Die Älggialp ist ein ganz besonderer Ort in der Schweiz: auf 1650 m.ü.M. liegt hier der geographische Mittelpunkt der Schweiz. Doch nicht nur Erdkundefans kommen auf ihre Kosten – auch für Wanderer, Ruhesuchende und sogar für Angler bietet die Älggialp eine Menge. Viele Gründe, der idyllischen Alp einen Besuch abzustatten.

Älggialp Silberdistel

Unten noch grün, oben schon weiß – so präsentiert sich die Älggialp im Herbst

Anreise zur Älggialp

Zur Älggialp gelangt man über Sachseln auf einem schmalen, teils steilen Sträßchen. Der Fahrer sollte sein Mobil und seine Nerven im Griff haben. Regelmässige Ausweichstellen zwecks Gegenverkehr sind vorhanden.

An Wochenenden (Sa/So + Feiertagen) gibt es eine Einbahnregelung auf den letzten Kilometern:

  • Bergfahrten zu geraden Stunden (z.B. 8:00 – 8:40 Uhr, spätestens um 9:00 Uhr muss man oben sein)
  • Talfahrten zu ungeraden Stunden (z.B. 9:00 – 9.40 Uhr, spätestens um 10:00 Uhr muss man bei Blatten sein)

Auf der Alp gibt es einen großen Parkplatz.

Älggialp light – Spazieren zum Mittelpunkt der Schweiz (1650 m)

Eine gute Nachricht für alle Fußkranken und Konditionsschwachen: der exakte Mittelpunkt der Schweiz liegt unweit des Parkplatzes und kann somit auch von Menschen besucht werden, die keine stundenlange Wanderung machen können.

Berggasthaus Älggialp

Lädt ein zu Speis‘ und Trank: das Berggasthaus Älggialp. Übernachten kann man hier übrigens auch.

Vom Parkplatz aus geht es in wenigen Schritten zum Berggasthaus Älggialp, das mit regionaler Küche den Gaumen lockt. Wer bereits eine Stärkung braucht, ist hier richtig. Alle, die ihren Hunger und Durst noch im Zaum halten können, erreichen nach 10 Minuten den geografischen Mittelpunkt der Schweiz. Neben einem Gedenkstein werden an dieser Stelle auch die Schweizer des Jahres verewigt. Zumindest international erfolgreiche Sportler wie Roger Federer kennt man sogar als Deutscher.

Älggialp Mittelpunkt der Schweiz

Xaver und Minimuff am Mittelpunkt der Schweiz (Archivbild)

Nachdem man die Schweizer Mitte ordentlich gewürdigt hat, macht es Spaß, eine Runde über die weitflächigen Wiesen der Alm zu schlendern. Wie in der Schweiz üblich, gibt es auch auf der Älggialp eine Grillstelle mit Häusle, Tischen, Bänken und Holz. Auch eine kleine Kapelle ziert das Panorama.

Älggialp für Angler – der Seefeldsee (1850m)

Angler aufgepasst! Wer mal einen frischen Fisch aus einem sauberen Hochgebirgssee an Land ziehen möchte, kann dies am Seefeldsee tun. Die entsprechenden Patente gibt es im Berggasthaus oder online, der See ist nämlich voll up to date und hat eine eigene Homepage. Für eine kleine Wanderung bzw. einen etwas ausgedehnteren Spaziergang lohnt sich der Besuch des Sees ebenfalls.

Älggialp

Auf dem Weg zum Seefeldsee: Die Alpgebäude liegen bereits im Winterschlaf. Die Landschaft ist leicht gezuckert.

Etwa 30 Minuten Gehzeit benötigt man vom Parkplatz bis zum See. Man läuft entweder ganz gediegen auf einem Feldweg oder – etwas steiler und ausgesetzt – auf einem Wanderweg.

Seefeldsee

Klein, aber fein: der Seefeldsee

Älggialp für Gipfelstürmer – der Wandelen (2105m)

Der Wandelen (2105m) ist ein relativ einfach und schnell zu erreichender Gipfel in der Nähe der Älggialp. Gerade mal 1,5 Stunden benötigt man, um den Gipfel zu stürmen. Die Aussicht reicht vom Jura übers Berner Oberland mit dem bekannten Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau bis hin zur Rigi am Vierwaldstättersee.

Aussicht Wandelen Sonnenaufgang

Da steht sie und staunt: eine geniale Aussicht gibt es auf dem Wandelen – vor allem kurz vor Sonnenaufgang

Ein würdiger Platz, um unsere Ausrüstung für Patagonien einzuweihen. Wir haben uns ein windstabileres Zelt und wärmere Schlafsäcke angeschafft. Dass die erste Nacht direkt im Schnee stattfinden würde, haben wir uns so nicht vorgestellt. Eigentlich hatten wir gehofft, der früh gefallene Schnee wäre bereits weggetaut, doch die Südlage des Wandelen scheint geringer zu sein als es uns auf der Karte erschien. Ein bißchen zögern wir, bevor wir loslaufen und machen es dann nach unserer althergebrachten Weise: ‚Schau mer mal! Umkehren können wir immer noch.‘.

