Vor der ersten Hüttenwanderung in den Alpen steht man vor einer ganzen Reihe von Fragen: was muss ich mitnehmen, wie plane ich einen Hüttenaufenthalt richtig und welche Regeln gelten auf der Hütte? Wir geben Tipps für die erste Hüttenübernachtung und erklären, wie ein Aufenthalt auf einer Alpenvereinshütte abläuft.

Die Bergwanderkarriere beginnt meist ganz harmlos mit mehr oder weniger ausgedehnten Tagestouren. Zu einem schönen See. Auf einen aussichtsreichen Gipfel. Oder zu einer rustikalen Hütte. Dort gönnt man sich ein kühles Radler, vernascht einen leckeren Kaiserschmarrn und steigt wieder ab ins Tal, wo ein kuscheliges Bett auf einen wartet.

Doch früher oder später kommt bei vielen Wanderern der Wunsch auf, einmal nicht in die Zivilisation zurückzukehren und die eine oder andere Nacht auf einer Hütte in den Bergen zu verbringen. Eine mehrtägige Hüttenwanderung zu unternehmen, mal tiefer ins Gebirge einzudringen und zum Beispiel einen der Dolomiten Höhenwege zu gehen.

Besonderheiten einer Hüttenwanderung

Nun gibt es bei einer Hüttenwanderung ein paar gravierende Unterschiede zu einem normalen Urlaub mit Hotelaufenthalt.

  • Beschränkung aufs Wesentliche: Statt einem großen Koffer steht einem lediglich ein Rucksack zur Verfügung, den man auch noch selber tragen muss. Jedes Gramm zählt – je leichter der Rucksack, umso mehr Spaß macht die Wanderung. Auf diese Weise hat man die Gelegenheit festzustellen, dass man die meisten Dinge gar nicht braucht, um glücklich zu sein.
  • Komfortverzicht: eine Hütte ist kein Hotel. Geschlafen wird in Mehrbettzimmern, manchmal sogar in Schlafsälen mit um die 40 Personen. Es gibt nicht unbedingt eine Dusche und nur wenige Toiletten und Waschbecken, die sich alle Gäste teilen. Auf das heißgeliebte WLAN und Handyempfang muss man in der Regel im Gebirge verzichten. Eine gute Gelegenheit, sich mal wieder real statt virtuell mit seinen Mitmenschen zu beschäftigen. Beim analogen Kartenspiel stellt man fest, wie viel Spaß es macht, mal nicht in ein technisches Gerät zu glotzen.

Vorbereitung auf eine Hüttenwanderung

  • Training: besonders wer im Flachland wohnt und nicht sonderlich viel Sport treibt, tut gut daran, sich ein bißchen körperlich vorzubereiten. Die Treppe nehmen statt den Aufzug und regelmässig Spaziergänge helfen dem Körper, sich auf die Wanderung einzustellen. Auch Probewandern mit gepacktem Rucksack ist empfehlenswert, um sich schon mal an das Gewicht zu gewöhnen. Falls man feststellt, dass einem das Gewicht zu schwer ist, hat man noch die Gelegenheit, den einen oder anderen Gegenstand von der Packliste zu streichen.
  • Ausrüstung: bei der Ausrüstung gilt: weniger ist mehr. Einige Gegenstände sind trotz allem obligatorisch. So ist aus Hygienegründen die Verwendung eines Hüttenschlafsacks auf allen Hütten obligatorisch. Die Version aus Seide ist besonders leicht und hat ein kleines Packmaß. Hier geht es zu unserer bewährten Packliste für Hüttentouren.
  • Auswahl einer geeigneten Wanderung: Bei der Auswahl der Wanderung gilt: der schwächste Mitwanderer bestimmt sowohl Länge als auch Schwierigkeit. Nur dann werden alle Teilnehmer Spaß an der Wanderung haben und jeder sicher ans Ziel gelangen. Wandervorschläge findet man
    • im Internet beispielsweise auf
    • in einem Wanderbuch. Es gibt zum Beispiel von Rother mehrere Bücher zum Thema Hüttentrekking in den Alpen. Zu jenen Büchern sei jedoch bemerkt, dass sie sich in erster Linie an sportliche und erfahrene Bergwanderer richten. Für wirkliche Anfänger oder Personen, die nicht schwindelfrei und absolut trittsicher sind, sind diese Bücher weniger hilfreich.
Wanderer mit Rucksack

Mit der richtigen Vorbereitung macht es eine Menge Spaß mit Sack und Pack durch die Berge zu wandern

