Der höchste Berg Deutschlands. Durch die Höllentalklamm, über den Höllentalferner auf den Höllental-Klettersteig zum Gipfel. Das war ein schweißtreibendes Wochenende:

BabyMufflon mag keine Klettersteige, deswegen wurde es durch zwei Freunde ersetzt. Und zusammen laufen wir dann auch gleich in Richtung Höllentalklamm vom Parkplatz in Hammersbach aus los. Und kaum unterwegs, stehen wir auch schon an der Warteschlange des Kassenhäuschens zur Höllentalklamm – jaahaaa, nicht überall gibt es Natur für lau! Vor uns steht eine Delegation eines Outdoorherstellers samt Reporter-Entourage und jeder pflichtet uns bei, dass diese Tour eine ganz besonders schöne ist. Die müssen’s ja wissen.

Bei der Klamm haben sie auf jeden Fall recht behalten: die steilen Wände ragen links und rechts weit in die Höhe, der schmale Weg muss mehrmals als Tunnel in den Fels ausweichen und überall tropft es von den Wassermassen, die sich über die Jahrhunderte immer mehr Platz gemacht haben. Wie gewaltig muss das erst im Frühling sein, wenn die Schneeschmelze Unmengen von Extrawasser zu Tal befördert.

Höllentalklamm

Nachdem wir fertig sinniert haben, machen wir die letzten Schritte aus der Klamm und begeben uns schnurstracks zur Höllentalangerhütte. Wir gehören zu den Letzten, die noch in der alten Hütte logieren dürfen. Im Jahr drauf wurde sie abgerissen und ein neues Schmuckstück hingezaubert. Die Abendstunden verbringen wir mit Bier und einem deftigen Abendmenu – genug, um reichlich Energie für den morgigen Tag zu tanken.

Wegweiser Höllentalangerhütte

Wegweiser Höllentalangerhütte

Maul halten!

Maul halten!

Sieht zwar gut aus, riecht aber unerträglich...

Sieht zwar gut aus, riecht aber unerträglich…

Nach einer Massenlager-typisch kurzen Nacht beginnt die allgemeine Bestriebsamkeit gegen 4:30 Uhr o.O. Um 5 Uhr ist Abmarsch mit professionell wirkenden Stirnlampen. Denn: es ist ratsam früh loszugehen, da es später auf dem Klettersteig zu richtigen Staus kommen kann! Die ersten paar Meter in der Dunkelheit sind dabei überhaupt kein Problem, da es auf normalen Wanderwegen voran geht. Nach dem Sonnenaufgang (aus dem Tal bei der Hütte leider nicht sooo schön…) erblicken wir auch schon die erste Schwierigkeit: das Brett.

Flugs das Klettersteigset angelegt und die circa 30 in den fast senkrechten Fels hineingehauenen Stahlstufen als nuff. Auch bekannt als die Leiter. Kurz danach kommt das sagenumwobene Brett. Ich habe mir ja im Vorfeld schon Gedanken gemacht, denn ständig wird auf dessen Schwierigkeit hingewiesen. Zuletzt beim Abholen der Steigeisen vom DAV. Doch jetzt bei näherer Betrachtung ist das Brett gehörig in Schieflage geraten. Die Wand ist hier mitnichten senkrecht, wie man es auf manchen Bildern meinen mag – das ist einfach nur „gut“ fotografiert. Das Queren der mit Eisenstiften gesicherten Schräge ist also kein großes Problem, wenn man dank des eingehakten Klettersteigsets sich in Sicherheit wiegen kann.

Die Leiter

Die Leiter

Das Brett

Das Brett

Nun hört die Kletterei erst mal wieder auf und wir laufen über Felsen, Gras und Geröll hoch zum Ferner. Dieser hat bis jetzt im August schon mächtig Federn lassen müssen. So können wir doch recht viele Meter den unvereisten Geröllhang aufsteigen, ehe es Zeit wird, die Steigeisen herauszuholen. Da wir das erste Mal mit Steigeisen unterwegs sind, hätten wir zu Hause ruhig vorher etwas üben können. Denn im kalten Schatten die Steigeisen richtig einzustellen ist doch etwas mühsam. Aber auch das klappt irgendwann und bald schon überspringen wir die ein oder andere Mini-Gletscherspalte.

