Haare waschen mit Mehl? Klingt ziemlich abgefahren. Und bietet gegenüber der Haarwäsche mit gewöhnlichem Flüssigshampoo einige Vorteile: keine Plastikverpackung, keine Chemie, günstiger Preis. Doch funktioniert die Haarwäsche mit Mehl tatsächlich so gut, wie in vielen Artikeln zu lesen ist? Hier meine Erfahrungen aus drei Monaten Testphase.

Haare waschen mit Roggenmehl – warum?

Es gibt viele Gründe, das Haare waschen mit Roggenmehl auszuprobieren.

  • Minimalismus: Bei uns war es der Hang zum Minimalismus. Wir wollen gerne so wenig wie möglich Fläschchen und Tübchen im Bad herumstehen haben. Auf Pias Blog Kraftfutter bin ich aufs Haare waschen mit Roggenmehl gestossen und war gleich begeistert. Mehl hat man i.d.R. sowieso im Haus. Das Mehl wird nun einfach multifunktional genutzt. Und tolle Haare soll das Roggenmehl auch machen. Was will man mehr?
  • Keine Plastikverpackung: Daneben tut man Gutes für die Umwelt, denn man spart sich die Plastikverpackung, ohne die kein flüssiges Shampoo zu haben ist. Mehl kommt allenfalls in einer Papiertüte daher und wer die auch noch sparen möchte, kann das Mehl in einem Unverpacktladen kaufen, den es mittlerweile in jeder gut sortierten Stadt gibt.
  • Keine Chemie: Ein weiterer Pluspunkt bezüglich Umweltfreundlichkeit betrifft die Inhaltsstoffe. Während man sich mit Shampoo jede Menge fragwürdige Inhaltsstoffe in die Haare schmiert und danach ins Abwasser spült, besteht Mehl lediglich aus dem Naturprodukt Getreide.
  • Sparen: zu guter Letzt spart man auch noch Geld, denn die Kosten für 1-2 Esslöffel Mehl sind nun wirklich nicht der Rede wert.

Haare waschen mit Roggenmehl – wie funktioniert das?

Haare waschen mit Roggenmehl ist fast so einfach wie die Haarwäsche mit herkömmlichem Shampoo. Allerdings benötigt es etwas Aufwand in der Vorbereitung, da das Roggenmehlshampoo vor jeder Haarwäsche frisch angerührt werden muss.

Zubereitung des Roggenmehlshampoos

Man gibt (für lange Haare) ca. 2 Esslöffel Mehl in eine kleine Schüssel, gibt einen grosszügigen Schuss Wasser dazu und verrührt das Ganze zu einer glatten Masse. Man kann die Pampe entweder sofort verwenden oder erst einmal eine Zeit lang stehen lassen. Je länger das Mehl steht, umso grösser soll die Pflegewirkung des Mehls sein. Je kürzer, umso mehr der Reinigungseffekt. Ich habe variiert zwischen sofortiger Verwendung bis ca. 2 Stunden Gehzeit und habe keinen Unterschied festgestellt.

Anwendung des Roggenmehlshampoos

Zunächst werden die Haare wie bei jeder Haarwäsche nass gemacht. Dann massiert man die Mehlmasse gut ins Haar ein. Das geht am besten, wenn sie nicht zu fest ist. Daher habe ich beim Anrühren immer grosszügig Wasser beigemischt. Zum Einmassieren und Einwirken lassen muss man etwas mehr Zeit einkalkulieren als bei normalem Shampoo. Auch das Auswaschen dauert, abhängig von der verwendeten Mehlsorte, länger bis deutlich länger.

Als Alternative zum Conditioner kann man als Abschluss noch eine saure Rinse übers Haar geben. Dazu gibt man zwei Esslöffel Apfelessig in einen Liter Wasser und kippt sich das im Anschluss an die Haarwäsche über die Haare. Keine Angst – der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen der Haare.

Erfahrungsbericht aus drei Monaten Haare waschen mit Mehl

Inklusive Vergleich verschiedener Roggenmehlsorten

Ganz wichtig: Bei jedem Mehl, das zum Haare waschen verwendet wird, muss es sich um ein Roggenmehl handeln. Andere Mehlsorten verkleben die Haare.

