Im Jahre 2011 entschliessen wir uns das erste Mal, dem ganzen Weihnachtstrubel zu entfleuchen und die Feiertage in wärmeren Gefilden zu verbringen. Teneriffa soll es sein – die größte der kanarischen Inseln, die zwar zu Spanien gehört, räumlich aber westlich der afrikanischen Küste liegt.

In einer hübschen Finca haben wir uns niedergelassen. Gediegen mit Blick aufs Meer von der Terrasse aus, auf der jeden Morgen ein ausgiebiges Frühstück eingenommen wird. Doch auf Teneriffa kann man nicht nur herrlich chillaxen und die Seele baumeln lassen. Die wunderschöne und vor allem vielseitige Landschaft bietet sich für ausgiebige Wanderungen an. Neben eher gemütlichen Küstenwanderungen gibt es auch stattliche Gipfel. Sehr stattliche Gipfel sogar, denn auf Teneriffa erhebt sich der höchste Berg Spaniens – der Pico del Teide (3718m). Klar, dass wir uns diesen Berg auf die Wunschliste gesetzt haben.

Blöd ist nur, dass wir irgendwie verpennt haben, uns rechtzeitig um ein Permit für den Gipfel zu kümmern. Die letzten ca. 200 Höhenmeter ab der Seilbahn darf man nämlich nur mit offizieller Erlaubnis begehen. Und so sind alle Permits für die Tage unseres Aufenthalts bereits vergeben, als wir uns einen Platz reservieren wollen. Trotzdem wollen wir auf das Erlebnis nicht komplett verzichten und beschliessen, soweit aufzusteigen, wie es uns ohne Permit möglich ist. Wer nicht denselben Fehler machen will wie wir, sollte sich rechtzeitig – in der Hauptsaison Wochen/Monate vorher um eine Besteigungserlaubnis kümmern. Und zwar hier.

Aufstieg zum Pico del Teide

Aufstieg zum Pico del Teide

Wir brechen also früh am Morgen auf und parken das Mufflonomobil an der TF-20 bei Kilometer 40, wo ein Fahrweg Richtung Teide startet. Der Parkplatz ist eigentlich nicht zu verfehlen, denn i.d.R. parken schon andere Autos dort. Das erste Stück geht zum Warmwerden ganz gediegen auf breitem Weg gemächlich bergan. Das farbliche Bild der Landschaft ist braun-schwarz, denn der Teide ist ein Vulkan. Und er ist noch nicht ganz zur Ruhe gekommen – besonders im oberen Bereicht kommen ununterbrochen Schwefeldämpfe aus dem Untergrund hochgewabert.

Bald passieren wir die markanten Teide-Eier – riesisge Lavakugeln, die sich beim Herunterrollen vom Berg geformt haben. Man kommt sich vor wie in einer Mondlandschaft, fast könnte man meinen, es hat einen live nach World of Warcraft verschlagen.

Mufflons vor einem Teide-Ei

Mufflons vor einem Teide-Ei

Kurz darauf zweigt der Weg zum Refugio de Altavista ab. Jetzt ist es ein ‚richtiger‘ Wanderweg, der sich in steilen Kehren durch den Geröllhang nach oben windet. Wer die Aussicht vom Gipfel bei Sonnenaufgang bestaunen will, übernachtet in der Hütte und bricht früh morgens mit Stirnlampe zum Gipfel auf. Zu so früher Stunde wird auch noch kein Permit benötigt. Der Ranger schläft gerne aus. Allerdings muss man den Gipfelbereich bis 9 Uhr geräumt haben.

Refugio de Altavista

Refugio de Altavista

Nach der Hütte ist der Weg teilweise gepflastert. Es ist ein ziemlich ruppiges Kopfsteinpflaster. Wenn man hier morgens im Dunklen langtappt, muss man sicher acht geben, dass man sich nicht vertritt und die Haxen bricht. Aus einigen Erdlöcher kommen kleine gelbe Wölkchen mit Schwefelduft herausgepufft. Mmmmh – das riecht lecker..! Wie faulige Eier.

Der Gipfel fast zum Greifen nah...

Der Gipfel fast zum Greifen nah…

So weit oben ist es ganz schön frisch. Wie gut, dass wir warme Mützen dabei haben. Wir können sie jetzt gut gebrauchen. Schnee liegt allerdings auch im Gipfelbereich nicht. Im Wanderführer steht, dass man in den Wintermonaten manchmal auch Steigeisen und Pickel benötigt, um dicke Eisplatten zu überwinden. Das scheint in diesem Jahr nicht der Fall zu sein.

Wir erreichen die Bergstation der Teleférico, der Seilbahn auf 3555 Metern Höhe. Hier zweigt der Weg zum Gipfel ab, der bedauerlicherweise tatsächlich von einem Ranger bewacht wird. Laut Angaben im Internet könnte man sich wohl auch über einen Schleichweg nach oben schmuggeln, dazu sind wir aber zu wohlerzogen. Wir haben es schliesslich selbst verdaddelt, dass wir nicht auf legalem Weg den Gipfel stürmen können. Und so haben wir schon einen guten Grund mehr, diese wunderschöne Insel nochmals zu besuchen. Außerdem ist bereits die Seilbahnstation der höchste Punkt der Erde, den wir bis dato besucht haben. Einen neuen Höhenrekord haben wir also so oder so aufgestellt.

Chillaxen am Mirador Pico Viejo

Chillaxen am Mirador Pico Viejo

Wir wandern noch gemütlich zum Mirador Pico Viejo und bekucken uns Teneriffa von oben. Dann schweben wir mit der Seilbahn nach unten und spazieren an der Straße entlang zurück zum Parkplatz.