Der Aargau ist nicht gerade die Gegend, die einem als Wanderziel in der Schweiz zuallererst in den Sinn kommt. Doch es gibt einiges zu entdecken, in diesem oft unterschätzten Kanton. So zählt er zu den waldreichsten Kantonen der Schweiz: ein Drittel der Fläche ist mit Wald bedeckt. Auch für Geschichtsfreunde wird einiges geboten. Im Aargau gibt es über 40 Burgen und Schlösser, unter anderem die Habsburg, bekannt als die Stammburg der Herrscherdynastie der Habsburger. Auf dem Aargauer Weg erlebt man von Frick nach Muri einen abwechslungsreichen Mix zwischen Landschaft und Kultur.

Aargauer Weg Etappe 1: Von Frick nach Wittnau

Die Etappe der Kraftorte

Der Startpunkt des Aargauer Wegs befindet sich in Frick, das für seine Dinosaurierfunde bekannt ist. Fans der ausgestorbenen Giganten sollten einen Besuch im Dinosauriermuseum nicht verpassen.

Die Landschaft ist geprägt von den bewaldeten Hügeln des Tafeljuras. Dazwischen befinden sich viele sattgrüne Obstwiesen und Felder. Besonders im Frühling zur Zeit der Kirschblüte bietet sich ein Spaziergang auf dem Fricktaler Chriesiwäg an. Es gibt dann nicht nur jede Menge über den Kirschanbau zu erfahren, sondern auch wunderschöne Kirschblüten in live zu bewundern.

Aargau - Feldweg bei Wittnau
Typische Aargauer Landschaft – jede Menge bewaldete Hügel, dazwischen viele grüne Wiesen und Felder

Erkundung der Ruine Alt-Tierstein

Nachdem wir die Felder hinter uns gelassen haben und eine Weile durch den Wald gewandert sind, erreichen wir die Ruine Alt-Tierstein, die einst vom Grafen Tierstein-Homberg und seiner Familie bewohnt wurde. Viel ist bis in die heutige Zeit nicht erhalten geblieben, doch ein paar Mäuerle gibt es noch, zwischen denen wir herumklettern und uns in der Fantasie ins 11. Jahrhundert zurückversetzen lassen können.

Durch das Naturwaldreservat Tiersteinberg geht es weiter. Im Naturwaldreservat darf die Natur sich frei entfalten. Während Bäume in wirtschaftlich genutzten Wäldern im besten Alter gefällt werden, dürfen die Bäume hier in Ruhe altern bis sie schliesslich eines natürlichen Todes sterben, umfallen und weiter als Lebensraum für andere Pflanzen, Tiere und Pilze dienen.

Kapelle-Buschberg

Am Waldrand kurz vor Wittnau erreichen wir die Kapelle Buschberg. Der Ort wird bereits seit dem 17. Jahrhundert von Wallfahrern angesteuert und ist mittlerweile auch als erdenergetischer Kraftort bekannt. Auch wer weder gläubig noch esoterisch veranlagt ist, wird an der Kapelle ein ruhiges, schattiges Plätzle zum Ausruhen finden.

Wallfahrtskapelle Buschberg bei Wittnau
Ein Ort der Ruhe und Kraft: die Wallfahrtskapelle Buschberg bei Wittnau

Der Weg bis Wittnau führt über einen Kreuzweg zu einer Lourdesgrotte. Zum besseren seelischen Wohlbefinden kann man hier noch ein kleines Gebet sprechen und eine Kerze anzünden, bevor die Etappe in Wittnau zu Ende geht.

Lourdes-Grotte Wittnau
Die Lourdes-Grotte bei Wittnau. Ab hier führt ein Stationenweg bis zur Wallfahrtskapelle auf dem Buschberg

Aargauer Weg Etappe 2: Von Wittnau nach Aarau

Über die Wasserflue in die Hauptstadt des Aargaus

Wer viel Kondition mitbringt, kann diese Etappen mit der ersten verbinden. Gemütlicher ist es jedoch, die Etappen kleiner zu schneiden. Auf dem Aargauer Weg gibt es immer wieder interessante Lehrtafeln, sei es über die einstigen Bewohner des Aargau oder über die Natur – es wäre schade, wenn man daran achtlos vorbei hastet.

Über die Burgfluh geht es – wieder durch viel Wald – hinauf zur Salhöhe. Wer hungrig ist, kann sich am Waldgasthaus stärken, bevor es weiter zur Wasserflue geht. Der Weg verläuft schmal über Stock und Stein. Auf diesem Teil des Wegs sollte man definitiv eine gewisse Trittsicherheit mitbringen, wenn man sich nicht die Knochen brechen möchte. Besondere Vorsicht gilt bei Nässe, denn dann werden die Steine und das unten liegende Laub glitschig.