Zelt leuchtet in der Nacht

Unser 1000 Sterne Hotel

Vom Parkplatz folgen wir der Beschilderung Richtung Wandelen. Zunächst laufen wir auf einem geteerten Sträßchen. Nachdem wir einige Alphäusle passiert haben, geht der Weg in einen Wanderweg über. Hier befindet sich auch die Schneegrenze. Eine geschlossene Schneedecke liegt freilich nicht, auch der Boden ist noch nicht gefroren. Es beginnt ein Tanz um die Matschpassagen herum. Ebenso müssen wir aufpassen, nicht auf der Verbindung Schnee-auf-noch-grünem-Gras auszurutschen. BabyMufflon macht hier und da ein bißchen Mimimi, aber PapaMufflon kennt das ja und ignoriert es in gekonnter Weise.

Haarig wird es erst im letzten Stück zum Gipfel. Der Weg ist steil, der lehmige Weg ist zwar relativ schneefrei, aber vom Wasser genau das, für das nasser Lehm bekannt ist: mega rutschig. Doch so kurz vor dem Ziel will sich selbst ein BabyMufflon nicht geschlagen geben. Runter würde es diesen Weg im Leben nicht gehen, aber für den Abstieg gibt es einen weniger steilen Weg über die Westschulter, den wir bereits im letzten Herbst erkundet haben.

Ankunft am Gipfel des Wandelen

Das steilste Stück ist geschafft, der Gipfel naht

Den Gipfel des Wandelen ziert ein Kreuz mit 360°C-Panoramasitzbank. Etwas unterhalb des Gipfels gibt es ein kleines Plateau, das zum Biwakieren oder Zelten geradezu einlädt. Wir machen uns direkt an die Arbeit, denn die Sonne steht bereits sehr tief und wir wollen unseren neuen Begleiter nicht beim ersten Mal im Dunkeln aufbauen müssen.

Danach steht schon gleich die nächste Arbeit auf dem Plan: Kochen. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an Alex von Bergreif für die Inspiration zum Couscous, es hat ganz ausgezeichnet geschmeckt!

Outdoorkocher Sonnenuntergang

Essen ist fertig! Auf der Karte steht Couscous in Currysoße. Mjamjam!

Essen am Gipfel

Welches teure Restaurant kann dieses Panorama bieten?

Und nebenher den Sonnenuntergang fotografisch festhalten. Das Leben Outdoor ist schon ganz schön hart!

Sonnenuntergang

Farbenfroh verabschiedet sich der Tag

Sonnenuntergang im Schnee

Gülden glitzert der Schnee im Sonnenuntergang

Bis in die Nacht hinein wird mit der Kamera gearbeitet, der Kälte zum Trotz.

Fotograf bei Nacht

Fotograf bei Nacht

Und das ist das Ergebnis:

Sternenhimmel am Gipfel

Ein wundervoller Sternenhimmel mitten in der Schweiz

Die Nacht im Zelt ist dank der neuen Schlafsäcke kuschelig warm. Lediglich unsere Isomatten sind auf Schnee von unten nicht eingestellt. Erst als wir eine Polsterung aus unseren Pullovern einbauen, ist es nicht mehr kalt.

Der Wecker am nächsten Morgen klingelt früh. Etwa eine Stunde vor dem offiziellen Sonnenaufgang, um die Dämmerung nicht zu verpassen. In der frostigen Kälte fällt es schwer, den Schlafsack zu verlassen. Aber es ist wie bei so vielem im Leben – hat man sich erst mal aktiviert, läuft es wie von selbst.

Als die ersten Sonnenstrahlen über die Bergrücken blitzen, stehen wir längst parat, um den Moment zu genießen und zu verewigen.

Fotograf bei Sonnenaufgang am Berg

Beim Sonnenaufgang sind die Fotoapparate bereits wieder im Einsatz

Nach dem Frühstück räumen wir unseren Krempel zusammen und steigen über die Westflanke in Richtung Wengenhorn ab. Ein kurzes Stück geht es nach dem Sattel weglos bis wir auf einem Kuhtrampelpfad wieder auf den Hinweg  und schließlich zum Auto gelangen. Die Welt hat uns zurück.

Es war nur eine kurze Wanderung. Und nur wenige Stunden auf dem Gipfel. Und doch nehmen wir so viele schöne Momente mit, wie wir sie uns nirgends anders vorstellen können als in der Natur, in unseren geliebten Bergen.

Hinweis: eine Nacht unter freiem Himmel ist eine tolle Sache! Damit die Umwelt bei deinem Abenteuer keinen Schaden nimmt, gibt es allerdings einiges zu beachten. Die Alpenvereine haben jeweils Broschüren für das Übernachten in der Bergwelt erstellt:

Damit auch viele andere Naturliebhaber nach dir noch Spaß in den Bergen haben, halte dich an die entsprechenden Regeln und verschwinde am nächsten Morgen genauso laut- und spurlos wie du am Abend erschienen bist.

Weitere Tipps, was man unbedingt bei einer Übernachtung in der freien Natur beachten sollte, gibt Sven auf seinem Blog aufundab.eu.

Älggialp für trittsichere Adrenalinjunkies

Falls Dir die Wanderung auf den Wandelen zu poplig ist, dann ist vielleicht die Gratüberschreitung über den Arnigrat das Richtige für Dich: guggst Du hier.