Keine Frage – die Samariaschlucht ist ein MUSS für jeden Kretaurlauber. Mit 17 Kilometern ist sie eine der längsten Schluchten Europas. Spektakulär ragen die Felswände in die Höhe, während der Wanderer sich durch die schmale Schlucht in Richtung Meer vorarbeitet. Die Wanderung durch die Samariaschlucht bietet ein solch eindrückliches Erlebnis, dass selbst eingefleischte Wandermuffel den Gang in die tiefe Schlucht antreten.

Da die Anfahrt zum Ausgangspunkt und die Heimkehr uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kompliziert sind, buchen wir kurzerhand eine der Samaria-Touren, wie sie in jedem kretischen Örtchen angeboten werden. Der Bus holt einen direkt beim Hotel ab, bringt einen zum Ausgangspunkt der Wanderung. Ein Wanderführer geleitet die Gruppe durch die Schlucht, an deren Ende man mit der Fähre wieder zum Bus gebracht wird.

Und so stehen wir am nächsten Morgen mit zig anderen Touristen an der Bushaltestelle und warten gespannt, was der Tag uns bringen wird. Der Bus ist einigermaßen pünktlich und schon geht sie los, die wilde Fahrt. Unser Reiseleiter – George of the Gorge ist ein echtes Original. Er spricht gefühlt alle Sprachen dieser Welt und erinnert ein wenig an HaPe Kerkeling. Langweilig wird es unterwegs schon mal nicht.

Der Bus windet sich geschickt durch unglaublich enge Sträßchen, bei denen ich schon bei einem Kleinstwagen bedenken hätte, ob er durchpasst. Bei den vielen Kurven sollte man außerdem keinen instabilen Magen haben. Falls man empfindlich ist, lieber eine Kotztüte für den Notfall einstecken…

Bevor wir losmarschieren, gibt es noch eine Frühstückspause in einem kleinen Gasthaus. Da es unterwegs keine Versorgungsstation gibt, sollte man sich spätestens hier mit ausreichend Marschverpflegung eindecken. Wasser kann man unterwegs immer wieder an Quellen auffüllen.

Auf der Omalos-Hochebene in Xyloskalo (was so viel heißt wie ‚hölzerne Treppe‘) setzt der Bus die Meute ab. Herrlich der Ausblick auf die Lefka Ori – die Landschaft der weißen Berge. Doch es bleibt nicht viel Zeit, die ersten Eindrücke zu genießen, schon geht es hinunter in die Schlucht. Da sowohl die Kondition als auch die Ausrüstung der Teilnehmer sehr unterschiedlich sind, müssen wir nicht als Gruppe zusammenbleiben. Jeder darf in seinem Tempo hinabsteigen. Das erste Stück geht auf teils glattgetretenem steinigen Weg hinab. Für unerfahrene Wanderer mit womöglich falschem Schuhwerk durchaus eine Herausforderung. Gefährlich ist der Weg aber nicht – er ist immer ausreichend breit und mit Geländer versehen. Den Knöchel verstauchen kann man sich allerdings leicht, wenn man nicht acht gibt und umknickt.

Start zur Samaria Schlucht in Xiloskalo

Los geht’s! Nach der Ankunft mit dem Bus in Xyloskalo kommt die Karawane langsam ins Rollen…

Den Weg zu finden, stellt keine Schwierigkeit dar. Immer der Masse nach! Diesmal nicht als nuff, sondern als nunna. Ausserdem haben die Massen an Vorgängern den Weg eine regelrechte Mauer an Steinmännern gebaut. Verlaufen ausgeschlossen. Den Schatten, den Pinien und Zypressen spenden, sollte man genießen. Denn erst mal unten in der Schlucht angekommen, ist es für einige Zeit mit Schatten vorbei.

Steinmännchen weisen den Weg in die Samaria Schlucht

Eine Steinstraße statt Steinmännchen weist den – ohnehin nicht zu verfehlenden – Weg in die Schlucht

In der Schlucht wandern wir meist an einem Bächlein entlang. Ein paar Mal müssen wir dieses auch überqueren. Bei der Hitze, die schon im Mai auf Kreta herrscht, wäre es noch nicht mal schlimm, hinein zu fallen. Im Gegenteil – jede Abkühlung ist willkommen.