Vom Gipfel der Wasserflue bietet sich eine hervorragende Aussicht bis in die Alpen. Zumindest sofern die Sichtverhältnisse klar sind. Und es gibt nebst einer Sitzbank zum gemütlichen Pausieren sogar ein Gipfelbuch, in dem man sich verewigen kann.

Wasserflue Panorama
Das Panorama von der Wasserflue. Nur allzu gut kann man es sich vorstellen, wie einst zahlreiche Ritter mit ihren Pferden durch die dichten Wälder galoppierten

Der Abstieg nach Aarau erfolgt auf teils ruppigen, schmalen Waldwegen. Wenn der Grund nass ist, sollte man erwägen, vom Original Aargauer Weg mit der Nummer 42 abzuweichen und über Erlinsbach nach Aarau zu kommen.

Wanderweg Wasserflue
Der Wanderweg von der Wasserflue nach Aarau führt teils schmal und steil durch den Wald und sollte gerade bei nassem Herbstwetter nicht unterschätzt werden

Stippvisite in der Kantonshauptstadt

Egal ob man über den Aargauer Weg oder alternativ über Erlinsbach nach Aarau wandert. Beide Wege treffen am Alpenzeiger oberhalb von Aarau zusammen. Von diesem Punkt aus überschaut man Aarau mit seiner schönen Altstadt und – wie der Name schon sagt – die Alpen. Gute Sicht vorausgesetzt. Und die gibt es wie das Foto beweist nicht jeden Tag.

Alpenzeiger Aarau
Einer der Topaussichtspunkte bei Aarau – der Alpenzeiger. Mit tollem Blick über die alten und neuen Türme der Stadt und mit ein bisschen (viel) Glück zeigen sich im Hintergrund die Alpen

In Aarau lohnt sich ein Bummel durch die Altstadt mit ihren bunt bemalten Dachgiebeln und Türmen. Auch wenn Aarau als touristische Attraktion eher unbekannt ist, braucht es sich mit seinen kleinen Gässchen nicht zu verstecken.

Altstadt Aarau
Wenn man sich die kunstvoll bemalten Dächer in der Aarauer Innenstadt anschaut, muss man nicht lange überlegen, warum Aarau auch die „Stadt der schönen Giebel“ genannt wird

Aargauer Weg Etappe 3: Von Aarau nach Wildegg

Durch eine faszinierende Auenlandschaft

Die Etappe von Aarau nach Wildegg ist, was die zurückzulegenden Höhenmeter angeht, sehr entspannt. Es gibt nämlich keine Höhenmeter. Wir wandern stets an der Aare entlang und entdecken die faszinierende Welt der Auen. Es handelt sich in diesem Gebiet um das grösste zusammenhängende Auengebiet im Aargau. Und das, obwohl sage und schreibe 90% der Auengebiete im Aargau in den letzten 150 Jahren vernichtet worden sind. Was das für die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten bedeutet, kann man sich vorstellen.

Während man im 19. und 20. Jahrhundert der Aare durch Dämme und Einfriedungen jeglichen Raum zur freien Entfaltung genommen hat, geht man mittlerweile den umgekehrten Weg und versucht durch Renaturierungsmassnahmen die Natur wieder zu vitalisieren. Ein Auengebiet ist gekennzeichnet durch stetige Veränderung des Flussbetts. Hochwasser sorgt für eine dynamische Umgestaltung der Lebensbedingungen, Geröll und Altholz werden umgeschichtet, alte Sandbänke verschwinden, neue entstehen.

Auenschutzpark Aargau
Zwischen Aarau und Wildegg führt der Aargauer Weg durch eine einzigartige Auenlandschaft

Besonders interessant ist auch die Aufstiegshilfe für Fische, mit der sie das Wehr des Kraftwerks Rupperswil-Auenstein umgehen können. Der Wanderkorridor bietet neben der Umgehung des Wehrs auch Laichplätze für bestimmte Fischarten. Damit man weiss, wie viele Fische den Korridor passieren, gibt es ein Fischzählwerk. Durch die Fenster der Zählkammer kann man die Fische sogar beobachten. Bzw. könnte man, wenn die Scheiben sauber wären. Bei den angesetzten Algen kann man lediglich ein paar schemenhafte Gestalten vorbeihuschen sehen.

