Der Keschtrek – Allgemeine Informationen

Der Keschtrek führt vom Flüelapass in der Nähe von Davos durch stille Täler und über einige Pässe bis zum Albulapass bei Bergün. Der Weg führt uns durch die hochalpine Landschaft Graubündens im Gebiet von Piz Grialetsch und Piz Kesch.

Höhepunkte der Wanderung sind die Möglichkeit, am ersten Tag mit dem Flüela Schwarzhorn (3146m) einen der leichtesten Dreitausender der Alpen zu erklimmen und der Blick auf die Berninagruppe von der Chamanna d’Es-cha am letzten Hüttenabend. Ausserdem kann man das Erlebnis mit einer Fahrt mit der Rhätischen Bahn auf dem spektakulären Teilstück Preda-Bergün wunderbar ausklingen lassen.

Im Vergleich zu anderen Hüttentreks der Alpen, wie zum Beispiel die Steinbocktour im Allgäu, ist der Keschtrek nicht überlaufen, so dass man die Schönheit der Bergwelt in Ruhe genießen kann. 

Organisation der Tour

Die Hütten

Man macht unterwegs Station auf folgenden Hütten:

Die Übernachtungen kann man über das Online-Buchungsportal der Hütten einzeln buchen. Alternativ bieten die Hütten ein pauschal buchbares Keschtrek-Angebot an. Es beinhaltet alle 3 Hüttenübernachtungen und im Anschluss eine Übernachtung in Bergün. Das Pauschalangebot ist bequemer, da man nicht selbst koordinieren muss, einen Platz in jeder Hütte zu bekommen. Dafür ist es natürlich etwas teurer.

Verpflegung

Auf allen Schweizer Hütten ist in der Regel Halbpension obligatorisch. D.h. es gibt abends – die genaue Uhrzeit gibt Dir der Hüttenwirt bei der Ankunft bekannt – ein leckeres 3-Gänge Menü mit Suppe oder Salat, Hauptgericht und Dessert. Am Morgen bieten die Hütten ein reichhaltiges Frühstücksbuffet an, damit Du gut gestärkt in die nächste Etappe starten kannst.

An- und Abreise

Da es sich nicht um eine Rundwanderung handelt, reist man entweder direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Oder wenn man ohnehin mit zwei Autos anreist, kann man einen Wagen am Bahnhof Bergün parken, wo die Wanderung nach 4 Tagen endet. Dann fährt man mit dem zweiten Auto gemeinsam auf den Flüelapass und stellt das zweite Auto kurz nach dem Pass am Abzweig Schwarzhorn in der Parkbucht ab. Nach der Wanderung holt man dieses Auto dann wieder ab.

Anforderungen

Die Schwierigkeiten des Treks sind moderat. Der Weg ist meist breit, nicht besonders steil und auch für höhenängstliche Menschen geeignet. Stark ausgesetzt wird es zu keinem Zeitpunkt. Trittsicherheit auf zum Teil steilem Geröll benötigt man allerdings beim Aufstieg zur Fuorcla Pischa. Auch der Schlußanstieg aufs Schwarzhorn ist steil und der Untergrund stellenweise etwas rutschig  – im Gegensatz zur Fuorcla Pischa kann man den Gipfel allerdings ohne Probleme auslassen. Kondition für Märsche bis zu 6 Stunden sollte man mitbringen, damit einem unterwegs nicht die Puste ausgeht. Damit eignet sich die Wanderung perfekt für Anfänger und alle, die statt sportlichen Höchstleistungen und Nervenkitzel lieber den Genuß am Draussensein in den Vordergrund stellen.

Beste Jahreszeit

Da sich ein Großteil der Tour auf einer Höhe zwischen 2500 und 3000m abspielt, ist die ideale Jahreszeit zur Begehung der Hochsommer von Mitte Juli bis Mitte September. Altschneefelder sind dann in der Regel weitgehend weggetaut. In dieser Höhenlage muss man allerdings zu jeder Jahreszeit auf einen überraschenden Wintereinbruch vorbereitet sein. Sprich: zur Ausrüstung gehört neben festen Wanderschuhen auch wetterfeste und warme Bekleidung.

Los geht’s! Tag 1 – Vom Flüelapass zur Chamanna da Grialetsch

Voller Vorfreude treffen wir uns mit unseren Freunden Sabine und Fabian, die sich bereits auf einigen anderen Wanderungen bewährt haben, am Bahnhof Bergün. Wir entscheiden uns, den Familienkombi der beiden in Bergün stehen zu lassen und starten mit unserem Zweisitzer mit kuschliger Notbank im Fond zum Flüelapass. Jetzt sind noch alle frisch geduscht, da macht es nichts, sich ein bisschen näher zu kommen. Wer weiß, wie das nach vier anstrengenden Wandertagen aussieht. 

