Elke von „Fotografische Reisen und Wanderungen“ hat zur Blogparade zum Thema „Wandern ist für mich…“ aufgerufen. Ein wie wir finden, äußerst spannendes Thema. Denn auch wenn unzählige Wanderer sich die Wege durch unsere schöne Welt teilen, so heißt das noch lange nicht, dass Wandern für jeden von uns dasselbe bedeutet.

Sport für die einen, Genuß für die anderen, Gemeinschaft für jene und für manch einen vielleicht sogar Therapie. 

Wann und wo warst Du das erste Mal wandern?

Wandern gehört zu unserem Leben seit wir denken können. Im Familienurlaub stand Wandern regelmässig auf der Tagesordnung. Dass sich daraus eine große Leidenschaft und Liebe zu den Bergen entwickelt hat, haben wir jedoch eindeutig BabyMufflons weltbesten Großeltern zu verdanken. Mehrmals im Jahr sind sie mit ihren Rucksäcken gen Alpen gefahren und brachten jedesmal spannende Geschichten und wunderschöne Fotos mit. Besonders beeindruckt haben uns die vertonten Super8-Filme. Untermalt mit dramatischer Musik und mitreissenden Texten wurde die Bergsehnsucht und damit auch die Lust zum Wandern geweckt. 

Oma und Opa – sie haben uns für die Berge entflammt!

Unsere erste gemeinsame Wanderung war vor nunmehr beinahe 15 Jahren. Im Sommer – wir waren gerade seit ein paar Monaten ein Paar – ging es zusammen mit BabyMufflons Schwester und einer Freundin nach Füssen. Höhepunkt war die Besteigung des Aggensteins, für die wir damals noch sämtliche verfügbaren Seilbahn- und Sesselliftunterstützungen nutzten. 

Unsere erste gemeinsame Wanderung: vom Breitenberg auf den Aggenstein

Was war der Beweggrund in die Natur zu gehen?

Gründe zum Wandern gibt es viele. Wir haben vor einiger Zeit einen eigenen Beitrag zu diesem Thema geschrieben. Am Anfang stand sicher die Idee, etwas gemeinsam zu unternehmen, an dem wir beide Spaß haben. Das ist bei BabyMufflon gar nicht so einfach, denn es ist unsportlich und ängstlich zugleich, so dass viele Aktiväten von vorne herein ausscheiden. Beim Wandern kann man Schwierigkeit und Geschwindigkeit gut dosieren, so dass wir immer eine passende Unternehmung finden. 

Ansonsten würden wir sagen, der Beweggrund in die Natur zu gehen beantwortet sich ganz von selbst, wenn man erst einmal auf einen Gipfel gestiegen ist und die atemberaubende Aussicht auf die Welt genießt. Und die Stille der Natur in sich aufsaugt. 

Die Welt von oben. Traumhafte Perspektiven vom Mittenwalder Klettersteig

Mit welcher Streckenlänge hast Du begonnen und wie weit wanderst Du heute?

Am Anfang unserer Wander’karriere‘ waren 500 Höhenmeter eine tolle Leistung. Alles darüber schier eine Sensation. Mittlerweile liegt der Wohlfühlbereich bei 1000 Höhenmetern und ca. 6 Stunden Wanderzeit. Wir haben im letzten Sommer aber auch einige Aufstiege über 2000 Höhenmeter zurückgelegt. Eine der anstrengendsten Wanderungen war die Etappe von der Kemptner Hütte zum Prinz-Luitpoldhaus bei der Steinbocktour. Da waren wir an die 9-10 Stunden unterwegs, uns ging das Wasser aus und die Sohlen haben so gequalmt, dass sie sich sogar abgelöst haben… so eine Tortur muss nicht jeden Tag sein.

2000 Höhenmeter Aufstieg aufs Schilthorn – mit der Pausenaussicht gut machbar

Wie lange brauchst Du, um abzuschalten?

Das Abschalten beginnt spätestens mit dem ersten Schritt. Meist schon weit vorher bei der Tourenplanung (Vorfreude!!!) und beim Rucksack packen. Als wir noch in Deutschland gewohnt haben, hat sich der Berg- und Wandermodus spätestens bei der Durchfahrt durchs Allgäuer Tor eingestellt, denn ab dort kommen die Berge in Sicht.

Seit wir in die Schweiz gezogen sind und die Berge direkt vor der Haustüre haben, haben wir festgestellt, dass man unter der Woche schon gar nicht mehr so hochfährt wie früher. Das hat quasi wie ein natürlicher Entstressor gewirkt. Mit nach Hause genommene Arbeit oder Projektstress am Wochenende haben wir abgeschafft, denn wir haben nun wichtigere Missionen am Wochenende zu erledigen. 

