Kurz nach der Arbeit ging es los: ins Auto gestiegen, den Stau bei Stuttgart überstanden und schon sind wir in Oberstdorf. Vorher haben wir noch den örtlichen Outdoor-Laden überfallen und haben Klettersteigsets mitgehen lassen. Das ist nämlich unser erster Klettersteig und wer weiß, vielleicht ist das ja nix für uns – da muss man kein Geld zum Fenster rausschmeissen 🙂

Auf dem Weg zur Fiderepasshütte

Auf dem Weg zur Fiderepasshütte

Den Weg zur Fiderepasshütte kennen wir mittlerweile aus dem Effeff. Da es schon recht spät ist, drücken wir ein bisschen auf die Tube, damit wir noch etwas zu Essen bekommen. Ausserdem ist das auch ein erster Konditionstest, denn morgen wird es recht anstrengend und lang werden. Die Hütte kommt relativ zügig in unseren Blick und da wir rechtzeitig ankommen, gibt es auch noch was Leckeres zu Essen. Mitte Juli müsste die Hütte eigentlich gut gebucht sein, doch die Auslastung hält sich in Grenzen. Vielleicht haben wir Glück und der Steig ist nicht so stark begangen morgen?

Die Fiderepasshütte

Die Fiderepasshütte

Nach der angenehmen Nacht im 40er-Lager (ok, so etwas gibt es nicht, eine angenehme Nacht…) machen wir uns frühmorgens auf zur Fiderescharte. Oben angekommen trauen wir unseren Augen nicht: eine Steinbockfamilie sitzt ganz entspannt circa 5 Meter etwas oberhalb des Weges und schaut zu, wie die Menschen so unbeholfen in den Bergen umherstapfen. Das bedeutet: längere Fotosession!

Steinböcke bei der Fiderescharte

Steinböcke bei der Fiderescharte

Nach unzähligen Bildern schnallen wir uns unsere Klettersteigsets an – gar nicht trivial beim ersten Mal 😉 BabyM ist kein Fan von Klettersteigen und nimmt stattdessen den Krummbacher Höhenweg, der auch bei der Mindelheimer Hütte rauskommt. Für die restlichen geht es jedoch los (Topo). Nach leichter Kraxelei ist man für die ziemlich bald erscheinende Schlüsselstelle (C) aufgewärmt. Einen leichten Felsüberhang, sechs Meter hoch mit Eisenklammern, gilt es zu überwinden. Für Martin ist dies jedoch unüberwindbar. Deswegen entscheidet auch er sich für den Höhenweg. Lieber jetzt als irgendwo mittendrin.

Massenandrang beim ersten Aufstieg - so voll war es aber selten

Massenandrang beim ersten Aufstieg – so voll war es aber selten

Für uns drei verbliebenen Kletterer heißt es nun als nuff auf den dritten Schafalpenkopf. Durchsetzt mit Leitern, Stiften und Stahlseilen finden wir den Weg mit Leichtigkeit und stehen schon bald auf unseren ersten Gipfel des Tages. Eine kurze Rast – wir sind ja gerade erst losgegangen – bevor es wieder die Nadel hinuntergeht. Wir kommen gut voran, sind wir doch recht früh von der Hütte aufgebrochen. Kurz darauf das nächste Highlight: die waagerechte, über einem Felsspalt liegende Leiter, die gut von der Fiderepasshütte zu sehen ist. Die Überquerung ist kein Problem, der Tiefblick umso schöner.

Das ist noch ein Stück...

Das ist noch ein Stück…

Leiter am Schafalpenkopf

Leiter am Schafalpenkopf

Im Hintergrund der Hohe Ifen mit dem Gottesacker

Im Hintergrund der Hohe Ifen mit dem Gottesacker

Nach dem Felsturm kommt der erste Gipfel

Nach dem Felsturm kommt der erste Gipfel

Gipfelbeweisfoto Schafalpenkopf

Gipfelbeweisfoto Schafalpenkopf

Die Leiternbrücke

Die Leiternbrücke

Danach geht es eine schräge Rampe runter und wieder durch Eisentritte gesichert eine ähnliche Wand wie bei der Schlüsselstelle am Anfang hinab. Das war der erste von drei Schafalpenköpfen. Es geht weiter einen Kamin hoch. Diese Stelle gefällt mir sehr, da hier nicht so viel Eisen verbaut wurde. Man darf noch am Stein klettern. Diese Freude währt leider nicht lange, denn nun beginnt der Zackengrat. Hier heißt es wieder: über Eisentritte steil hoch und runter. Im Vorbeigehen nimmt man noch den zweiten Schafalpenkopf-Gipfel mit und danach machen wir eine längere Pause. Mittlerweise sind wir seit dreieinhalb Stunden unterwegs. Das Gröbste ist geschafft, es fehlt nur noch ein Gipfel – und der ist gütigerweise der niedrigste von den dreien.

Es geht eine schräge Rampe hinunter

Es geht eine schräge Rampe hinunter

Ganz hoch muss man nicht...

Ganz hoch muss man nicht…

Es wird immer mal wieder luftig

Es wird immer mal wieder luftig

Kleiner Überhang gefällig?

Kleiner Überhang gefällig?

Zweiter Gipfel des Tages

Zweiter Gipfel des Tages

Es geht nun also wieder hinauf: diesmal durch einen Kamin, der fast schon zu eng für mich und meinen Rucksack ist – und das will was heißen! So langsam haben wir genug vom Klettersteig. Es ist jetzt Mittag und die Sonne knallt so richtig schön auf uns runter. Die Energie lässt nach und ein Bier wäre dringend nötig. Ein Glück können wir jetzt schon bis zum Kemptner Köpfle sehen. Weit kann es nicht mehr sein. Eine letzte lange Leiter und Rinne geht es nun hinab und auf wen treffen wir da? Wohl den Steinbock-Chef. Der sitzt gemütlich im Schatten auf der anderen Seite eines breiten Spalts und schaut mal wieder den Menschen zu. Sind immernoch recht ungeschickt…

Der letzte Schafalpenkopf den es zu überwinden gilt

Der letzte Schafalpenkopf den es zu überwinden gilt

Beste Kraxelstelle im Steig <3

Beste Kraxelstelle im Steig <3

Die Stelle kenne ich doch!? Zugspitze, Brett?

Die Stelle kenne ich doch!? Zugspitze, Brett?

Vertigo!?

Vertigo!?

Bestimmt hammas glei gschafft...

Bestimmt hammas glei gschafft…

Eine kurze Verschnaufpause

Eine kurze Verschnaufpause

Im Hintergrund das Kemptner Köpfle!

Im Hintergrund das Kemptner Köpfle!

Was? Da soll ich durch?

Was? Da soll ich durch?

Der letzte Kamin

Der letzte Kamin

Und schon sind wir durch

Und schon sind wir durch

Die letzten paar Meter vom Klettersteig-Ausgang zur Mindelheimer Hütte sind ein Klacks und wenige Minuten danach ist das Bier auch schon geordert. Es scheint so, als hatten wir mächtig Glück mit den Massen: uns kamen nicht viele Leute entgegen und an den Schlüsselstellen mussten wir selten länger als ein oder zwei Minuten warten. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Die Tour war wirklich super und ist allen Klettersteiggehern zu empfehlen!

Platt vor der Mindelheimer Hütte

Platt vor der Mindelheimer Hütte

Gute Nacht!

Gute Nacht!