Heute geht es mit unseren Eltern und viel Fleisch im Gepäck nach Melchsee-Frutt. Nachdem wir im Winter tolle Schneeverhältnisse und Familien-Après-Ski-Feeling erfahren hatten (Bericht), ist im Sommer wesentlich weniger los. Das freut uns, denn so kommen wir an eine freie von insgesamt sechs obwaldener Feuerstellen auf dem Hochplateau. Heute ist nämlich Grillieren angesagt und das mitgeschleppte Essen will verzehrt werden!

Nicht nur in Obwalden, sondern in der gesamten Schweiz gibt es viele Grillierstellen mit allem drum und dran – sogar für Holz ist gesorgt; kostenlos versteht sich (irgendwie so gar nicht schweizerisch).

Da wir – mit älteren Leutchen im Gepäck – recht spät von zu Hause aus losgefahren sind, treffen wir erst gegen 11:30 Uhr unten an der Stöckalp ein. Wir sind zu fünft in einem Auto – da lohnen sich Gondeltickets nicht wirklich. Also warten wir noch eine halbe Stunde, damit wir um 12 Uhr pünktlich hochfahren dürfen (nur zu geraden Stunden möglich). Oben angekommen knurrt uns allen schon der Magen, so dass die geplante Seeumrundung ausfällt und direkt eine Feuerstelle angesteuert wird. Zu allem Unglück gibt es hier – ganz unschweizerisch – kein Holz. Also muss man sich sein Steak erst redlich verdienen: flucks zur nächsten Feuerstelle marschiert und ein paar Holzscheite geklaut.

Wanderung zur Feuerstelle

Wanderung zur Feuerstelle

Doch wie macht man nochmal Feuer? Wir haben Zeitungen, ein (natürlich) Schweizer Messer und Zündhölzer dabei. Kurze Rückbesinnung auf CVJM-Zeiten und schon ist ein Zeitungsknäul unter Holzscheiten verstaut. Mit hoffnungsvollen Gesicht wird die Zeitung angezündet und nach circa einer Minute ist schon alles vorbei: die Zeitung nur noch ein Häufchen Asche und die Holzscheite gerade mal auf der obersten Oberfläche etwas grau-schwarz.

Zweiter Versuch: die Mütter werden schon mal losgeschickt; Hölzchen sammeln. Denn das Zeitungspapier wird langsam knapp. Vielleicht waren die verwendeten Holzscheite noch etwas nass? Mal mit anderen austauschen… und auch anders stapeln. Vater und Sohn beraten sich, wie denn die beste Schichtung aussehen könnte. Dann wird das entflammte Zeitungspapier in das hölzerne Gestell gesteckt und gebannt beobachtet, ob das Feuer übergreift.

Drei Grazien auf Schnee - hier gibt es nichts Brennbares...

Drei Grazien auf Schnee – hier gibt es nichts Brennbares…

Das ist nicht der Fall. Die Holzstücke sind einfach zu groß. Ausser schwarzen Stellen wieder nix gewesen. Nun werden die Mütter gerufen, die mit Händen voller aufgesammelter Holzspäne herbeieilen. Sogar ein getrockneter Kuhfladen wurde gefunden und als Geheimrezept angepriesen. Nun denn, vielleicht hilft es etwas. Das Fleisch bekommt später sicherlich eine ganz besondere Note! Mit dem Schweizer Sackmesser werden den mächtigen Holzscheiten noch lange Späne abgerungen. Das hat leicht blutige Knöchel zur Folge, da das Messer doch etwas kurz ist und mit jedem Schnitt die Hand am Holz schuppert. So viel Einsatz muss doch belohnt werden. Die letzten Zeitungen werden in Brand gesteckt und – ein Zwischenruf gibt den Tipp – mit dem Sonnenhut Luft gefächelt. Das Feuer springt auf die Späne über und auch der Kuhfladen knistert beharrlich vor sich hin. Das sieht gut aus. Langsam werden auch die großen Holzscheite erreicht und nun wehren sie sich nicht mehr so vehement.

Mittlerweile ist über eine Stunde vergangen und es kommen Wanderer von der Seeumrundung wieder zurück. Manche schauen uns beim Vorbeigehen mitleidig an. Ich möchte ihnen hinterherrufen „schaut her, es brennt! Wir werden essen„. Doch just in diesem Moment verstummen die Flammen.

Krisensitzung. Die Frauen werden unruhig, wollen lieber nach Hause und dort die Steaks in der wohlbekannten, elektrisch beheizten Pfanne braten. Doch die Männer ringen noch einen letzten Versuch ab. Einzige Bedingung: nur noch Fachleute sollen ran. Was liegt also näher in der heutigen Zeit, als mal schnell über’s Internet einen Lagerfeuer-Grundkurs zu absolvieren. Mit diesem geballten Fachwissen dünken wir uns dazu in der Lage, das beste Lagerfeuer von ganz Melchsee-Frutt zu erzeugen.

Dies ist der letzte Versuch, Zeitungen gibt es keine mehr. Also heisst es massenhaft Holzspäne fabrizieren. Und lange Holzstäbe für ein Tipi – mit Öffnung zum Hineinblasen. Als alles gebastelt ist, ist es fast zu schön, um angezündet zu werden. Doch es hilft nichts: die Mägen knurren schon. Also wird nicht lange gefackelt und ein Holzstäbchen mit dem Feuerzeug entzündet (habe ich schon erwähnt, dass die Zündhölzer alle sind?). Das nun entfachte Feuer wird gehegt und gepflegt wie ein wehrloses Baby – denn es geht um die Ehre: Mann oder verweichlichter Großstädter? Und tatsächlich: es scheint, als ob nach einer Weile ein großer Holzscheit Feuer gefangen hat! Dies ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung: 1 n. Muff. (nach mufflonischem Feuer).

Die ersten Würste liegen auf dem Feuer!!!

Die ersten Würste liegen auf dem Feuer!!!

Die Frauen mögen es kaum glauben, als wir Männer die Alufolie verlangen. Die ersten Mini-Würstchen – als Versuch – werden draufgelegt und das Gebrutzel kann losgehen. Es gibt zwar noch keine Kohlen, aber egal. Eine Fast-Food-Kette ist schließlich mit Fleisch von der Flamme geküsst groß geworden… Nach insgesamt drei Stunden werden die ersten Bissen verteilt. Und… es schmeckt wunderbar! Das erste selber gegrillte Fleisch in wilder Natur. Flugs wird das restliche Fleisch nachgelegt, so dass niemand Hunger leiden muss. Letztendlich wurde jeder satt und wir konnten kugelrund wieder nach Hause gehen – ohne Mirácoli aus dem Küchenschrank geholt haben zu müssen.

Da ist die Wurst!!!

Da ist die Wurst!!!

Für das nächste Mal habe ich mir schon Grillanzünder gekauft. So ganz MacGyver-kompatibel bin ich eben doch nicht 😉

 

Du möchtest das Grillieren in Melchsee-Frutt gerne mit einer anspruchsvolleren Wanderung verbinden? Dann wäre vielleicht die Wanderung auf die Barglen (2669 m) was für Dich – eine genauere Beschreibung findest Du bei Sepp am Berg.