Wenn man hier nicht abschalten kann – wo dann?

Welches Wegeprofil magst Du am liebsten? Wieso ist das so?

Mmmmh – diese Frage müssen wir wahrscheinlich einzeln beantworten. Teilweise gehen unsere Vorlieben etwas auseinander…

BabyMufflon: Ich mag am liebsten einfache bis mittelschwere Bergwege. Es darf kein Spaziergang mehr sein. Ich will ins Schwitzen kommen und am Ende des Tages wissen, was ich gemacht habe. Es darf aber nicht so anstrengend werden, dass es ein stundenlanges Leiden ist. Und – der Spaß hört da auf, wo die Angst anfängt. Rutschigen Untergrund wie loses Geröll oder Nässe sind überhaupt nicht meins. Seilversicherte Stellen können spannend sein, auch hier gilt aber: fester Boden unter den Füßen ist ganz wichtig!

Auf dem Keschtrekk durch Graubünden. Einfache Wege, große Berge – ganz wie BabyMufflon es mag!

PapaMufflon: Leiden!!! Je länger und gefährlicher der Weg, desto besser. Ich mag es am liebsten, meine Grenzen auszutesten (wie hier auf den Hochvogel). Zum Glück habe ich aber auch meistens mein BabyM dabei, das mir schützend zur Seite steht und mich zügelt. Denn ich habe gewissermaßen ein Händchen für Verletzungen – wer kann sich schon „rühmen“, sich sogar beim Yoga eine Bandscheibenvorwölbung zugezogen zu haben? Zwei Bänderrisse und eine kaputte Schulter sind einfach genug – man wird ja auch nicht jünger. Deswegen versuche ich nun vor allem schöne Motive mit meiner Kamera abzulichten. Die gibt es auf Klettersteigen wie auch beim Bergwandern!

Die Randkluft des Höllentalferners am Weg auf die Zugspitze

Wanderst  Du auch bei Regen, wenn ja wie empfindest Du Regenwanderungen?

Jein. Wir würden nicht jede geplante Wanderung bei Regen durchziehen. Da BabyMufflon nicht mit rutschigem Untergrund kompatibel ist, kommen nur einfache Wanderungen in Frage. 

Wir können uns noch gut an den ersten verregneten Urlaub erinnern, als wir uns endlich ‚richtige‘ Regenjacken zugelegt hatten und es eine Woche lang in Strömen goß. Die Erkenntnis, dass man mit der richtigen Bekleidung tatsächlich auch trocken durch den Regen laufen kann, war grandios. 

Das Stripsenjoch bei Regen – Goretex machts möglich…

Seit wir in Luzern wohnen, bedeuten Regentage meistens, dass wir uns endlich mal wieder um den Haushalt kümmern. 

Welches Gefühl nimmst Du nach einem Wandertag mit in den Alltag?

Das Gefühl, dass…

…es Wichtigeres gibt als Zahlen und Projekttermine

…wir ein winzig kleiner Punkt in einem riesengroßen Universum sind und uns selbst nicht immer so wichtig nehmen sollten

…die Welt wunderwunderschön ist

…wir mehr schaffen können, als wir uns zutrauen

Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele (Josef Hofmiller)

Wie lange hält die Wirkung einer Wanderung an?

So genau können wir das gar nicht beziffern. Je eindrucksvoller die Wanderung, umso länger die Wirkung. Besonders entspannend sind Wanderungen, bei denen man auf dem Gipfel oder an einem idyllischen See ein gemütliches Nickerchen halten kann. Das bleibt lange im Gedächtnis. Auch Wanderungen, die eine besondere Herausforderung waren, wirken länger nach – wie zum Beispiel die Wanderung aufs Hohe Licht

Wunderschönes Allgäu – diese Eindrücke konserviert man gerne für längere Zeit

Wanderst Du in Gruppen oder doch lieber alleine?

Bei Tageswanderungen sind wir gewöhnlich als Duo unterwegs. Wir sind ein gut eingespieltes Team und sind uns meistens einig, was wir wollen und was nicht. Wir kennen unser Tempo und haben unsere bewährten Pausengewohnheiten. 

Bei Hüttenwanderung ist das anders. Ein Abend auf der Hütte macht mit Freunden viel mehr Spaß als nur zu zweit. 

Zweisamkeit am Distelsee unterhalb des Brudelhorns