  • Hütten buchen: Hüttenwandern ist in! Eine vorherige Anmeldung ist daher unverzichtbar. Viele Hütten verfügen mittlerweile über eine Homepage, über die man direkt eine Reservierung vornehmen kann. In der Schweiz gibt es sogar ein ganz komfortables Onlinereservierungssystem, bei dem man gleich sieht, ob und wie viele Plätze noch frei sind. Viele Hütten sind in der Hauptsaison so ausgebucht, dass man nur einen Platz bekommt, wenn man bereits Monate im Voraus reserviert. Man sollte sich also bereits vor Saisonbeginn mit der Tourenplanung beschäftigen oder bereit sein, eine nicht ganz so angesagte Wanderung zu gehen. Es muss ja nicht immer ausgerechnet der E5 sein!
  • Absagen, falls man doch nicht kommt! Leider ist es eine Unart vieler Wanderer, einfach nicht zu erscheinen, wenn ihnen etwas dazwischenkommt oder das Wetter nicht behagt. Damit der Hüttenwirt planen kann, mit wie vielen Gästen er zu rechnen hat, sollte man immer absagen. Ein kurzes Telefonat tut nicht weh und erleichtert dem Hüttenteam die Planung.
  • Mitgliedschaft im Alpenverein: Die Mitgliedschaft im Alpenverein bietet einige Vorteile. So hat man Anrecht auf ein günstiges Bergsteigeressen auf DAV- und ÖAV-Hütten sowie einen Marschtee am Morgen, bekommt Rabatt auf die Übernachtungskosten und erhält Versicherungsschutz bei Bergunfällen. Bei Sektionswanderungen bietet sich die Gelegenheit Gleichgesinnte kennen zu lernen. Ausserdem unterstützt man mit der Mitgliedschaft die Erhaltung des Wegenetzes, das man schließlich auch nutzen möchte.

Auf der Hütte

Ankunft

  • Pünktlichkeit: Insbesondere auf den SAC-Hütten in der Schweiz essen in der Regel alle gemeinsam zu Abend. Deshalb sollte jede Etappe so geplant sein, dass man zur entsprechenden Zeit – meist um 18 Uhr – auf der Hütte ist.
  • Bergstiefel ausziehen: Bevor man die Schlafgemächer entert, gilt es die Schuhe auszuziehen. In jeder Hütte gibt es einen eigens für die käsigen Latschen vorgesehenen Schuhraum. Zu Hause würde man es schließlich auch nicht mögen, wenn jeder mit dreckigen Wanderschuhen ins Wohn- oder Schlafzimmer trampelt. Damit man in der Hütte keine kalten Füße bekommt, kann man sich ein paar Hausschlappen mitbringen. In der Regel sind auf den Hütten aber Hüttenschuhe in diversen Größen vorhanden, so dass man das Gewicht im Rucksack sparen kann. Strümpfig sollte man nicht umherlaufen, denn auf diese Weise sammelt man Schmutz vom Boden auf und die Socken fangen schneller an zu stinken. Hat uns zumindest einmal ein Bergführer erklärt.
  • Beim Hüttenwart anmelden: Als nächstes gilt es, seine Ankunft anzumelden. Dafür geht man am besten auf den Hüttenwart oder einen Hüttenangestellten zu. Er wird einem den Schlafplatz zuweisen. Auf größeren Hütten gibt es manchmal eine Art Rezeption.
  • Massenlager vs. Mehrbettzimmer: Ein komfortables Hotelzimmer mit großem Bett und eigenem Bad darf man freilich nicht erwarten. Dennoch ist die Bandbreite an verschiedenen Komfortstufen auf den Hütten erstaunlich groß. Von  einer schmalen Matratze im 40-Personen-Lager bis zum Doppelzimmer mit Fernseher haben wir schon alles erlebt. Die Übernachtung im Matratzenlager mit Wolldecke ist natürlich preislich günstiger als im Mehrbettzimmer mit bezogenem Bett. Einen Hüttenschlafsack benötigt man aus hygienischen Gründen für beide Varianten, da es auf einer Hütte nicht möglich ist, jeden Tag das Bettzeug zu waschen.
Massenlager auf der Fiderepasshütte

40 unter einem Dach – dicht an dicht. Hüttenfeeling pur!

  • Sachen für abends rauslegen: Bevor man zum gemütlichen Teil des Tages übergeht und es sich im Gastraum beim einen oder anderen Bierchen gut gehen lässt, empfiehlt es sich, den Hüttenschlafsack und die Kleidung für die Nacht, sowie Zahnbürste und Zahnpasta bereit zu legen. Dann muss man nicht am Abend anfangen im Rucksack herumzukruschteln, wenn andere Gäste vielleicht bereits schlafen wollen.