Einige Erfahrungen waren unabhängig von der verwendeten Roggenmehlsorte:

  • Die Roggenmehlpampe schäumt und duftet nicht wie das gewohnte Shampoo, was mich aber nicht gestört hat
  • Nach der Wäsche fühlen sich die nassen Haare stumpf an. Vom Anfassen und auch vom Kopfhautfeeling her bin ich manchmal im Zweifel, ob man überhaupt sehen wird, dass die Haare gewaschen sind.
  • Diese Bedenken sind nicht nötig, denn optisch sehen sie nach dem Trocknen einwandfrei frisch und nicht mehr fettig aus
  • Das Gefühl, beim in die Haare fassen einen dreckigen Hund zu streicheln, hat sich in den drei Monaten Testphase leider auch nach dem Trocknen nicht gegeben
  • Die Kämmbarkeit ist sowohl direkt nach der Haarwäsche als auch an den Folgetagen einwandfrei. Keinerlei Verfilzen, obwohl ich zum Auswaschen ziemlich viel in den Haaren herumgewurschtelt habe
  • Mein Eindruck ist, dass weniger Haare als sonst ausfallen. Sonst hängt nach dem Kämmen der Kamm voller Haare. Mit der Mehlpflege ist das nicht der Fall. Klar gehen ein paar Haare aus, aber eben nicht so viele
  • Allerdings macht es sich am Kamm bemerkbar, dass eine wachsige Schicht auf dem Haar geblieben ist. Zunächst dachte ich, dass das nur ein Anfangsphänomen ist während der Umstellung von Industrieshampoo auf Mehl. Leider hat es sich in den drei Monaten eher verschlimmert als dass eine Besserung in Sicht war.

Roggenvollkornmehl

Vollkornmehl wird mehlfein vermahlen, enthält aber sämtliche Bestandteile des vollen Korns. Durch die reichhaltigen Inhaltsstoffe soll es für die Haare pflegender sein als ein nichtvollkörniges Mehl.

Allerdings ist es sehr mühsam bis unmöglich das Mehl nach dem Waschen komplett ausgespült zu kriegen. Im Vergleich zum Auswaschen von normalem Shampoo habe ich die Haare um ein Vielfaches länger ausgespült und trotzdem hingen danach noch Mehlreste in den Haaren, die in den nächsten Stunden bzw. noch am folgenden Tag herausgerieselt sind (sieht dann aus als hätte man Schuppen). Man muss dazu sagen, dass ich sehr dicke, dichte lange Haare habe. Bei dünnem und kurzem Haar stellt das Auswaschen sicher kein Problem dar.

Roggenvollkornschrot

Das Vollkornschrotmehl ist im Vergleich zum Vollkornmehl nur grob zerkleinert und dadurch stückiger. Auch das Vollkornschrotmehl ist sehr mühsam zum Auswaschen, jedoch lassen sich die nicht ausgespülten Schrotteile relativ leicht auskämmen, so dass die Wohnung nicht so stark vollgebröselt wird wie beim Vollkornmehl. Am Folgetag waren keine Schrotteile mehr in den Haaren zu finden.

Insgesamt ist dieser Mehltyp mein Favorit: er lässt sich besser auswaschen bzw. nach der Wäsche auskämmen als Vollkornmehl und die Haare fetten nicht so schnell nach wie bei Typ 1150.

Roggenmehl Typ 1150

Beim Roggenmehl Typ 1150 werden die groben Anteile beim Mahlen herausgesiebt, dadurch hat es eine feinere Konsistenz als Vollkornmehl. Das macht sich beim Waschen dadurch bemerkbar, dass es wesentlich leichter auszuspülen geht, fast genauso schnell wie bei der ’normalen‘ Haarwäsche. Beim 1150er Mehl wurden meine Haare allerdings schneller fettig als bei den Vollkornvarianten. Vom Waschergebnis her fand ich diese Sorte im Vergleich zu den beiden anderen weniger gut.

Mein Fazit zum Haare waschen mit Mehl

Die Idee, die Haare mit Mehl zu waschen, fasziniert mich nach wie vor. Jedoch muss ich zugeben, dass ich mich mit dem wachsigen Gefühl auf den Haaren zunehmend unwohl gefühlt habe. Im Urlaub habe ich deshalb doch wieder zu Shampoo gegriffen und hatte das erste Mal seit langem wieder das Gefühl, dass die Haare wirklich sauber sind.

Vielleicht gebe ich dem Experiment ‚Roggenmehl‘ eines Tages nochmal eine Chance. Was ich nämlich noch nicht ausprobiert habe, ist die ‚Saure Rinse‘ nach der Wäsche, wie das Nachspülen mit Essigwasser genannt wird. Vielleicht kann man damit gegen das wachsige Feeling Abhilfe schaffen. Ich werde berichten…

Momentan bin ich erst einmal beim Austesten von festem Shampoo.

Übrigens: unter unserem Tag ‚Nachhaltigkeit‘ berichten wir von weiteren genialen Alternativen zu althergebrachten Industrie-/Konsumprodukten.

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