Die Beinbekleidungsrevolution: von der Jeans zur Arc’teryx Palisade Pant

Meine ersten Wanderjahre verbrachte ich in gewöhnlichen Jeans. Oder im Sommer teils mit kurzen Shorts. Für den Anfang völlig ausreichend. Es stellte sich heraus, dass das Bergfieber keine vorübergehende Phase war, sondern offensichtlich ein dauerhafter Bestandteil meines Lebens werden sollte. Also wagte ich die Investition in eine richtige Wanderhose, denn Jeans sind schwer, warm und selbst in der Stretchvariante nicht sonderlich bewegungsfreundlich. Und wehe, es regnet. Dann kleben sie schwer und unangenehm an den Beinen und es dauert Ewigkeiten bis sie wieder trocken sind.

Also wälzte ich unzählige Testberichte im Internet, um meine zukünftige Begleiterin zu finden und stiess schliesslich auf die Arc’teryx Palisade Pant. Die beschriebene Kombination aus Leichtigkeit und Robustheit machte mich neugierig und so traf ich meine Kaufentscheidung und es wurde bestellt.

 

Erster Eindruck

Wenige Tage später kam die Lieferung ins Haus und die erste Anprobe stand an: Schon beim ersten in den Händen halten stellte ich fest – der Stoff ist wirklich extrem leicht. Fast ein Hauch von Nichts. Leichtigkeit: Check! Ich stelle mir die Frage, wie lange so ein dünnes Stöffchen den Strapazen von Wanderungen, insbesondere mit Felskontakt, standhalten wird. Doch dazu mehr im Praxisteil, jetzt sind wir erst mal bei der Anprobe.

Das Tragegefühl ist auf Anhieb sehr angenehm. Am Bund befindet sich innen eine Art weicher Nickistoff zur Abpolsterung und es gibt einen integrierten Gürtel, so dass die Hose sich leicht an variierende Körperfülle (Speckpölsterchen nach Schlechtwetterperioden vs. Bikinifigur nach größeren Unternehmungen) anpassen lässt. Komfort: Check!

An jedem Bein befinden sich jeweils 2 geräumige Taschen, in denen man bequem alles verstauen kann, auf das man schnellen Zugriff benötigt. Bei mir sind das vor allem Schnuffeltücher, aber auch ein bisschen Kleingeld, Sonnenlabello, Bahnfahrkarte, Wanderbuch etc. Ich besitze noch das alte Modell, bei dem alle Taschen in mittlerer Oberschenkelhöhe angebracht sind. Das ist von daher sehr praktisch, dass man während dem Laufen auch bei geschlossenem Rucksackgurt bequem ohne großartiges Gefummel auf alle Taschen zugreifen kann. Stauraum: Check! Ca. 2011 wurde der Schnitt verändert. Das Modell hat nun ’normale‘ Hosentaschen an der Seite und nur noch eine Tasche weiter unten.

Ansonsten ist die Palisade Pant ohne großen Schnickschnack minimalistisch gehalten, was zu einem geringen Gewicht und kleinem Packmaß beiträgt. Diese Hose findet selbst im kleinsten Gepäck noch Platz. Gewicht und Packmaß: Check!

 

Doch wie trägt sie sich denn nun beim Wandereinsatz? 

Bei der ersten Wanderung mit meinem neuen Prachtstück spüre ich die neu gewonnene Bewegungsfreiheit und genieße den erstklassigen Tragekomfort. Nichts drückt, nichts eng ein. Die Palisade Pant macht alle Bewegungen mit, ohne dass irgendetwas klemmt oder zieht. Ob Wandern oder Klettern – sie fühlt sich überall zu Hause. Tragegefühl und vielseitiger Einsatzbereich: Check!

Und das Tolle ist – sie deckt ein großes Temperaturspektrum ab. Selbst in der größten Sommerhitze ist sie nicht zu warm. Ich habe gar kein Bedürfnis mehr nach einer kurzen Hose – zumal meine Beine so besser vor der Sonne oder Stechviechern geschützt sind. Auch im Frühjahr und Herbst ist man mit der Hose gut versorgt. Denn trotz des dünnen Stoffs hält sie Wind recht gut ab. Atmungsaktivität: Check!