Beim Essen

  • Pünktlichkeit: Auf den meisten Hütten – speziell in der Schweiz – gibt es den Abendschmaus für alle zusammen. Auswahl besteht lediglich zwischen vegetarisch und nicht vegetarisch, wobei man sich als Vegetarier bereits bei der Anmeldung outen muss. Damit das Essen reibungslos ablaufen kann, erscheint der wohlerzogene Gast rechtzeitig vor dem Essen im Gastraum und organisiert sich vor der Essensausgabe sein erstes Abendgetränk. Die ohnehin stark eingespannten Servicekräfte werden es an ausgebuchten Tagen danken!
  • Getränke: Mit den Getränken funktioniert es auf den meisten Hütten wie folgt. Jeder Gast bzw. jede gemeinsam zahlende Gruppe bekommt einen Bierdeckel oder ein Kärtle, auf dem alle konsumierten Getränke notiert werden. Bezahlt wird gesammelt, meistens am Abend vor dem zu Bett gehen.
  • Sitzordnung: Auf den meisten Hütten bekommt man seinen Platz im Speiseraum zugeteilt. Man beachte die Tischkärtchen! Anders als im Restaurant bekommt nicht jeder einen eigenen Tisch, sondern man sitzt in geselliger Runde mit anderen Wanderer zusammen. Passender Gesprächsstoff als Ausgangsbasis zum Kennenlernen ist durch das gemeinsame Hobby ‚Berg‘ schnell gefunden. Das eine oder andere Bierchen lockert die Zunge ebenfalls und jegliche Hemmungen zur Kontaktaufnahme sind rasch abgebaut
  • Geschirr: auch wenn manche Hütten mittlerweile wie ein Hotel anmuten – im Hochgebirge herrschen einfache Verhältnisse und vor allem muss Wasser gespart werden. Daher wird für Salat, Suppe und Hauptgang oft der gleiche Teller verwendet. Also nicht gleich nach dem ersten Gang das Geschirr zusammenstellen 😉 Was bzgl. Geschirrabräumen erwartet wird, unterscheidet sich von Hütte zu Hütte. Auf der Jamtalhütte ist es üblich, dass die Gäste die Teller zusammenstellen und in der Küche zum Spülen abgeben, während wir auf der Neuen Pforzheimer Hütte angehalten wurden, abzuwarten bis das Geschirr abgeholt wird. Am besten man schaut, wie sich die Allgemeinheit verhält und macht es dann genauso
  • Eine gute Idee ist es, eine Taschenlampe mit in den Gastraum zu nehmen. Denn wenn man um 22 Uhr pünktlich zur Hüttenruhe das Lager entert, liegen mit großer Wahrscheinlichkeit schon einige im Bett und wollen schlafen. Mit Taschenlampe stört man weniger, weil das große Licht ausgeschaltet bleiben kann.

Was man sonst noch wissen sollte

  • Bargeld mitbringen! Auf Berghütten kann man in der Regel nicht mit Karte bezahlen. Deshalb muss man vorher genau planen, was für Übernachtung und Verpflegung zusammen kommt und die entsprechende Menge an Bargeld einstecken.
  • Hüttenruhe: auf Alpenvereinshütten herrscht grundsätzlich und ausnahmslos ab 22 Uhr Hüttenruhe. Viele Wanderer haben am nächsten Tag eine anstrengende Tour vor sich. Gerade bei Hochtouren startet man oft sogar vor Tagesanbruch. Deshalb sollte man auch wenn man selbst keine lange Etappe vor sich hat, Rücksicht auf die andere Gäste nehmen und keine unnötigen Geräusche machen
  • Rücksicht nehmen: angesichts der großen Anzahl Gäste auf engem Raum ist es auf einer Hütte besonders wichtig, auf andere Rücksicht zu nehmen. Das gilt nicht nur im Schlafgemach, sondern auch in den Waschräumen und Toiletten, die nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. Lange Sitzungen oder Schminksessions müssen deshalb leider ausfallen.
  • Duschen: viele Hütten verfügen mittlerweile über warme Duschen. Für ein paar Euro kann man eine Duschmarke erwerben, die einem zwischen 2-5 Minuten warmes Duschvergnügen ermöglicht.
  • Wasser und Strom sparen: zum Charakter einer Berghütte gehört ihre exponierte Lage im Gelände. Ein Anschluss ans öffentliche Versorgungsnetz ist dadurch nicht möglich. Die Versorgung mit Wasser und Strom ist aufwändig und teuer. Deshalb sollte man alles tun, um die Hütte beim Strom und Wasser sparen zu unterstützen.
  • Müll: die Müllabfuhr kommt auf keiner Hütte vorbei. Deshalb nimmt man sämtlichen Müll, den man heraufgetragen hat, auch selbst wieder mit ins Tal.
Ausblick aus Hüttenfenster

So einen schönen Ausblick hat man zu Hause für gewöhnlich nicht!

Auschecken

  • Zimmerschlüssel abgeben: Normalerweise muss man auf einer Hütte nicht auschecken. Man geht am Morgen einfach los. Sofern man aber ein eigenes Zimmer mit Schlüssel hatte, muss man daran denken, den Schlüssel wieder abzugeben. Uns ist es auf der Enzianhütte mal passiert, dass wir den Schlüssel noch in der Hosentasche hatten und das erst fast im Tal bemerkt haben.
  • Eintragen ins Hüttenbuch: Es ist üblich, dass jeder Gast sich ins Hüttenbuch einträgt mit Name und dem nächsten Ziel. In erster Linie dient das Hüttenbuch dazu, im Falle des Falles nachvollziehen zu können, wohin ein vermisster Wanderer gehen wollte. Der Eintrag dient also der eigenen Sicherheit. Die paar Minuten Zeit sollte man sich nehmen.

Und jetzt Du

Das ist alles. Gar nicht so schwierig, oder? Probier das doch einfach mal an einem kommenden Wochenende aus und berichte, wie es war. Viel Spaß!