Nachdem ich die ersten Wanderjahre in ganz normalen Baumwoll-T-Shirts verbracht habe, kam irgendwann der Tag, an dem ich mich entschloss, mir mal ein ‚richtiges‘ Wandershirt anzuschaffen. Haben doch die Baumwollteile gerade auf einer längeren Hüttentour (geplant war eine 1-wöchige Allgäudurchquerung) gravierende Nachteile.

a) Sie nehmen viel Platz weg

b) Sie brauchen ewig zum Trocknen, was ein schnelles Durchwaschen am Abend unmöglich macht und es zum anderen unterwegs nicht gerade prickelnd ist, wenn man bei der wohlverdienten Pause nass herumsitzt

c) sie stinken schnell und der Geruch lässt sich eigentlich nur durch eine richtige Wäsche in der Maschine beseitigen. Man muss also viele Teile mitnehmen, was aufgrund von a) noch blöder ist.

Da der Merinowollhype damals noch nicht in Gang war bzw. ich mir die Preise des Eisbrechers als armer Student auch gar nicht hätte leisten können, entschied ich mich kurzerhand für ein Shirt von Odlo. Tina heisst das Modell.

Wer ist Tina?

Tina ist aus leichtem strukturiertem Strick in Piqueé-Optik, d.h. es wechseln sich erhöhte und vertiefte Stellen ab, was dem Feuchtigkeitstransport dienen soll. Das Shirt ist mega leicht, so dass ein Wechselshirt tragetechnisch praktisch nicht ins Gewicht fällt. Deshalb habe ich mir auch gleich zwei Stück zugelegt.

Da Tina ein Poloshirt ist, kann man über die Knopfleiste und den Kragen ggf. ein bisschen die Luftzufuhr regulieren. Ausserdem kann man den Kragen noch zum Sonnenschutz des Halses nutzen. Apropos Sonnenschutz – Tina hat einen UV-Schutz von 30, so dass man vor Sonnenbrand unterm Shirt keine Angst haben muss.

In den Stoff sind ausserdem Silberionen mit eingearbeitet, die den Geruch bekämpfen sollen. Trotzdem würde ich das Shirt nicht zwei intensive Wandertage hintereinander tragen, ohne es abends kurz durchzuwaschen. Wir wollen ja nicht, dass Murmeltiere oder Mitwanderer beim Schnüffeltest vor Schreck vom Berg fallen.

Tina bei ihrem ersten Schweizbesuch auf dem Weg zum Sidelhorn

Tina bei ihrem ersten Schweizbesuch auf dem Weg zum Sidelhorn – auch nach vielen Jahren im Einsatz noch bestens in Schuss

Und wie trägt sich die Tina?

Gleich die erste Tour, auf die Tina mitdarf, ist eine einwöchige Hüttentour durchs Allgäu. Wir haben August und befinden uns in einer Hitzeperiode mit über 30° C im Schatten. Natürlich nicht auf über 2000 Meter Höhe, aber auch dort ist es noch warm genug. Mir fällt sofort auf, dass sich das Shirt viiiiiiiel leichter trägt als meine ollen Baumwollteile. Die Luft staut sich nicht unter dem Shirt und jedes noch so kleine Lüftchen sorgt für eine gute Zirkulation. Atmungsaktivität: check!

Obwohl ich jetzt mehr Stoff am Körper habe als früher mit Spaghettiträgerteilen, fühle ich mich nun nicht mehr so überhitzt. Und sobald eine Pause angesagt ist, ist das nassgeschwitzte Shirt schon wieder getrocknet, bevor man auch nur einen Gedanken daran verschwenden kann, ein Wechselshirt anzuziehen. Die Wanderkameraden mit nassem Rücken beneiden mich, um meine trockenfreudige neue Begleiterin. Schnelltrocknend: check!

Nun schleppe ich ja auf der Einweihungswanderung einen fast 10-Kilo schweren Rucksack mit. Tina stört das nicht. Sie scheuert nicht und schränkt mich auch bei Kraxeleien nicht in der Bewegungsfreiheit ein. Tragekomfort: check!

Und wie sieht es aus mit dem versprochenen Sonnenschutz? Bei meinem nunmehr fast 10 Jahre alten Shirt habe ich das Gefühl, dass die exponierte Schulter auch unter dem Shirt hin und wieder etwas rot wird. Vielleicht wird der Stoff langsam dünn oder der Sonnenschutz hat sich rausgewaschen. Also schmiere ich die Sonnencreme jetzt mit bis zur Schulter. Die ganzen Jahre davor habe ich diese Beobachtung nicht gemacht und würde sagen, der Sonnenschutz hält, was er verspricht. Sonnenschutz: check!

Bleibt noch die Geruchsbildung. Hier muss ich sagen, dass Tina nach einer langen, anstrengenden Wanderung abends immer ziemlich stinkig ist. Einen zweiten Tag ohne Wäsche würde ich meiner Umwelt (und auch mir selbst) nicht antun wollen. Deshalb darf Tina abends immer ein kurzes Bad nehmen und wird dabei vor allem in der Unterarmregion kräftig einshamponiert. Rasch über Nacht getrocknet ist sie dann am nächsten Morgen wieder frisch für die nächsten Herausforderungen. Geruchshemmend: kein check! Der Ehrlichkeit halber muss ich aber dazu sagen, dass ich auch ein direkt am Körper getragenes Merinowollteil keinen zweiten Tag tragen kann. Offenbar ist mein Schweiss besonders aggressiv…

Tinas Lebenserwartung

Tina begleitet mich nun schon fast 10 Jahre auf sämtlichen Wanderunternehmungen, oft auch zum Joggen. Und bislang ist kein Ende in Sicht. Hier und da ist sie ein bisschen ausgeblichen. An der ein oder anderen Stelle mal im Gestrüpp hängen geblieben, aber auch das hat sie bis auf ein paar gezogene Fäden nicht übel genommen. Unendliche Male hat sie in der Waschmaschine ihre Runden gedreht. Sie ist also überaus robust und langlebig.

Ich habe mich mit Tina so gut angefreundet, dass ich mittlerweile nicht nur eine Tina, sondern gleich 4 Tinas mein eigen nenne. Man möchte ja ab und zu mal in einer anderen Farbe rumlaufen.

Bevor die männlichen Leser nun traurig die Schultern hängen lassen – das Shirt gibt es auch für euch. Es heisst dann Peter, hat aber dieselben Eigenschaften wie Tina.

Tina und Peter auf dem Dolomitenhöhenweg

Tina und Peter auf dem Dolomitenhöhenweg