Auf eine Regenhose kann man bei kurzen Schauern oder leichtem Nieselregen getrost verzichten, wenn man die Palisade Pants trägt. Denn der Stoff trocknet so schnell, dass man der Hose regelrecht beim Trocknen zuschauen kann. Wasser perlt zwar nicht ab, aber wenn es nur leicht regnet, trocknet der Stoff schneller als neues Wasser nachkommt, so dass man nicht durchnässt und somit auch nicht auskühlt. Schnelltrocknend: Check!

 

Und wie sieht es mit der Haltbarkeit aus?

Da die Hose nicht gerade günstig ist, erwartet man, dass die Hose die Strapazen von vielen Wanderungen aushält und nicht gleich beim ersten Kontakt mit rauhem Gelände Löcher reisst. Meine Hose ist mittlerweile ca. 7-8 Jahre alt und hat unzählige Wanderungen und andere Reiseabenteuer auf dem Buckel. Schon in der ersten Saison hat sich mein Exemplar einen kleinen Kratzer am Hintern zugezogen, der aber nur bei ganz genauem Hinsehen erkennbar ist und auch nie weiter ausgefranst ist. Erst in diesem Sommer hatte ich plötzlich ein kleines Loch im Oberschenkelbereich, das vermutlich bei einer kleinen Felsturnerei entstand. Es ist mittlerweile mit Nadel und Faden geflickt worden und ich hoffe, dass die Hose mir noch auf vielen Wanderungen die Treue halten wird. Insbesondere dafür, dass der Stoff so dünn und leicht ist, stufe ich die Hose als ausserordentlich robust und haltbar ein.

Auch PapaMufflon ist nun seit 2014 stolzer Besitzer und Träger einer Arc’teryx Palisade Pant. Er ist bekanntlich DER  Hosenbeinschreck und schafft es, alle Beinkleider innerhalb kürzester Zeit zu zerfleddern (siehe Testbericht Fjällräven G-1000 Zip-Off). Selbst er hat es in nunmehr zwei Jahren noch nicht geschafft seine Palisade Pant zu zerstören. Robustheit: Check!

Ganz nebenbei sieht die Hose auch noch ganz gut aus, so dass man sie ruhigen Gewissens mit auf eine Städereise mitnehmen kann. Vorausgesetzt man trägt lieber was Bequemes als ein Schickimickikleidchen. Optik: Check!

Und wo ist der Haken?

Rundum perfekt gibt es bekanntlich nichts auf dieser Welt. Und so gibt es auch bei der Palisade Pant einen Haken. Es ist der Preis. Für ein kleines Stück Stoff 140 Euro (Stand September 2016) hinzublättern, kostet schon einiges an Überwindung.

Der zweite Punkt, über den ich mich schon geärgert habe, ist die Beinlänge der Normalgröße. Eigentlich habe ich eher kurze Beine und muss Hosenbeine eher kürzen, aber bei dieser  Hose sind mir tatsächlich die Beine einen Tick zu kurz. Die Langgröße wiederum wäre viel zu lang, denn die ist gleich 7,5 cm länger.

Trotzdem empfehle ich diese Hose guten Gewissens weiter und würde sie auch selbst jederzeit wieder kaufen (diesmal vermutlich in Langgröße). Andere Hosen sind nicht so viel günstiger und der Umstieg auf ein anderes Modell birgt das Risiko, auf einige liebgewonnene Eigenschaften verzichten zu müssen.

Zusammenfassung

  • leicht
  • komfortabel
  • geräumig
  • kleines Packmaß
  • vielseitig einsetzbar
  • atmungsaktiv
  • schnelltrocknend
  • robust
  • chick
  • hoher Preis
  • komische Beinlänge

P.S. Auch wenn der Artikel ein bisschen nach Werbung klingen mag: der Post ist nicht gesponsort und die Hosen selbst gekauft 😉