelzimmer.

Salzhotel Uyuni

Wände, Tische, Bänke – sogar der Boden ist aus Salz im Salzhotel

Da es für diejenigen, die nicht wieder zurück nach San Pedro wollen, bereits der letzte Abend ist, kocht Herman heute ein Festmahl: Hühnchen mit Pommes, dazu eine Flasche Rotwein. Allzu lange wird allerdings nicht gezecht, denn am nächsten Morgen geht es um 4 Uhr in der Früh los. Das Highlight der Tour steht an: der Salar de Uyuni.

Tag 3 – das Highlight der Tour: der Salar de Uyuni

Sonnenaufgang am Salar de Uyuni

Früh um 4 Uhr quälen wir uns aus dem Bett. Schlaftrunken werden die Rucksäcke aufs Auto verfrachtet und los geht sie, die Fahrt durch die Nacht. Im Morgengrauen erreichen wir den Salar de Uyuni. Pünktlich zum Sonnenaufgang halten wir mitten in der Wüste an. Um uns herum nichts als eine Ebene von weißem Salz. Die Kristalle bilden die für reine Salzwüste charakteristischen Waben auf dem Boden. Die aufgehende Sonne taucht die Welt in Töne von zartem Lila, Rosa bis hin zu Orange. Das Schauspiel ist einmalig. Wunderschön. Die Fotoapparate klicken. Die einen halten ihr übliches Selfiegrinsen in die Kamera, andere machen Yogaposen oder kucken in Influencermanier monumental in die Ferne. Sogar ein Heiratsantrag wurde gemacht!

Sonnenaufgang am Salar de Uyuni

Ein magischer Moment – der Sonnenaufgang am Salar de Uyuni

Besuch der Kakteeninsel Isla Incahuasi

Nach dem Sonnenaufgang geht es weiter zur Kakteeninsel Isla Incahuasi. Erstaunlich, wie mitten in die Wüste eine Insel voller Kakteen kommt. Die Kakteen sind teilweise über 10 Meter hoch und mehr als 1000 Jahre alt. Wer mag kann die Insel besteigen und die unendliche Weite des Salar de Uyuni von oben bewundern, bevor am Fuß der Insel gefrühstückt wird.

Isla Incahuasi - Kakteeninsel im Salar de Uyuni

Die Isla Incahuasi – eine Insel voller Kakteen mitten im Salar de Uyuni

Spaßbilder am Salar de Uyuni

Als nächstes folgt für viele der Höhepunkt der Uyunireise: Wer kennt sie nicht – die spaßigen Bilder, auf denen in der unendlichen weißen Weite mit der Perspektive gespielt wird?  Für die weniger verspielten Fotografen ist die Regenzeit im Februar und März besonders reizvoll, denn dann füllt sich der See mit Wasser und verwandelt sich in einen riesigen Spiegel. Wir hatten ehrlich gesagt, auf letzteres gehofft, wobei uns klar war, dass wir im Dezember etwas zu früh für die Regenzeit dran sind.

Spaßfoto Uyuni

Ein bißchen Spaß muss sein! Der Salar de Uyuni lädt ein, mit den Perspektiven zu spielen.

Eisenbahnfriedhof

Der letzte Programmpunkt der Reise ist der Besuch eines Eisenbahnfriedhofs, auf dem zahlreiche sich im Verfall befindliche Loks und Waggons ein pittoreskes Bild für Fotografen bieten.

Eisenbahnfriedhof Uyuni

In Uyuni findet man nicht nur die größte Salzpfanne der Welt, sondern auch den größten Eisenbahnfriedhof

Tag 4 – Rückfahrt nach San Pedro de Atacama

Für die meisten endet die Uyunireise in Uyuni. Wer aus reisetechnischen Gründen am Ende wieder in San Pedro herauskommen möchte, bucht die Fahrt als 4-Tagestrip. In der Regel wechselt dann in Uyuni der Fahrer. Das war auch bei uns der Fall. Er stieg gleich mit einer Bierdose ein, was uns erst einmal misstrauisch gemacht hat. Erkennbar betrunken war er aber nicht und hat uns sicher am nächsten Tag an der chilenischen Grenze abgeliefert.

Man übernachtet in einem Hostel in Villa Mar. Bei uns war es dasselbe wie bei der Notunterkunft in der ersten Nacht. Programmpunkte gibt es auf der Rückfahrt nach San Pedro keine mehr. Allerdings gab es bei uns eine kleine ‚Aftershowparty‘ – zurück in San Pedro machten sich die Nachwirkungen einiger kleiner Bettmitwohner bemerkbar, die wir offenbar in einem der Hostels hatten: Bettwanzen! BabyMufflon war im Gesicht, am Hals und an den Händen übersät mit den typischen Wanzenstraßen. Bei PapaMufflon waren es nur ein paar einzelne Quaddeln. Sämtliche Kleidung haben wir daraufhin erst mal für viele Stunden im Tiefkühler untergebracht, um möglichen Mitreisenden den Garaus zu machen.

 

Würden wir die Fahrt noch einmal machen?

Landschaftlich hat uns der Tagesausflug zu den Lagunas Altiplanicas besser gefallen als die Lagunen, die wir auf der Uyunireise besucht haben. Der Sonnenaufgang am Salar de Uyuni war für uns das unbestrittene Highlight, das man allerdings von Uyuni aus auch als Tagesausflug machen könnte. Angesichts des wirklich günstigen Preises und des Erlebnisfaktors würden wir die Fahrt aber jederzeit wieder als Mehrtagestour machen.

 

Eine spannende Alternative zum Uyuni-Trip ist eine Reise durch die Puna, quasi dem argentinischen Pendant. Travelita hat diese Tour gemacht und einen Bericht mit vielen tollen Bildern geschrieben, der gleich wieder die Reiselust weckt.

 
 

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