Die beiden kommen direkt aus dem Flachland. Deshalb wollen wir es auf der ersten Etappe langsam angehen lassen und entscheiden uns gegen die Besteigung des Schwarzhorn. Stattdessen nehmen wir den direkten Weg zur Chamanna da Grialetsch durch das Val Grialetsch

Wanderer auf dem Weg vom Flüelapass zur Grialetschhütte

Fast eben geht es am Hang entlang vom Flüelapass zur Chamanna da Grialetsch

In strahlendem Sonnenschein begrüßt uns die urige Hütte aus grauem Stein mit roten Fensterläden. Die Hütte ist nicht ausgebucht, so dass wir uns im Lager über mehr als 4 Plätze ausbreiten dürfen. 

Grialetschhütte auf 2542m

Die Grialetschhütte liegt auf einer Höhe von 2542m.

Ausblick aus der Grialetschhütte

Ausblick aus dem Lager der Grialetschhütte. So lässt es sich aushalten!

Tag 2 – von der Chamanna da Grialtsch zur Keschhütte

Der nächste Morgen begrüsst uns zwar mit Sonne, aber über Nacht hat es ganz schön abgekühlt. Wir müssen uns im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal warm laufen. Dabei geht es zunächst nicht bergauf, sondern bergab in Richtung Dürrboden. Wir zweigen jedoch im Tal nicht nach rechts zum Dürrboden ab, sondern folgen dem Pfad zum Scalettapass auf 2606 Metern. Auf dem Pass haben wir uns eine Vesperpause verdient. Noch immer ist es nicht besonders warm. Wir sind froh, einen Pulli und eine Jacke dabei zu haben. 

Sonnenaufgang Grialetschhütte

Morgenstimmung beim Aufbruch von der Grialetschhütte. Es ist wunderschön, aber sehr kalt!

Nach der Stärkung geht es auf der anderen Seite wieder nach unten ins Val Funtauna, wo wir wieder die Wahl zwischen zwei Wegvarianten haben. Eine führt durch den Talboden am Bach entlang. Der andere etwas weiter höher durch den Hang. Wir entscheiden uns für den Höhenweg. 

Keschhütte

Ganz am Ende des Tals sieht man sie schon – die Keschhütte. Doch der Weg zieht sich…

Wir haben genug Zeit, um es gemütlich angehen zu lassen. Und so bleibt viel Gelegenheit, innezuhalten und die Aussicht auf die herrliche Berglandschaft zu genießen.

Rastende Wanderer im Val Funtauna

Wohlverdiente Rast im Val Funtauna

Bald kommt die Hütte in Sicht. Hinter ihr ragt der Piz Kesch in die Höhe. Neben ihm der Porchabellagletscher, der wie es aussieht, seine besten Zeiten hinter sich hat. Wenn man die Ausmaße der Schutthalden betrachtet, kann man sich vorstellen, dass der Gletscher früher um einiges gewaltiger war. 

Keschhütte mit Porchabellagletscher und Piz Kesch

Das Tagesziel, die Keschhütte, kommt in Sicht. Dahinter der Porchabellagletscher und rechts daneben der Piz Kesch.

Auch die Keschhütte ist nicht ausgebucht und wir bekommen ein kleines Lager ganz für uns alleine. Bis zum Abendessen ist noch ein wenig Zeit und so schlendern wir noch ein wenig um die Hütte herum. Das Hüttenmurmeltier beobachtet uns neugierig und posiert bereitwillig für Fotos. Anschließend gibt es im kleinen Hüttentümpel noch eine wohltuende Erfrischung für die Füße.

Murmeltier bei der Keschhütte

Und täglich grüßt das Murmeltier bei der Keschhütte. Manche dieser kleinen Gesellen sind richtig neugierig.

Tag 3: Von der Keschhütte zur Chamannna d’Es-cha

Erfahrene Bergsteiger können als Übergang von der Keschhütte zur Chamanna d’Es-cha direkt den Porchabellagletscher nehmen. Alle anderen müssen – wie wir – einmal halb um den Piz Kesch herum laufen, was bei der spektakulären Landschaft aber durchaus ein Pluspunkt ist. Die Etappe beginnt mit dem Abstieg zur Alp digl Chant, bei der man unbedingt eine kleine Stärkungspause einlegen sollte. Es gibt nämlich ganz hervorragenden frischen Fruchtjoghurt.

