Bariloche (eigentlich San Carlos de Bariloche, meist wird aber nur die Kurzform verwendet) gehört zum argentinischen Teil Patagoniens und ist wunderschön gelegen am Nahuel Huapi See, der aus den Gletschern der Anden gespeist wird. Man nennt Bariloche auch die argentinische Schweiz – und tatsächlich erinnert uns so manches an unsere Wahlheimat. Chalets im Schweizer Baustil mit Wimpeln aller Kantone versehen, ein Schokoladen-Laden reiht sich an den anderen, es gibt Fondue und auf dem Marktplatz kann man sich mit einem echten Bernhardiner ablichten lassen. Doch auch der Landschaft kann man eine gewisse Ähnlichkeit mit der Schweiz nicht absprechen: jede Menge Berge und Seen zaubern ein wunderschönes Bild, an dem man sich nicht satt sehen kann.

Schokolade mit Seeblick

Schokolade mit Seeblick! Da fühlen wir uns fast wie zu Hause in der Schweiz 🙂

Am besten lässt sich die Gegend um Bariloche wandernd erkunden. Auf die beliebte Wanderung zum Refugio Frey müssen wir leider verzichten, da PapaMufflon nach einer Fußverletzung gerade erst seine Krücken weggelegt hat und wir es langsam angehen lassen wollen. Zum Glück gibt es auch einige fußfreundliche Alternativen wie den Cerro Llau Llau und den Cerro Campanario.

Auf den Cerro Llau Llau

Der Cerro Llau Llau bietet eine grandiose Aussicht über den Nahuel Huapi Nationalpark. Die Besteigung lässt sich gut mit einer Rundwanderung durch den Parque Llau Llau verbinden. Die Wanderung dauert insgesamt ca. 3-4 Stunden bei eher geringen Höhenunterschieden.

Ohne eigenes Auto kommt man am besten mit dem Bus Nr. 20 zum Ausgangspunkt am Hotel Llau Llau. Zur Fahrt mit dem Bus benötigt man eine sogenannte SUBE-Karte, die man vor Fahrtantritt mit Geld aufladen muss. Dem südamerikanischen Temperament des Busfahrers entsprechend geht es rasant über die holprigen Straßen – es ist empfehlenswert, sich sehr gut festzuhalten, wenn man nicht das Glück hatte, einen Sitzplatz zu erhaschen.

Dem Bus entstiegen, erkunden wir erst einmal den Puerto Pañuelo, von dem aus man Bootsfahrten über den Nahuel Huapi See unternehmen kann. Vom Hafen aus folgen wir eine Weile der Straße bis der Wanderweg ‚Sendero Villa Tacul y Cerro Llau Llau‚ abzweigt. Unterwegs kommt man an einer Rangerstation vorbei, an der man sich ggf. mit einer Karte eindecken kann. Wir bevorzugen die Navigation per GPS mit OsmAnd.

Der Weg startet flach und führt angenehm schattig durch den Wald. Anstrengender wird es, nachdem wir in den Abzweig ‚Cerro Llau Llau‚ eingebogen sind. In einigen Kehren führt der Weg nach oben. Immer wieder tun sich Ausblicke auf den See auf, die immer schöner werden, je weiter man nach oben kommt.

Die letzten Meter zum Gipfel verlaufen recht versteckt durch Gestrüpp. Wir stellen fest, dass die meisten Wanderer den Weg nicht finden und schon vorher umkehren. So erfreuen wir uns in trauter Zweisamkeit an der wunderbaren Aussicht vom Cerro Llau Llau. Etwa in der Art stellen wir uns die norwegische Fjordlandschaft vor. Auch eine gewisse Ähnlichkeit zum Ausblick auf den Vierwaldstättersee können wir feststellen: Seen mit vielen Armen, sanft umspielt von grün bewachsenen Bergen.

Cerro Llau Llau

Den Blick in die Ferne schweifen und die Seele baumeln lassen: das kann man auf dem Cerro Llau Llau

Der Abstieg vom Cerro Llau Llau erfolgt auf dem selben Weg wie der Aufstieg bis man wieder auf den Hauptweg trifft. Von dort setzen wir die Runde vorbei am Mirador Tacul zum Playa de Tacul fort. Wer mag, kann sich an diesem schönen, aber recht bevölkerten Strand eine kleine Abkühlung gönnen.

Blume am Cerro Llau Llau

Hübsche Blümchen auf dem Weg zum Cerro Llau LLau

Die Rückkehr zum Ausgangspunkt erfolgt über den Sendero Villa Tacul und den Sendero de los Arrayanes.

Die Bushaltestelle an der Straße ist nicht wirklich gekennzeichnet – wir haben uns einfach an den Straßenrand gestellt und mit den Armen gewedelt, wie es in Südamerika üblich ist, um dem Busfahrer anzuzeigen, dass man eine Runde mitfahren möchte.

Auf den Cerro Campanario

Auch vom Cerro Campanario hat man einen herrlichen Ausblick auf die Seen und Berge rund um Bariloche. Da der Gipfel gut erschlossen ist, kann man sich auf eine 360°-Rundumsicht freuen, denn es gibt mehrere Aussichtsplattformen, die es ermöglichen den Blick in sämtliche Richtungen schweifen zu lassen.