Baum mit Biberspuren an der Aare
Da war einer fleissig! An der Aare tummeln sich wie man sieht auch einige Biber

Aargauer Weg Etappe 4: Von Wildegg nach Brugg

Besuch im Schloss Wildegg

Über Wildegg thront das gleichnamige Schloss Wildegg. In den Sommermonaten kann das Schloss mit dem grossen und schön angelegten Schlossgarten besichtigt werden. Der Besucher taucht ein in die Welt der Patrizierfamilie Effinger und kann allerlei authentisch eingerichtete Zimmer und Gemächer inspizieren.

Schloss Wildegg
Schloss Wildegg, das über dem gleichnamigen Ort thront, ist viel zu schön, um nur daran vorbei zu wandern

Waldbaden im Naturwaldreservat Chestenberggrat

Nachdem wir das Schlossareal hinter uns gelassen haben, führt uns der Weg durch das Naturwaldreservat Chestenberggrat. Wer Wald liebt, kommt auf dieser Etappe voll auf seine Kosten.

Sonnenstrahlen im Wald
Was für eine mystische Stimmung! Sonnenstrahlen blitzen durch die Baumkronen in den Wald

Ab und an bietet sich – wie am Aussichtspunkt Panorama Thalheim – am Waldrand eine grandiose Aussicht über den Aargau und die Aare.

Aussichtspunkt Panorama Thalheim
Eine weite Sicht hat man am Aussichtspunkt Panorama Thalheim

Den Habsburgern auf der Spur

Nach der Überquerung des Chestenbergs – einem Ausläufer des Faltenjura –  kommt schon bald das zweite Schloss des Tages in Sicht: das Schloss Habsburg. Laut der Legende entschloss sich der Graf bei der Jagd mit seinem Habicht, genau auf diesem Hügel jene Burg zu errichten, die schliesslich zum Stammsitz der Habsburger werden solle. In der Habsburg befindet sich eine kleine Ausstellung und ein Restaurant.

Die Habsburg
Schloss Habsburg – der Stammsitz der weltbekannten Habsburger, die im Spätmittelalter ein ganzes Weltreich beherrschten

Die Etappe führt weiter durch bewaldetes Gebiet bis nach Brugg.

Aargauer Weg Etappe 5: Von Brugg über Baden nach Mellingen

Durch das Wasserschloss der Schweiz

In Brugg lohnt sich ein kleiner Abstecher zum Kloster Königsfelden, dessen Kirchengebäude vor allem für seine bunten Glasfenster bekannt ist. Wie so viele historische Gebäude der Region wurde auch das Kloster Königsfelden von den Habsburgern errichtet.

Kloster Königsfelden bei Brugg
Das Kloster Königsfelden bei Brugg ist ein weiteres kulturelles Schmankerl auf dem Aargauer Weg

Nach jeder Menge Geschichte wartet auf dieser Etappe auch wieder ein landschaftlicher Höhepunkt auf uns. In der Region Brugg liegt nämlich das sog. Wasserschloss der Schweiz. Hier vereinen sich die Flüsse Aare, Reuss und Limmat.

Wasserschloss Aare
Im Auengebiet Wasserschloss kommen Limmat, Reuss und Aare zusammen und fliessen als Aare vereinigt weiter

Durch den Wald geht es nun bis zur Ruine Stein vor den Toren Badens. Von hier oben hat man einen schönen Blick über die Altstadt, zu der wir bald weiter wandern. Baden ist ein schönes Städtchen, für das man sich ruhig ein Weilchen Zeit nehmen kann.

Baden Altstadt von der Ruine Stein aus
Von der Ruine Stein aus hat man die Altstadt von Baden gut im Blick

Nachdem wir Baden hinter uns gelassen haben, wandern wir durch das Naturwaldreservat Teufelskeller nach Mellingen. Besonders authentisch  wird das Erlebnis, wenn man sich an einem trüben Herbsttag in den Tüfels Chäller begibt. Im wabernden Nebel kann einem zwischen Gesteinstürmen und moosbewucherten Baumstämmen tatsächlich ein bisschen das Gruseln kommen.

Teufelskeller Baden
Schaurige Stimmung herrscht im Tüfels Chäller bei Baden – zumindest, wenn man ihn an einem typischen Novembertag besucht

Aargauer Weg Etappe 6: Von Mellingen nach Bremgarten

Entlang der Reuss von einer historischen Altstadt zur anderen

Diese Etappe startet in Mellingen. Der Weg ist meist nur ein schmaler Pfad und führt mal direkt am Ufer entlang, mal geht es im Wald hinauf und man kann von oben auf das türkisfarbene Wasser der Reuss blicken. Zwischen Kloster Gnadenthal und Eggenwil läuft man auf dem sog. Freiämterweg, einem regionalen Natur- und Kulturwanderweg, auf dem man diverse Klöster und Altstädte entdecken kann.

