Unsere bisher am westlichsten gelegene Alpentour führt uns Anfang Juni 2016 auf den Garten (2040 m) ins Berner Oberland. Langsam aber sicher pirschen wir uns an französisch-sprachige Regionen an. Wir wären eigentlich gerne aufs Kaiseregg gestiegen, aber transportlogistisch schien uns erst mal der benachbarte Garten günstiger gelegen. 

Ein Erdrutsch hält uns auf

Kurz vor der Ankunft in Boltigen gerät unsere Anfahrt abrupt ins Stocken. Aufgrund eines größeren Erdrutschs ist die Straße nach Boltigen voll gesperrt. Der Verkehr wird über einen Feldweg umgeleitet. Wie es Feldwege so an sich haben, können sie nur einspurig befahren werden. Das bedeutet: eine halbe Stunde Wartezeit. Dabei wären es doch nur noch 5 Kilometer gewesen! Naja, es gibt Schlimmeres und wir haben schließlich Zeit.

Ein Hütehund zeigt vollen Einsatz

Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung kann es losgehen mit unserer Wanderung. Das Mufflonomobil wird am Bahnhof Boltigen abgestellt und wir marschieren in Richtung Schwarzenmatt. Als wir an einem Gehöft vorbei kommen, sehen wir ein Warnschild, das auf Hütehunde hinweist, die auf die Schafe aufpassen. Und schon prescht ein kalbsgroßer Riesenhund auf uns zu. Zum Glück trennt uns ein Zaun von der Weide. Sonst wäre von uns nicht viel übrig geblieben, so wie der Kerl sich gebärdet. Er nimmt seine Aufgabe mehr als Ernst. Bellt aus Leibeskräften und springt wild hin und her. Doch plötzlich läuft er jaulend und fiepend davon. Was ist geschehen? Der gute Junge ist im Eifer des Gefechts mit der Schnauze an den Zaun gekommen. Zu seinem Pech handelt es sich um einen Powerzaun. Eben noch ein furchtloser Tiger, dem keiner zu Nahe kommen darf – im nächsten Moment ein kleines Schoßhündchen, das einem Häufchen Elend gleicht und kein bißchen furchterregend mehr ist. Jetzt tut er uns ein bißchen leid, auch wenn er uns eingangs fast zu Tode erschreckt hat. Hoffentlich lernt er aus dem Erlebnis und ist beim nächsten Passant ein bißchen weniger ungestüm.

Wir werden beobachtet...

Wir werden beobachtet…

BabyMufflons Selbstversuch: Auswirkungen eines Reistags auf die Kondition beim Wandern

Der Weg führt uns weiter auf breiter Schotterstraße und mit sehr moderater Steigung bis Chlus. Ab hier geht es dann richtig nuff Richtung Rieneschli. BabyMufflon fängt recht bald an zu schwächeln. Am Vortag hat es einen Reistag eingelegt, weil es festgestellt hat, dass es auf dem besten Weg ist, mal wieder ein kleines Fatty zu werden. Es stellt sich heraus, dass so ein Minidiättag energietechnisch nicht die beste Vorbereitung auf einen Aufstieg von mehr als 1200 Höhenmetern ist. Hätte man sich eigentlich denken können. Wir müssen mehr Trinkpausen als üblich machen und kurz vor dem Gipfel noch eine Vesperpause einlegen, weil BabyMufflon vor lauter Hunger schon schlecht ist. Der Weg auf den Garten führt großteils über grüne Blumenwiesen (daher auch der Name Garten) und ist meist gut zu finden. Sehr angenehm ist, dass man regelmäßig an Wasserstellen vorbeikommt, wo man Trinkwasser nachfüllen kann oder den Hut zur Kühlung nass machen kann.

 

Ein letztes Schneefeld

Ein letztes Schneefeld

Auf dem Gipfel angekommen wird traditionell erst mal gevespert. Brot, Landjäger und geschnippelte Paprika. Und als Nachtisch gibts Schoko-Bananen-Kekse. Satt und zu zufrieden studieren wir die sichtbaren Gipfel. EMJ (Eiger, Mönch und Jungfrau) zur Linken, rechter Hand der Mont Blanc und in der Mitte mit sehr viel Phantasie das Matterhorn. Zwar ist der Garten selbst ein unscheinbarer Grashuggel, aber er liegt inmitten einer bezaubernden Landschaft. Hier oben wäre sicher auch ein schöner Platz zum Biwakieren.

Aussicht vom Garten

Leider müssen wir schon bald aufbrechen. Der letzte Bus von unserem Ziel Jaun-Kappelboden fährt um 17:30 Uhr. Der Abstieg erfolgt immer am Oberbach entlang. Der Weg ist offensichtlich nicht viel begangen. Immer wieder verliert er sich im Nichts und wir müssen suchen, wo es weiter geht. Trotz dieser Wegfindungsschwierigkeiten erreichen wir den Bus locker. Wir können sogar noch an der Grotte Grabeweidli ein paar stille Minuten einlegen. Die Grotte wurde 1954 errichtet zum Dank, dass im Lawinenwinter niemand zu Schaden kam. Ein wunderschöner Platz, der Kraft und Ruhe ausstrahlt und an dem man auf keinen Fall achtlos vorbeigehen sollte.

Grotte