Er zählt zu unseren Wunschzielen, seit wir uns in der Schweiz angesiedelt haben: der Große Mythen (1898m). In unserer ersten Schweizsaison hat es nie geklappt, ihn unter die Sohlen zu nehmen. Doch dieses Jahr soll sich das ändern. Und so gehen wir gleich zu Saisonbeginn auf Angriff.

Der Große Mythen ist eines von PapaMufflons liebsten Fotomotiven unserer Region. Deshalb wurde er auch auserwählt, die Bergsilhouette im Alsnuff-Logo darzustellen. Von unten betrachtet mutet er für den gewöhnlichen Wanderer recht unnahbar an und es ist kaum vorstellbar, dass man ihn ohne Klettereinlagen besteigen kann. Die Besucherzahlen von jährlich 30.000 Gipfelstürmern deuten allerdings darauf hin, dass es mit den Anforderungen der Besteigung nicht allzu weit her sein kann. Wenngleich es in der Regel jedes Jahr teils sogar tödliche Unfälle auf dem Mythenweg gibt. Für BabyMufflon allemal ein Zeichen, für die Besteigung Vorsichtsmaßnahmen zu treffen – dazu zählt, dass wir die Wanderung nicht an einem Wochenende oder Feiertag machen. Außerdem nicht bei Regenwetter.

An einem Freitag direkt zu Saisonbeginn – die Hütte hat gerade erst geöffnet – ist der Tag gekommen. Die Wettervorhersage lautet bewölkt mit Tendenz zu ziemlich sonnig im Verlauf des Tages. Spontan entscheiden wir uns statt wie ursprünglich geplant von Schwyz vom Ibergeregg loszumarschieren. Das erspart einige Höhenmeter und ist doch nicht ganz so faul als wäre man direkt mit der Bahn aufs Holzegg gefahren.

Der Weg vom Ibergeregg ist genau richtig, um ein bisschen warm zu werden. In leichtem Auf und Ab zuckeln wir in Richtung Holzegg. Was uns (d.h. BabyMufflon) etwas bedenklich stimmt, ist, dass wir bereits hier auf Altschneefelder treffen. Wie soll das auf über 1800m aussehen? Auf der Seite des Gipfelrestaurants steht lediglich, dass Restaurant und Hüttenweg geöffnet sind. Vom Zustand des Weges war nicht die Rede. Da keine expliziten Warnungen ausgesprochen wurden, sind wir ganz optimistisch davon ausgegangen, dass außer den obligatorischen Bergwanderschuhen und Stöcken keine besondere Ausrüstung (Pickel, Grödel) vonnöten ist.

Holzegg - hier startet der eigentliche Gipfelanstieg

Holzegg – hier startet der eigentliche Gipfelanstieg

Beim Berghaus Holzegg geht dann der eigentliche Aufstieg los. Ein Stück vor uns sind zwei Männer unterwegs. Ansonsten ist die Gegend menschenleer. Der Weg ist großteils regelrecht in den Berg gehauen und gesprengt. Es geht als nuff, aber nicht übermässig steil. Eine Tendenz zu leichter Kletterei gibt es zu keiner Zeit. Praktisch alle Stellen sind so breit, dass bequem überholt werden bzw. Gegenverkehr passieren kann.

Mystischer Nebel am Mythen

Mystischer Nebel am Mythen

Neben dem Weg geht es freilich luftig nach unten. Da der Weg recht steinig ist, sollte man stets konzentriert auf den Weg achten und jeden Tritt kontrolliert setzen. Seilsicherungen gibt es in Hülle und Fülle. Sowohl bergseitig wie auch in Richtung Abgrund. Wahrscheinlich ist es der bestgesichertste Wanderweg, auf dem wir je unterwegs waren. Da wir kurz nach Hütteneröffnung unterwegs waren, waren viele Ketten noch nicht eingehängt, was aber selbst für BabyMufflon nicht weiter schlimm war.

Auf dem Grat kurz vor dem Gipfel

Auf dem Grat kurz vor dem Gipfel

Beim Aufstieg wittert BabyMufflon hinter jeder Kehre ein unüberwindbares, vereistes Schneefeld. Es stellt sich aber heraus, dass bis auf zwei kurze Stellen, die wir gut meistern, der Weg in den Sommermodus übergegangen ist. Von den Kehren gibt es übrigens 47 Stück. Allesamt sauber beschriftet, so dass der Wanderer immer genau weiß, wie weit er noch vom erfrischenden Bier bzw. vom Nuss- oder wahlweise Mandelgipfeli entfernt ist. Kurz vor dem Gipfel motiviert ein Schild mit Hinweis auf die legendären Mythengipfeli dazu, die letzten Kräfe zu mobilisieren. Mit leckeren Gipfeli lässt BabyMufflon sich immer locken. Flink wie ein Wiesel eilt es dem Gipfel entgegen.

Gipfelbeweisfoto Großer Mythen

Gipfelbeweisfoto Großer Mythen

Doch vor der kulinarischen Belohnung muss erst noch das Gipfelbeweisfoto geschossen werden. Die erhoffte Sonne lässt sich nicht blicken und so wird es ein Nebelfoto. Als nächstes stehen Mandelgifpeli mit Rivella auf dem Programm, die sogleich in der warmen Hütte verspeist werden. Eine Hand voll andere Wanderer sind ebenfalls dort und alle warten darauf, dass die Sonne herauskommt. Kurz sieht es tatsächlich so aus als kann sie sich durchsetzen – ein kleiner Fetzen blau blitzt hervor. PapaMufflon schnappt Rucksack und Fotoapparat und eilt nach draussen. BabyMufflon folgt ihm, nachdem es die übrigen Gipfelikrümel vom Tisch gesaugt und das wärmende Hemd übergezogen hat.

Mmmmh - lecker Mandelgipfeli

Mmmmh – lecker Mandelgipfeli

Die blaue Stelle ist leider nur von kurzer Dauer. Die Sonne hat es am Ende nicht geschafft, sich während unseres Aufenthalts durchzukämpfen. Ursprünglich hatten wir geplant, oben auszuharren, bis die Sicht frei wird. Nach einer Weile ist es uns dann aber doch zu frisch und wir beschliessen, den Rückzug nach unten anzutreten. Auf demselben Weg geht es zurück zum Ibergeregg. Es begegnen uns noch ein paar Wanderer, die in Richtung Mythen unterwegs sind. Insgesamt ist es für Mythenverhältnisse aber ein wenig frequentierter Tag. Wahrscheinlich die Ruhe vor dem Sturm, denn für den morgigen Samstag ist Sonne satt den ganzen Tag vorhergesagt.

Gipfelgasthaus Großer Mythen

Gipfelgasthaus Großer Mythen

Es hat sich gezeigt, dass unsere Strategie in Sachen ‚Menschenmassen vermeiden‘ aufgegangen ist. Wer es einrichten kann, sollte also lieber an einem Wochentag zum Großen Mythen aufbrechen. Zusätzlich beigetragen hat sich auch, dass wir uns noch ganz zu Saisonbeginn befinden und sich noch nicht rumgesprochen hat, dass die Hütte geöffnet ist. In Sachen Aussicht mussten wir freilich Abstriche machen, weil sich die Vorhersage als ziemlich sonnig an diesem Tag nicht auf den Mythengipfel bezogen hat. Macht aber nix. Auf dem nächsten Gipfel haben wir bestimmt wieder Aussicht.