Fotografin auf dem Cerro Campanario

Fotomotive so weit das Auge reicht gibt es auf dem Cerro Campanario

Den Parkplatz unterhalb des Berges erreicht man entweder mit dem Auto oder mit dem Bus – wie am Vortag mit der Linie 20. Da es etwas schwierig ist, die richtige Haltestelle mitzubekommen, ohne die ganze Fahrt am Handy über GPS mit zu verfolgen, bittet man am besten den Fahrer, Bescheid zu geben, sobald der Cerro Campanario erreicht ist (vorausgesetzt die Spanischkenntnisse reichen dafür aus).

Panorama Cerro Campanario

Nicht von schlechten Eltern: das Panorama vom Gipfel des Cerro Campanario

Die gute Nachricht für alle Fußkranken oder anderweitig verhinderten Wanderer: es gibt einen Sessellift, mit dem man bequem auf den Gipfel schweben kann. Da PapaMufflon sich bei der Wanderung zum Cerro Llau Llau übernommen hat und der Fuß schmerzt, nimmt er diese Möglichkeit dankbar an. BabyMufflon macht sich tapfer zu Fuß auf den zwar kurzen, aber knackigen Aufstieg. Der Weg ist steil und sandig. Eine Kombination, die im Aufstieg problemlos funktioniert, den Abstieg aber zu einer Rutschpartie werden lässt. Wie gut, dass man auf den Lift ausweichen kann 😉

Wer sich nach diesen Aufwärmwanderungen noch für die Wanderung zum Refugio Frey interessiert, dem sei Janas Bericht bei Sonne & Wolken ans Herz gelegt.

Kulinarische Highlights in Bariloche

Wir sind ein Wanderblog und werden nicht damit anfangen, jedes Essen zu fotografieren, bevor wir es verschlingen (dazu sind wir viel zu gefrässig!). Aber in Bariloche gab es tatsächlich ein paar Restaurants, in denen wir sensationell gut gespeist haben. Die wollen wir euch auf keinen Fall vorenthalten und deshalb gibt es an dieser Stelle die ersten als nuff!-Gourmettipps!

Gourmettipp 1: Alto el Fuego

Unser erstes und zugleich bestes argentinisches Steak haben wir im Alto el Fuego verspeist. Obwohl wir nur wenige Minuten nachdem das Restaurant geöffnet hat, eingetroffen sind, haben wir gerade noch zwei Plätze ergattern können. Das Alto el Fuego ist sehr beliebt – wer nicht leer ausgehen will, sollte unbedingt Plätze reservieren.

Wer zu zweit ist, kann sich gut eine Portion teilen, denn die Fleischstücke sind riesig. Wir haben Bife de Ojo bestellt. Dazu eine Portion Grillgemüse. Und es war gigantisch. Außen kross und innen saftig. Einfach genial! Kein Wunder, dass dieses Restaurant auch auf Tripadvisor die Nr. 1 ist!

Gourmettipp 2: El Boliche de Alberto

Auch unseren zweiten Bariloche-Abend verbringen wir in einem erstklassigen Steakhouse, dem El Boliche de Alberto. Diesmal treffen wir bereits 20 Minuten vor der Öffnungszeit am Lokal ein – und sind nicht die ersten. Ein bunt gemischtes Publikum aus Asiaten, Europäern und Südamerikanern tummelt sich vor dem Lokal. Anscheinend kann man im El Boliche de Alberto nicht reservieren. Wir haben Glück und bekommen den letzten Zweiertisch. Wer zu spät kommt, muss ca. 1 Stunde Wartezeit einrechnen, bis die ersten Mäuler gestopft sind und sich zufrieden aus dem Restaurant rollen.

Heute gibt es Bife de Lomo mit Pommes. Auch in diesem Lokal ist eine Portion vollkommen ausreichend für 2 Personen. Die Grillmeister nehmen persönlich die Bestellung auf und kredenzen das Fleisch auf einem monströsen Grill. Auch wenn für unseren Geschmack das Alto el Fuego die Nase einen kleinen Tick vorne hat, schmeckt es uns im El Boliche de Alberto hervorragend!

Und zum Nachtisch: Helados Jauja

Ein Laster braucht jeder – unseres besteht aus Zucker. Deshalb darf nach keiner Mahlzeit ein süßer Nachtisch fehlen. Wer nach tonnenweise Schokolade zur Abwechslung ein Eis möchte, findet im Helados Jauja ein umfangreiches Angebot. Zunächst waren wir etwas enttäuscht, als wir nur eine Hand voll Sorten in der Auslage vorfanden. In Argentinien bestellt man allerdings seine Eissorten nicht ‚auf Sicht‘, sondern muss tatsächlich auf die Karte schauen, denn die meisten Geschmacksrichtungen sind hinter der Theke verborgen.

Es gibt  im Jauja über 10 verschiedene Sorten Schokoladeneis – allen Schokoholics können wir Chocolate profundo wärmstens empfehlen. Dazu kommen nochmal fast so viele Variationen Dulce de Leche-Eis. Dulce de Leche ist eine typisch südamerikanische Creme aus Milch, Zucker und Vanille. Bei den Fruchteissorten hat es uns Limongibre angetan – Zitronensorbet mit Ingwer. Mmmmmh – sehr fein!

 

Wir haben uns in Bariloche sehr wohl gefühlt. Die Landschaft ist traumhaft, die Stadt sehr schön und kam uns – aus einfacheren Gegenden Chiles kommend – wie purer Luxus vor. Hätten wir nicht noch einige andere Ziele auf unserer Reise vor uns gehabt, wären wir in Bariloche gerne länger als ein paar Tage geblieben.

 

Hier geht es zu unserer Packliste für 3 Monate Abenteuer in Südamerika!