Bach durch die Samaria Schlucht

Das klare Bächlein muss unterwegs einige Male überquert werden

Am Eingang zur Schlucht warnen große Schilder vor Steinschlag. Diese sind unbedingt ernst zu nehmen. Besonders bei rauhem Wetter mit Wind und Regen herrscht eine erhöhte Steinschlaggefahr. Es empfiehlt sich daher, nicht gerade unterhalb der steilen Wand stehen zu bleiben oder Rast einzulegen. So verringert man die Zeit, in der man der Gefahr ausgesetzt ist.

Warnschild Steinschlag in der Samaria Schlucht auf Kreta

Vorsicht Steinschlag! Die Schilder in der Schlucht sollten unbedingt ernst genommen werden!

Die vielen Menschen haben sich über den Tag hinweg gut in der Schlucht verteilt. Man ist zwar nie einsam, aber es ist keine sich aneinanderreihende Menschenkette. Alle paar Kilometer gibt es unterwegs Rastplätze mit Sitzgelegenheit, Trinkwasser und sogar Toiletten. Nur das Essen muss man selbst mitbringen. Es tut gut, mal ein paar Minuten im Schatten zu sitzen und die Füße zu entspannen. Es geht immerhin auf 17 Kilometern über 1000 Höhenmeter nach unten.

Auch und gerade weniger erfahrenen Wanderer raten wir, nicht zu viele Pausen zu machen. Lieber langsamer, aber stetig weiterlaufen als loszupreschen und dann ständig Pause zu machen. Das Weiterlaufen fällt dann nämlich mit der Zeit immer schwerer.

Samaria Schlucht Kreta

Auf dem langen Weg durch die Schlucht verteilen sich die vielen Leute

Samaria Schlucht Kreta

Gegen die hohen Steilwände wirken die Wanderer klein wie Ameisen

 

Samaria Schlucht Kreta

Manche Pflänzchen überleben selbst in der kargsten Umgebung

Die Schlucht zieht sich immer enger zusammen. Immer steiler ragen die Felswände nach oben. Wenn der Bach zum Fluss wird und zu viel Wasser führt, ist die Schlucht sehr gefährlich und nicht passierbar. Deshalb ist sie auch nur von Mai bis Oktober geöffnet. Ausserdem wird stets von den Wachposten kontrolliert, dass alle Personen, die die Schlucht betreten, am Ende wieder herauskommen.

Wir haben Glück – es hat nicht geregnet und der Weg durch die Schlucht ist gut passierbar. Da der Weg meist durch das steinige Bachbett führt, sind Schuhe mit guter und stabiler Sohle empfehlenswert. Mit dünnen Schläppchen riskiert man zum einen einen verstauchten Knöchel, zum anderen spürt man durch dünne Sohlen jeden Stein, was über ein paar Stunden hinweg eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit sein dürfte.

Samaria Schlucht Kreta

Der Fluss und der Weg teilen sich die enge Schlucht – bei Hochwasser ist sie unpassierbar

Samaria Schlucht Kreta

Beeindruckend sind die steilen Felswände – eine traumhaft schöne Landschaft

Gegen Ende der Schlucht erreichen wir die sog. ‚Eiserne Pforte‘ – die engste Stelle der Schlucht. Der wahrscheinlich bekannteste und meistfotografierteste Punkt der Wanderung – vielleicht sogar von ganz Kreta. Lediglich drei Meter trennen die beiden Felswände voneinander.

Samaria Schlucht Kreta

An der engsten Stelle kurz vor Ende der Schlucht treffen doch wieder recht viele Menschen aufeinander

Noch ein letztes Foto von diesem gewaltigen Naturphänomen geschossen und dann ist es nicht mehr weit bis zur nächsten Erfrischung, die im Fischerdorf Agia Roumeli auf uns wartet. Zur Belohnung für die überstandenen Strapazen gönnen wir uns ein eisgekühltes Softgetränk und erfrischen uns im kühlen Meer.

Agia Roumeli Kreta

Nach der Wanderung ist eine Abkühlung willkommen!

Bis alle Wanderer das Ziel erreicht haben und die abendliche Fähre uns mitnimmt, vergeht noch eine ganze Weile. Am Ende des Tages sind alle erschöpft, aber glücklich. Der Abstieg durch die Schlucht ist anstrengend, aber er lohnt sich auf jeden Fall.

Strand Agia Roumeli Kreta

Zum Abschluss darf am Strand von Agia Roumeli relaxed werden

Agia Roumeli Fähre Kreta

Alle müden Wanderer werden in Agia Roumeli von der Fähre eingesammelt