Danach geht es gemütlich durch das langgestreckte Val Plazbi. Doch Vorsicht! So entspannt wird der Tag nicht bleiben. Denn am Ende des Tals wartet der anstrengendste Teil des gesamten Keschtreks – der Aufstieg zur Fuorcla Pischa. Zunächst geht es einen Grashang nach oben. Dann wird das Gelände zunehmend schottriger und steiniger. 

Wanderer im Val Plazbi

Nach dem Abstieg von der Keschhütte zur Alp digl Chant folgt eine ziemlich ebene Passage durchs Val Plazbi

Über eine riesige Geröllwüste geht es zum Pass. Wer Spaß an der Geröllstapferei gefunden hat, kann mit dem Piz Blaisun noch einen 3200 Meter hohen Gipfel erklimmen. PapaMufflon macht den Gipfel sogar zweimal. Einmal im Alleingang als Speedbegehung und dann noch mal in gemässigter Gangart zusammen mit Fabian. 

Aufstieg zur Fuorcla Pischa durch Geröll

Der Aufstieg zur Fuorcla Pischa ist geröllig und steil, das Schneefeld kann man Mitte August umgehen. Die einzige Stelle der Wanderung, an der es keinen angelegten Weg gibt.

Die Mädels machen es sich an der Fuorcla bequem und gehen dann schon mal langsam vor in Richtung Chamanna d’Es-cha

Fuorcla Pischa mit Piz Blaisun am Keschtrek

Abstieg von der Fuorcla Pischa. Links im Bild der Piz Blaisun. Ein 3000er am Wegesrand, der von trittsicheren Wanderern mitgenommen werden kann.

Die Aussicht von der Chamanna d’Es-cha ist sagenhaft schön. Die Berninagruppe – allen voran der Biancograt – leuchtet uns in strahlendem Weiß entgegen. Besonders schön offenbart sie sich in der Dämmerung – umspielt von zarten Tönen in Rosa und Lila.

Berninagruppe von der Chamanna d'Es-cha aus gesehen

Abendlicher Blick von der Chamanna d’Es-cha zur Berninagruppe. Die Farbe des Himmels verrät: es wird langsam Herbst – so sagt man uns

Tag 4: Von der Chamanna d’Es-cha nach Preda und zum Abschluss eine Fahrt mit der Rhätischen Bahn

Am Abschlusstag geht es – im Anblick von Piz Blaisun und seiner Nachbarn – hinab ins Val d’Es-cha bis zur Albulapassstrasse. Man entert die Straße beim Punta Granda und kann von hier oder vom Pass mit dem Postbus nach Bergün fahren. Wir jedoch wollen den Keschtrek mit einem ganz besonderen Erlebnis abschließen – und zwar mit einer Fahrt mit der Rhätischen Eisenbahn

Wanderer auf dem Weg von der Chamanna d'Es-cha zum Albulapass mit Piz Blaisun

Aufbruch zur letzten Etappe von der Chamanna d’Es-cha zum Albulapass und weiter nach Preda. Im Hintergrund die rechte Spitze ist der Piz Blaisun.

Deshalb wandern wir vom Albulapass weiter vorbei am Lai da Palpuogna bis Preda. Die Albulastrecke der Rhätischen Bahn gehört wie die Berninastrecke zum UNESCO Welterbe. Die Streckenabschnitte zwischen Preda, Bergün und Filisur zählen zu den spektakulärsten Bahnstrecken weltweit. Zwischen Preda und Bergün muss die Bahn eine Höhendifferenz von fast 420 Metern überwinden. Und das auf eine Strecke von nicht einmal 7 Kilometern Luftlinie. Da die Züge keine Zahnräder besitzen, sondern der Antrieb über die Haftreibung der Räder erfolgt, darf die Steigung nicht zu groß sein. Der Zug würde sonst ins Rutschen geraten. Um die Strecke abzuflachen, wurde sie durch mehrere Spiraltunnel, Kehrtunnel und Viadukte auf zwölf Kilometer verlängert. Hier einmal mit zu fahren ist nicht nur für Bahnfreunde ein unvergessliches Erlebnis. Also ideal, um dem Keschtrek ein würdiges Ende zu verleihen!

 

Lai da Palpuogna

Kurz vor der Ankunft in Preda lädt der Lai da Palpuogna zum erfrischenden Fußbad ein