Bei den Verhältnissen, die winters in Luzern herrschen, fällt es manchmal schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden. Trüber Nebel, grauer nasskalter Dunst. Dunkelheit. Bleibt man da nicht lieber zu Hause? Nein! Denn auch wenn es unten nicht so aussieht – es gibt sie noch – die Sonne. Man muss sich nur weit genug nach oben begeben. 

So ist es auch heute, als wir uns den Niederbauen Chulm zum Ziel gesetzt haben. An der Talstation trottet BabyMufflon mit schweren Schritten hinter PapaMufflon her. Im Bett war es so schön kuschlig. Warum sind wir hier? Die Frage beantwortet sich als wir in der Gondel von Emmetten aus nach oben schweben. Denn es dauert nicht lange bis wir die Wolkendecke durchbrechen. Blauer Himmel, Sonnenstrahlen und ein Winterwonderland empfangen uns.

Wenig motivierende Nebelsuppe beim Start in Emmetten

An der Bergstation entsteigen wir der Gondel und müssen erst mal die Augen an das ungewohnt helle Licht gewöhnen. Der Blick wandert nach unten zur Stockhütte. Auch zu ihr führt eine Gondelbahn. Mit wesentlich mehr Publikumsverkehr. Denn während am Niederbauen nur gewandert wird, ist das Gebiet Stockhütte/Klewenalp ein beliebtes Skigebiet für Familien. Der Unterschied macht sich auch im Tal bei den Parkplätzen bemerkbar. Der Parkplatz zur Stockhütte ist gestopft voll. An der Niederbauenbahn können wir uns den schönsten Platz fürs Mufflonomobil aussuchen. 

Während sich auf den Niederbauen nur wenige Wanderer verirren, steppt bei der Stockhütte der Bär

Die Wanderung zum Niederbauen geht gemütlich auf dem gewalzten Winterwanderweg los. Die Schneeschuhe bleiben erst mal im Rucksack. Unsere Blicke schweifen zum kleinen und großen Mythen, die stolz aus den Wolken emporragen. Dem Großen Mythen hatten wir im Frühling letzten Jahres einen Besuch abgestattet. Er ist leichter zu besteigen als es aus der Ferne aussieht und auf seinem Gipfel steht eine Hütte, die 1A-Nussgipfeli anbietet. Für begeisterte Bergwanderer eine lohnenswerte Tour.

Die Mythen stehen zum Bewundern bereit

Als nächstes wird unsere Aufmerksamkeit von der hübschen Oberflächenstruktur angezogen, die der Wind im Schnee geformt hat. Ähnlich wie in der Wüste haben sich interessante Wellenmuster gebildet. Wunderschön sieht das aus!

Der Wind hat aus dem Schnee formschöne Strukturen gezaubert

Doch wir sind nicht nur zum Kucken da. Wir haben ja auch noch einen Gipfel zu erklimmen. Und schon steht er vor uns: der Niederbauen Chulm. Groß und schneebedeckt. Vorbei die gemächliche Schlenderei. Nun gilt es, die Schneeschuhe anzuschnallen und als nuff nach oben zu steigen. 

Da steht er: der Niederbauen. Unser Tagesziel für heute.

Ab der Tritthütte geht es ans Eingemachte. Denn es wird verdammt steil. Zunächst folgen wir den Spuren einer vorausgehenden Gruppe, die sich in Serpentinen den Hang nach oben gearbeitet hat. Querungen sind in dem harten Schnee ziemlich unangenehm. Deshalb klappen wir kurzerhand die Steighilfen hoch und entscheiden uns für den direkten Weg nach oben. Mit den kräftigen Zacken unserer Schneeschuhe kein Problem. Und dank Steighilfe fühlt es sich an wie normales Treppensteigen

Als nuff geht es durch den hartgefrorenen, windgepressten Schnee. Gut, dass es Frontzacken und Steighilfe gibt!

Je weiter wir nach oben kommen, umso mehr pfeift uns der Wind um die Ohren. Ein Schneeschuhwanderer, der bereits am Absteigen ist, prophezeiht uns ‚ruppige Verhältnisse‘ am Gipfel. Aber die Aussicht sei schön wie eh und je. Also gut. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und stapfen tapfer weiter. 

Eingemummelt zum Schutz vor dem heftigen Sturm – PapaMufflon fast schon im Expeditionslook

Den Höhenpunkt erreicht der Sturm im Sattel kurz vor dem Schlußanstieg. Er bläst so gewaltig, dass man darum kämpfen muss, auf beiden Beinen zu bleiben. Es weht nicht nur Schnee, sondern auch Eisbröckelchen durch die Gegend. Aua – das tut richtig weh! Wir ziehen die Kapuze soweit wie möglich runter. PapaMufflon hat zwei Buffs dabei uns zieht sich einen übers Gesicht.

Stürmische Verhältnisse im Sattel vor dem Niederbauengipfel – es ist nicht nur Pulverschnee, was uns um die Ohren saust!

Zur besseren Veranschaulichung hier noch ein Video:

Noch ein paar letzte Meter geht es bergauf bis zum Gipfel. Den Schnee hat es im letzten Stück fast komplett weggeweht. Beinahe hätten wir die Schneeschuhe abschnallen müssen. Doch wir finden noch eine schmale Schneespur, auf der wir nach oben steigen können. Die Aussicht vom Niederbauen Chulm ist wieder einmal sagenhaft. Wir waren in unserem ersten Schweizjahr schon einmal im Sommer oben und waren begeistert vom Panorama. Seinerzeit sind wir von Seelisberg über den Leiterweg aufgestiegen. Eine tolle Variante für kleine Abenteurer, die nur im Sommer zu begehen ist. 

Zwei Welten prallen aufeinander – unten dichter Nebel und oben strahlender Sonnenschein

Bei Chips und Schokokeksen lassen wir es uns gut gehen und genießen die Sonne und die Berge um uns herum. Und zwar so lange bis die Kälte langsam unter unsere Kleidung gekrochen kommt und wir zum Aufwärmen freiwillig weiterlaufen wollen. Wir gehen zurück zum Sattel und wählen dort den südwestseitigen Abstieg (in der Tourenkarte als Variante 510b eingezeichnet). Die ersten paar Meter sind ziemlich steil, danach wird es einfacher. Irgendwann treffen wir wieder auf den Winterwanderweg, der zur Bahnstation führt. Ab jetzt werden die Schneeschuhe nicht mehr benötigt und können wieder am Rucksack verstaut werden. In einem gemütlichen Bummel geht es zurück. Während der Fahrt nach unten heißt es Abschied nehmen von der Sonne. Doch auf dem Chip unserer Kameras und – noch viel wichtiger – in unseren Herzen haben wir das Lachen der Sonne gespeichert und nehmen es mit ins graue Einerlei. 

Hinweis: Bei Winterwanderungen im Schnee herrscht Lawinengefahr – nur mit LVS, Sonde, Schaufel und Studium des Lawinenbulletin unternehmen und vorher eine Lawinenausbildung machen!