Gähn, um 4:54 Uhr klingelt der Wecker mal ausnahmsweise am Wochenende: die Besteigung des Titlis steht auf dem Program! Dank bestens präparierter Gletscherpiste im Rahmen der Titlis Bergtrophy ist auch für uns Mufflons eine Besteigung von Engelberg bis hoch zum Gipfel möglich.

Den angepeilten Start von 6:00 Uhr verpassen wir um 30 Minuten – am Wochenende darf man sich ja nicht stressen. Der riesen Parkplatz der Titlis Talstation ist auch schon gut angefüllt, als wir eintreffen. Dennoch hält sich die Schlange an der Kasse in Grenzen, unser Startmärkle bekommen wir recht zügig. Schnell noch je eine Tee- und Wasser-Trinkflasche gegrabscht und schon kann die Wanderung losgehen!

Die leere Stempelkarte

Das noch leere Stempelkärtchen und gaaaanz kleine Äuglein

Der Weg führt erst topfeben etwas durch Engelberg durch und mündet dann in ein Waldstück, das die erste Steigung mit sich bringt. Hier werden auch die Wege schmaler, was das Überholen oder Überholt werden sehr schwer macht, so dass sich bald ein langes Menschenband bildet. Das Gute des frühmorgentlichen In-der-Masse-Laufens: man ist noch so im Tran, dass man gar nicht merkt, wie man Höhenmeter um Höhenmeter hinter sich bringt. Ehe man sich’s versieht, steht man auch schon an der Station Trübsee, der ersten Stempelstelle.

Trübsee

Station Trübsee

Nach einem Boxenstopp und einem frischen Brötchen als zweites Frühstück geht die Wanderung weiter: die Wege werden etwas breiter und die Vegetation verändert sich: die Bäume fehlen! Nur noch Grasbüschel und Blümchen säumen den Weg. Immer mal wieder huscht ein Trailrunner vorbei (und solche, die sich als Wanderer verkleiden, aber eigentlich Trailrunning betreiben 😉 ) und schon bald wird der Blick auf den Gletscher frei – da sollen wir hoch?

Der Titlis-Gletscher

Der Titlis-Gletscher

Es folgt eine kurze Hangquerung und ein letzter Aufstieg zur zweiten Stempelstelle auf 2400 Meter: die Station Stand. Damit haben wir nun schon 1400 Höhenmeter in unseren Füßen, aber es geht erstaunlich gut. An dieser Verpflegungsstation gibt es tatsächlich ein leckeres Mars, so dass wir noch mobiler werden können. Leider steigt hier nun BabyM aus, da die vielen Menschenmassen das kleine, scheue Reh irritieren und es sich so nicht auf den Weg konzentrieren kann. Das ist nämlich bei der nächsten Etappe mit der Schlüsselstelle zwingend nötig. Wie gut, dass man jederzeit mit der Bergbahn bis hoch fahren kann. Davon macht BabyM nun Gebrauch und wartet auf mich an der Bergstation.

Jeder will ein Snickers an der Station Stand

Jeder will ein Mars an der Station Stand

Es folgt nun ein Schotteranstieg bis zur schwersten Stelle der Wanderung: zwei Möglichkeiten, um von einem Felsen abzusteigen. Entweder per 6-Meter-Leiter, vor der sich eine beträchtliche Schlange gebildet hat, oder per verankertem Kletterseil. Jeder will die Leiter nehmen, also gehe ich zum Seil. Ein bisschen die Wand heruntergehangelt und schon habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Sieht schlimmer aus, als es ist 🙂

Die Schlüsselstelle

Die Schlüsselstelle

Jetzt fängt der Spaß an: es geht auf den Gletscher – oder eher auf die präparierte Gletscher-Autobahn, die einer Skipiste gleicht. Mehrere hundert Höhenmeter hoch. Die Schneeauflage ist sehr sulzig, am Rand der Piste hat sich jedoch noch etwas Eis gehalten. Deswegen ziehe ich meine mitgenommenen Grödeln an und komme so zügig voran. Schon bald erreiche ich den Gletscherpark, den man mit dem sogenannten Ice Flyer erreichen kann. Touristen scheppern mit LKW-Reifen einen Schneehügel runter. Die Zivilisation ist erreicht…

Der Gletscheraufstieg ist rechts neben dem Lift

Der Gletscheraufstieg ist rechts neben dem Lift

Von weitem winkt mir schon BabyM zu. Es ist mir ein bisschen entgegengekommen und zusammen laufen wir nun zur dritten Stempelstelle, Klein Titlis. Hier gibt es eine wärmende Bouillon und aufmunternde Worte. Der Gipfel ist nicht mehr weit. Zweihundert Höhenmeter oder eine gediegene Dreiviertelstunde trennen mich noch vom letzten Stempel. Auch hier passt BabyM;  immer noch zu viel los. Wir werden diesen Weg nochmal bei geringerem Menschenaufkommen zusammen gehen – in Ruhe 🙂

Klein Titlis 2

Klein Titlis

Nun geht es also zusammen mit Asiaten in Sneakers den letzten Aufschwung nach oben. Es geht so weiter wie ich es schon gewohnt bin: sulziger Schnee bis obenhin. Doch schon bald fallen meine Grödeln auseinander – da hat sich wohl eine Schraube gelöst. Das macht aber nichts, denn nur mit Wanderschuhen ist es genauso machbar. Also sammle ich die Einzelteile ein und erreiche nach insgesamt 5 1/2 Stunden den Mann mit dem vierten Stempel. Voller Stolz lasse ich ihn mir reindrücken und stürze ein Glas O-Saft hinunter. Schnell ein paar Gipfelbeweisfotos aufgenommen und schon begebe ich mich wieder auf den Abstieg – zu meinem BabyM.

Die vierte Stempelstelle mit Gipfel

Die vierte Stempelstelle mit Gipfel

Zusammen holen wir uns das Geschenkle ab: einen Buff, Werbung und einen 50% Klettergutschein bei Eiselin Sport – wie gut, dass wir fast nebendran wohnen und ich mit Klettern angefangen habe. Dann lasse ich mir meine Siegerurkunde ausfüllen und bei volkstümlicher Musik gibt es noch lecker Älplermakronen mit herrlichem Blick auf die benachbarten Berge. Nächstes Jahr sind wir vielleicht wieder dabei und versuchen etwas später an den Start zu gehen. Vielleicht halten sich die Menschenmassen ja dann in Grenzen. Es wäre schön, mit BabyM zusammen auf dem Gipfel vom Titlis stehen zu können 🙂

Kassensturz

Für 65 schweizer Franken ist die Titlis Bergtrophy ein richtiges Schnäppchen. Schon allein die Berg- und Talfahrt mit der Bergbahn kommt ohne Halbtax auf 89 CHF:

  • Flasche: im Wert von ca. 15 CHF
  • Bahnfahrt: 89 CHF
  • Buff: Wert ca. 10 CHF
  • Verpflegung: Wert ca. 20 CHF
  • Urkunde: unbezahlbar 😉
Mega-stolz mit der Titlis-Bergtrophy-Urkunde

Mega-stolz mit der Titlis-Bergtrophy-Urkunde