Alleine wandern zu gehen kostet oft mehr Überwindung und Mut, als gemeinsam mit anderen zusammen auf Wanderschaft zu gehen. Wir geben Tipps, wie Du den inneren Schweinehund und deine Ängste überwinden kannst.

Wie ich dazu kam, alleine wandern zu gehen

Ich muss gestehen, dass ich früher praktisch nie alleine wandern gegangen bin. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen habe ich mir schlicht nicht zugetraut alleine den richtigen Weg zu finden. Zum anderen hatte ich ehrlich gesagt mehr als nur ein bisschen Angst so ganz alleine in der freien Wildbahn unterwegs – vor dem bösen Wolf, dem schwarzen Mann und all den Bösewichten, von denen man so oft in den Medien liest, hört und sieht. Ausserdem dachte ich, man kommt sich ziemlich blöd vor, wenn man ganz alleine seines Weges zieht, während alle anderen mindestens zu zweit sind.

Also habe ich, wenn keine passende Begleitung verfügbar war, lieber auf einen Ausflug in die Natur verzichtet und statt dessen in den heimischen vier Wändern ein Workout gemacht.

Die Wende brachte eine langwierige Fussverletzung von PapaMufflon. Nach einem Sturz beim Klettern war er am Ende für fast ein komplettes Jahr stillgelegt, so dass ich vor der Wahl stand, ebenfalls für diese Zeit zu pausieren, mir ständig neue Weggefährten zu suchen oder einmal zu versuchen, alleine wandern zu gehen.

Den inneren Schweinehund Schritt für Schritt überwinden

Wie bei vielen Dingen, ist auch wenn man alleine wandern gehen möchte, der erste Schritt der schwierigste. Hilfreich ist, sich nicht zu viele Gedanken zu machen und einfach mal anzufangen. Es muss ja nicht gleich eine Mehrtagestour sein, zu der man aufbricht.

Zu Beginn habe ich nicht gleich eine grosse Wanderung mit langer Anfahrt unternommen, sondern bin einfach jeden Tag zu einem kleinen Spaziergang gestartet. Von der Haustüre aus, auf Wegen, die ich bereits gut kannte.

Allmählich habe ich dann sowohl Länge der Wanderung als auch An-/Abreisestrecke ausgedehnt. Mittlerweile bin ich in der ganzen Schweiz unterwegs.

Sicherheit beim alleine wandern

Orientierung

Die Sorge, unterwegs verloren zu gehen, hat sich schnell gelegt. Mit dem Smartphone hat man heutzutage so gute Hilfsmittel zur Verfügung, dass man selbst mit schlechtem Orientierungssinn nicht verloren gehen kann. Ich bin ein grosser Fan der App OsmAnd. So kann ich jederzeit auf der Landkarte sehen, wo ich mich genau befinde und wo der Weg lang geht. Die Navigation funktioniert übrigens auch offline. Zusätzlich kann man sich über OsmAnd anzeigen lassen, wo die nächste Verpflegungsmöglichkeit (Supermarkt oder Restaurant) oder Sehenswürdigkeit ist. Auch Bushaltestellen und Bahnhöfe sind eingezeichnet. Für das Auffinden von Toiletten nutze ich meistens die Seite WC-Guide.

Auch die Frage, wann der nächste Bus oder Zug fährt und wo man überall umsteigen muss, lässt sich übers Smartphone schnell und einfach klären.

Selbstverteidigung

Gegen die Unsicherheit alleine unterwegs zu sein, kann ein Selbstverteidigungskurs helfen. Ich habe schon an mehreren solcher Kurse teilgenommen und kann diese nur empfehlen. In vielen praktischen Übungen lernt man, sich gegen Angreifer sowohl verbal als auch körperlich zur Wehr zu setzen. Die kurze und einprägsame Handlungsanweisung „Packen, Quetschen, Ziehen“ werde ich so schnell nicht vergessen – ein eventueller Angreifer garantiert auch nicht!

Wer trotzdem ängstlich ist, fühlt sich wahrscheinlich auf vielbegangenen Routen beruhigter. Zum Beispiel auf der Rigi ist so viel Betrieb, dass es gar keine einsame Ecke gibt, an der einem aufgelauert werden könnte.

Schwierigkeitsgrad der Wanderung

Ohne Begleitung wandernd, ist man unterwegs auf sich alleine gestellt. Das bedeutet, dass im Notfall nicht sofort jemand vor Ort ist, der Hilfe leisten kann. Deshalb muss der Schwierigkeitsgrad der Wanderung besonders sorgfältig gewählt werden. Natürlich muss man bei jeder Tour darauf achten, sich nicht zu überfordern. Aber bei einem Alleingang sollte die Auswahl zur eigenen Sicherheit noch defensiver ausfallen als wenn man mit einer Gruppe loszieht. Wenn ich alleine auf Wanderschaft gehe, entscheide ich mich meistens eher für eine Wanderung in den Voralpen oder allenfalls für eine leichte Bergwanderung, bei der kein Zweifel besteht, dass ich den Anforderungen gewachsen bin.

Ist alleine wandern einsam?

Ein grosses Hemmnis alleine wandern zu gehen, war für mich, dass ich Bedenken hatte, mir so ganz alleine unterwegs blöd vorzukommen. Alle anderen sind in der Gruppse oder zumindest zu zweit unterwegs – und ich habe niemanden. Das ist wie ein Restaurantbesuch alleine. Macht man auch eher selten. Letztendlich habe ich festgestellt, dass es sehr viele Menschen gibt, die alleine unterwegs sind. Das komische Gefühl ist bereits nach wenigen Ausflügen verschwunden.

Stattdessen habe ich bald festgestellt, welche Vorzüge es hat, solo unterwegs zu sein. Man muss sich nämlich nach niemandem richten und kann völlig frei entscheiden. Wann man aufbricht, muss nicht abgestimmt werden. Diskussionen über die Route – unnötig. Niemand läuft einem davon, auf keinen muss man warten. Pause kann man machen, wann, wo und so lange man möchte. Auch eine spontane Anpassung der Pläne ist kein Problem. Und die Fotoausbeute ist auch deutlich grösser, weil ich mir für jedes Motiv die Zeit nehmen kann, die ich brauche. Alleine Wandern bedeutet für mich deshalb ein schönes Stück Freiheit. Ich habe es im letzten Jahr lieben gelernt und kann es jedem nur empfehlen, mal auszuprobieren.

Tipps von anderen Bloggern

Du brauchst noch ein paar Motivationshilfen? Auf Davids Blog ‚Wanderwütig‘ packen 5 Blogger aus, warum alleine wandern für sie ganz toll ist.

Jede Menge Tipps für das alleine wandern als Frau gibt es auf Jessies Blog BUNTERwegs.