Der Ferner im Hochsommer

Der Ferner im Hochsommer

Höllentalferner mit Spalten

Höllentalferner mit Spalten

Gletschspalten-Hüpfen

Gletschspalten-Hüpfen

Das nimmt ein jähes Ende, als wir die zweite sagenumwobene Stelle erreichen: die Randkluft. Der eigentliche Einstieg zum Klettersteig ist etwa 15 Meter weiter rechts und, was mehr ins Gewicht fällt, 10 Meter weiter oben. Keine Chance, hier im Hochsommer an die Eisenstifte zu gelangen. Deswegen wurde ein zweiter Einstieg gebaut. Eben den mit der Kluft. Jetzt im August klafft dieser nicht unerhebliche Spalt zwischen Ferner und Fels auf, und der will überwunden werden. Das ist nicht ganz einfach: einerseits will man auf dem rutschigen Gletscher mit den Steigeisen sicher stehen, andererseits möchte man bei der nachfolgenden II-Kletterstelle jeglichen Schuhgrip bekommen, den man haben kann.
Also: nacheinander auf einer kleinen planen Fläche die Steigeisen ausziehen, in den Rucksack verstauen und dabei hoffen, dass man nicht ins Rutschen gerät. Sonst geht man zurück auf Los: 30 Meter den Gletscherhang hinunter, das wohl schon so manch einer ausprobieren konnte. Danach heisst es zwei Meter ungesichert klettern, bevor man sich endlich wieder ins Seil einklinken darf. Schwieriger wird’s aber nimmer.

Frühsommeraufstieg und Hochsommer-Randkluft

Frühsommeraufstieg und Hochsommer-Randkluft

Randkluft an der Zugspitze

Randkluft an der Zugspitze

Kletterei im II Grad

Kletterei im II Grad

Wenn ich die Tour noch einmal machen würde, würde ich bereits im Juli gehen. Da ist die Randkluft noch nicht so ausgeapert und so schwer wird der Klettersteig nicht, als dass ein paar Schneereste eine Schwierigkeit darstellen würden.

Nachdem also diese berechtigterweise sagenumwobene Stelle geschafft ist, geniessen wir den C-Klettersteig: ein paar Eisenstifte hier, ein paar Felsbänder dort und vor allem viele grandiose Blicke zurück ins Tal und auch bald auf den azurblauen Eibsee. Kaum zu glauben, wie schnell 1500 Höhenmeter um sein können. Denn nach dem letzten zwar Stahlseil-versicherten, doch Klettersteig-losen Stück stehen wir auch schon auf dem Gipfel der Zugspitze – inmitten von Touristenmassen mit Turnschüchen, die sich die 10 Meter bis zum Gipfel mit kleiner Kraxelei zugetraut haben. Oben angekommen trinken wir erst mal das höchste Bier Deutschlands und machen uns nach einer ausgiebigen Pause wieder an den Abstieg – diesmal in Richtung Sonnalpin.

Das Ziel ist nahe!

Das Ziel ist nahe!

Gipfel Zugspitze

Gipfel Zugspitze

Der Touripfad

Der Touripfad

Hier gibt es Bier!

Hier gibt es Bier!

Dieser Weg ist wesentlich stärker frequentiert, so dass wir im geröllhaltigen Ambiente nur langsam vorankommen. Aber macht ja nix, wir haben ja Zeit. Irgendwann kommen wir schließlich an und können uns in die bereitstehende Zugspitzbahn setzen, die uns wohlbehalten wieder zurück zum Eibsee kutschiert. Den darauffolgenden Spaziergang zurück zum Parkplatz können wir nutzen, um unser Abenteuer zu reflektieren: die Höllentalklamm, das nicht mehr sagenumwobene Brett, der Höllentalferner, die immernoch sagenumwobene Randkluft und der Gipfel der Zugspitze. Es war ein spannendes und wunderschönes Wochenende – wie die Reporter vorausgesagt hatten.

 

Noch mehr Berichte über die Besteigung der Zugspitze übers Höllental gefälig? Die findest Du auf folgenden Seiten:

 

Auf der Seite zugspitze360.com ist es sogar möglich, die Wanderung ala Google Street View vorher abzugehen. So kann man sich ein besseres Bild über gewisse Schlüsselstellen wie z.B. das sagenumwobene Brett machen! Wir finden, das ist eine super Idee – Es lohnt sich, dort mal reinzuschauen!

Du suchst weitere Informationen zur Zugspitze? Alles zu den verschiedenen Optionen zur Besteigung von Deutschlands höchstem Berg findest Du unter: http://www.auf-die-zugspitze-wandern.info/