Wir durchwandern das Naturschutzgebiet Foort bei Eggenwil. Während im 19. Jahrhundert die Reuss begradigt und ihre Ufer verbaut wurden, versucht man auch hier wie an der Aare einen anderen Weg hin zur Auenrenaturierung zu beschreiten. Bereits verschwundene Tier- und Pflanzenarten wie zum Beispiel der Biber können wieder einen Lebensraum finden.

An einem trüben Novembertag begegnet man keiner Menschenseele und kann ungestört seinen Gedanken nachhängen.

Nebel über der Reuss auf dem Aargauer Weg
Nebelschwaden wabern über der Reuss

Nach ca. 3,5 Stunden Wanderzeit erreichen wir Bremgarten. Wie an so vielen Orten, die wir auf dem Aargauer Weg passieren, wandeln wir auch in Bremgarten auf den Spuren der Habsburger. Über eine Treppe gelangen wir in die schöne Altstadt und schliesslich den Bahnhof.

Aargauer Weg Etappe 7: Von Bremgarten nach Muri

Zum Abschluss ein benediktinisches Doppelkloster

Und schon befinden wir uns auf der letzten Etappe des Aargauer Wegs. Vom Bahnhof Bremgarten geht es am Stadtschulhaus vorbei hinunter zur Reuss. Bevor man von hier aus dem Aargauer Weg folgt, lohnt sich ein Abstecher rechter Hand zur Reussbrücke, einer gedeckten Holzbrücke aus dem 13. Jahrhundert. Auf der anderen Flussseite hat man den typischen Blick auf Bremgarten, den man auf vielen Bildern des Ortes sieht.

Stadtschulhaus Bremgarten
Die letzte Etappe des Aargauer Wegs beginnt in Bremgarten

Die nächsten Kilometer folgen wir dem Reussuferweg, der – zumindest an einem trüben Dezembertag – zuweilen ein bisschen eintönig ist. Der Besuch des Benediktinerinnenklosters Hermetschwil bietet eine willkommene Abwechslung. Im Klosterlädeli verkaufen die Klosterschwestern Eigenprodukte wie Honig, Klostergebäck und Konfitüren.

Kloster Hermetschwil
Eine Abwechslung zur Reussuferwanderung bietet ein Abstecher zum Kloster Hermetschwil

Kurz nach dem Kloster passieren wir den Dominilochsteg, eine gedeckte Holzbrücke. Weiter geht es auf einem Schutzdamm am Flachsee vorbei, an dessen Ufer sich ein Feuchtgebiet, das Rottenschwiler Moos, befindet. Mit viel Geduld und etwas Glück kann man einen Eisvogel erspähen. Wir hatten weder Geduld noch Glück und mussten uns mit einer Schar Gänse zufrieden geben.

Gänse am Flachsee im Aargau
Graugänse unterwegs am Flachsee

Nur noch wenige Kilometer, dann nimmt der Aargauer Weg am Kloster Muri sein würdiges Ende. Die Klosteranlage gehört zu den bedeutendsten kulturellen Anlagen im Aargau. Bereits im 11. Jahrhundert siedelten sich Mönche des Benediktinerordens hier an. Nach und nach wuchs das Kloster zu seiner jetzigen Grösse. Die Frauenabteilung wurde in Hermetschwil eröffnet. Heute leben im Kloster Muri keine Mönche mehr. Das Kloster wurde bereits 1841 aufgehoben und die Mönche umgesiedelt.

Kloster Muri
Der Aargauer Weg endet in Muri AG, wo man zum Abschluss der Wanderung mit dem Kloster Muri eines der bedeutendsten Wahrzeichen des Aargaus zu sehen bekommt

Damit endet unsere Wanderung auf dem Aargauer Weg. Schlösser, Burgen, Klöster auf kultureller Seite. Wälder und Auen auf landschaftlicher Seite. Das alles und noch viel mehr durften wir unterwegs kennen lernen. Der Kanton Aargau spiegelt nicht das Bild der Schweiz mit hohen schneebedeckten Bergen wider. Und gerade deswegen lohnt es sich, auf dieser Etappenwanderung auch die durch sanfte Hügel geprägte Seite der Schweiz kennen zu lernen. Wir können den Aargauer Weg jedem, der gerne zu Fuss unterwegs ist, wärmstens empfehlen. Denn der Aargau bietet mehr als man erwartet.

Der Aargauer Weg eignet sich wegen seiner geringen Höhe hervorragend, wenn in den höheren Lagen schon oder noch Schnee liegt. Übrigens: auf alsnuff gibt es noch weitere Ideen für Frühjahr und Herbst 😉

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