Der Höhenweg auf dem Stoos führt vom Klingenstock zum Fronalpstock und bietet ein traumhaftes Panorama auf die Berge und Seen der Zentralschweiz, das seinesgleichen sucht. Nimmt man die angebotenen Sessellifte in Anspruch, beläuft sich die Wanderzeit auf gerade mal 2 Stunden, was die Gratwanderung für einen Halbtagesausflug prädestiniert.

Die Gratwanderung auf dem Stoos gilt als einer der schönsten Höhenwege der Schweiz. Klar, dass er in unserer Wanderchronik nicht fehlen darf. Da dies nicht nur wir so sehen, ist der Andrang auf dem Weg entsprechend gross. Es empfiehlt sich, den Marsch nicht an einem Wochenende anzutreten, sondern lieber einen gewöhnlichen Wochentag zu wählen. Dann ist weniger Verkehr, man muss nicht ständig auf andere Leute achten und kann sich voll und ganz dem landschaftlichen Genuss hingeben. Und so mache ich mich an einem hundsgewöhnlichen Donnerstag auf den Weg. PapaMufflon kann leider aufgrund einer langwierigen Fusslädierung nicht an diesem Ausflug teilnehmen.

Apropos Genuss: es handelt sich um einen Gratweg, der zwar sehr gut ausgebaut und unschwierig zu begehen ist, jedoch ist es trotz allem ein Höhenweg, der hin und wieder an steil abfallenden Stellen vorbei führt. Ein gewisses Mass an Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ist deshalb Grundvoraussetzung für Spass an der Wanderung. Wer Abgründe so gar nicht mag, sucht sich besser ein anderes Ziel. Man muss jedoch kein abgebrühter Höhenjunkie sein. Der Weg ist niemals schwebebalkenschmal und es ist halb so schlimm wie es auf manchen Bildern vielleicht erscheinen mag.

Der Startpunkt der Wanderung ist das autofreie Örtchen Stoos, das man wahlweise mit der Luftseilbahn ab Morschach oder – etwas spektakulärer – mit der neugebauten Standseilbahn ab Schwyz erreichen kann. Die Standseilbahn ist mit bis zu 110% Steigung die steilste Standseilbahn der Welt (was wäre die Schweiz ohne ihre Rekorde? Steilste Zahnradbahn der Welt am Pilatus, älteste Zahnradbahn Europas an der Rigi, nun also auch die steilste Standseilbahn). Mit einem GA (Generalabonnement, die Schweizer BahnCard 100) kann man die Bahn auf den Stoos sogar ohne Aufpreis nutzen. Zur Talstation gelangt man entweder mit dem Auto oder mit dem Bus über Schwyz.

Ab der Bergstation bummle ich zunächst in Richtung Talstation der Klingenstock-Sesselbahn. An selbiger gilt es, sich zu entscheiden: sanft hinaufschweben ohne jegliche Anstrengung oder doch lieber Kalorienverbrennen und sich am Gipfel vielleicht ein bisschen stolz fühlen, dass man den inneren Schweinehund in seine Schranken verwiesen hat. Da ich in letzter Zeit eine stetig wachsende Speckschicht angesetzt habe, entscheide ich mich für den Aufstieg per Pedes. Zeit habe ich reichlich, das Wetter ist perfekt – also kann ich mir Zeit lassen und ohne Eile dem Klingenstock aufs Haupt steigen. Den Höhenweg kann man freilich in beide Richtungen unternehmen, jedoch ist die Richtung Klingenstock-Fronalpstock die offiziell empfohlene. Damit nicht ständig andere Wanderer passiert werden müssen. Zwar ist der Weg an den meisten Stellen breit genug, trotz allem stellt das Aneinandervorbeigehen an exponierten Stellen immer ein gewisses Risiko dar.

Wie sich herausstellt, erliegen die meisten der Versuchung und nehmen die Aufstiegshilfe in Anspruch. Und so bin ich bis zum Klingenstock fast alleine unterwegs und kann ungestört die Aussicht auf den Kleinen und Grossen Mythen geniessen, die die andere Talseite zieren. Oben angelangt, springen zahlreiche Wanderer – meist rüstige Rentner – aus dem Lift. Der Höhenweg ist gut besucht, trotz Wochentag. Wie es an einem schönen Sonntag hier oben zugeht, will ich lieber nicht wissen.

Kleiner und Grosser Mythen von Stoos aus gesehen

Beim Aufstieg prägen linker Hand die Mythen das Bild, die ihre Umgebung um einiges überragen.

Beim Gipfel des Klingenstocks steht direkt das erste Vesperbänkchen mit Tisch bereit. Ich nutze die Gelegenheit und genehmige mir eine kleine Stärkung. Bereits jetzt steht fest – für meine Kamera wird das heute ein anstrengender Tag. Alle paar Meter ergibt sich eine neue Perspektive, die festgehalten werden muss. Zu schön ist das Panorama über die Zentralschweizer Alpen wie etwa zur markanten Spitze des Chaiserstocks.

Immer dem Grat folgend geht es nun in Richtung Fronalpstock. Nach etwa einem Kilometer kann man einen Abstecher zur Alp Firenboden machen, wo es den besten Alpkäse weit und breit geben soll. Leider bekam ich den Tipp erst nach der Wanderung, so dass ich es noch nicht verifizieren konnte.

Gratwanderung auf dem Stoos zwischen Klingenstock und Fronalpstock

Zum Geniessen der Aussicht empfiehlt es sich, stehen zu bleiben, denn der Weg führt meistens auf dem Grat entlang. Ein Fehltritt kann fatal enden.

Auf halber Strecke zwischen Klingenstock und Fronalpstock kann noch ein weiterer Gipfel unschwierig erklommen werden. Der Huser Stock ist in nur 15 Minuten zu erreichen, so dass man den Gipfel ganz easy noch mitnehmen kann. Wer es lieber bequemer mag, nimmt stattdessen auf der nächsten Bank Platz. Welche Variante ich wohl gewählt habe?

Bank auf dem Höhenweg zwischen Klingenstock und Fronalpstock am Stoos

Unterwegs bieten zahlreiche Bänke die Gelegenheit für ein Päusle, in dem man die herrliche Landschaft in sich aufsaugen kann.

Der Höhenweg verläuft knapp unterhalb des Huser Stocks und steigt dann in eine Furggeli ab. Wer wider Erwarten an dieser Stelle keine Lust mehr zum Wandern hat, kann über die Obere und Untere Frontalhütte direkt nach Stoos absteigen. Für alle anderen geht es nun als nuff in Richtung Fronalpstock. Der Aufstieg lässt den Kreislauf nochmal in Wallung kommen.

Weg am Abgrund

Der Weg führt oft auf dem Grat entlang. Hin und wieder geht es neben dem Weg ziemlich in den Abgrund. Wie auf der Aufnahme zu sehen ist, ist der Weg bestens mit Drahtseilen bzw. Ketten versichert.

Zur Belohnung winkt ein toller Blick zurück auf den Huser Stock und allmählich drängt sich auch der türkis strahlende Vierwaldstättersee ins Bild. Oben angelangt, machen sich der Sessellift und das Gipfelrestaurant bemerkbar – je näher ich komme, umso mehr Leute wuseln auf dem Berg umher. Tagesgäste, die wegen der Aussicht auf den Berg kommen und mit Wandern nichts im Sinn haben.

Blick auf den Huser Stock

Der Blick zurück auf den Huser Stock beim Aufstieg zum Fronalpstock. Den Huser Stock kann man als Abstecher ‚mitnehmen‘.

Die überfüllte Terrasse auf dem Fronalpstock lasse ich links liegen. Statt dessen mache ich auf der Aussichtsplattform Myriaden Panoramen in den verschiedensten Varianten und begebe mich dann an den Abstieg Richtung Stoos. Unterwegs ergeben sich noch ein paar Gelegenheiten für einen Tiefblick auf den See, an der Mittelstation spielen Musiker die neuesten Alpenhits, ansonsten gestaltet sich der Abstieg unspektakulär und ich erreiche schon bald mit einem glückseeligen Lächeln auf den Lippen die Bergstation.

Fazit

Gerade hochgelobte Wanderungen haben es oft schwer, die Erwartungen in der Realität zu erfüllen. Nicht so der Stooser Höhenweg – diese Gratwanderung hat es wirklich faustdick hinter den Ohren, was das gebotene Panorama angeht. Ich kann jedem Wanderfreund nur empfehlen, sich dieses Zentralschweizer Sahnestück nicht entgehen zu lassen.

Aussicht vom Fronalpstock über den Vierwaldstättersee

Vom Fronalpstock aus kann man den Vierwaldstättersee überblicken. Gegenüber ist der Niederbauen Chulm zu sehen – ein weiterer schöner Aussichtsberg am Vierwaldstättersee, der einfach zu erwandern ist.

Weitere Informationen zur Wanderung gibt es direkt auf der Seite von Stoos-Muotatal.

Und weitere Berichte zur Wanderung findet ihr bei folgenden Bloggerkollegen: