Der Winter krallt sich im April 2016 beharrlich fest und hat die Höhen jenseits von 1500 Metern noch fest im Griff. Wir haben keine Lust mehr auf Mütze, Handschuhe und Schneeschuhstapfen. Jetzt ist Zeit für Frühling, Blumen, Vogelgezwitscher – den Zauber des Neuerwachens der Natur.

Schäfchen grasen am Bachtel

Schäfchen grasen am Bachtel

Also suchen wir uns tiefergelegene Ziele. Heute ist die Wahl auf den Bachtel im Zürcher Oberland gefallen. Die Wanderung ist einfach und hält zwei Highlights bereit, die sie zu einer lohnenswerten Unternehmung werden lassen – die Täuferhöhle und den Bachtelspalt.

Wald am Bachtel

Wald am Bachtel

Los geht es am Bahnhof Fischenthal, wo wir unser Mufflonomobil abstellen. Etwa zwei Stunden wandern wir über Ferenwaltsberg und Frauenbrünneli durch Feld und Wald bis wir zum Abzweig zur Täuferhöhle kommen. Etwas übermotiviert erwischen wir statt dem offiziellen Weg eine steile Rinne nach unten, die voller nasser, rutschiger Blätter ist. Der aufgeweichte Boden tut sein übrig dazu, das ganze in eine Rutschbahn zu verwandeln. Wir wundern uns, dass der Weg auf einmal in so schlechtem Zustand ist. Erst eine Weile später sehen wir, dass links neben uns eine 1A-Treppe nach unten führt… Wir krabbeln also zurück auf den rechten Weg und erreichen bald die Täuferhöhle.

Täuferhöhle

Täuferhöhle

Im 16. Jahrhundert fanden an diesem Ort einige Wiedertäufer Unterschlupf. Die Höhle ist mehr breit als hoch (wenn man nicht gerade über zwei Meter groß ist, kann man aber locker stehen, ohne sich Beulen am Kopf zu holen) und führt etwa 10 Meter tief in den Berg hinein.

Täuferhöhle

Täuferhöhle

Ein paar Sitzbänke laden zur Vesperpause ein. Vor dem Höhleneingang plätschert ein kleines Wasserfällchen vor sich hin.

Täuferhöhle mit Wasserfall

Täuferhöhle mit Wasserfall

Nachdem wir die Höhlenbesichtigung beendet haben, geht es über viele, viele Stufen als nuff zum Gipfel des Bachtel.

Jede Menge Stufen am Bachtel

Jede Menge Stufen am Bachtel

Und weil das Stufen steigen so viel Spaß macht – wir können gar nicht genug davon kriegen – erklimmen wir dort noch den Aussichtsturm. Metallene Tafeln zeigen an, welche Gipfel man in allen vier Himmelsrichtungen von hier aus sehen kann. Für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ihrem Dasein durch einen Sprung in die Tiefe ein Ende zu setzen, hängt eine Nummer der Telefonseelsorge aus.

Ausblick vom Bachtelturm

Ausblick vom Bachtelturm

Als uns die Luft zu dünn wird, steigen wir wieder hinab und setzen uns auf eine gemütliche Bank zum Vespern. Frisch gestärkt wartet nach kurzem Fußmarsch die nächste Attraktion der Wanderung auf uns: der Bachtelspalt. Das ist eine ca. 50 Meter lange, 8 Meter hohe Spalte im Nagelfluhgestein. Am Eingang heißt es ‚Bauch einziehen, Luft anhalten‘, nur dann kommt man seitlich gerade so durch – vorausgesetzt man ist nicht zu korpulent gebaut. Eine Art Schlankheitstest also. Wer ihn besteht, kann die mystische Stimmung zwischen den teils bemoosten Wänden bestaunen.

Einstieg in den Bachtelspalt - Bauch einziehen!

Einstieg in den Bachtelspalt – Bauch einziehen!

Im Bachtelspalt

Im Bachtelspalt

Entstanden ist der Spalt übrigens bei einem starken Gewitter im Jahre 1939. Es muss ein gewaltiger Blitz gewesen sein, der damals niedergefahren ist.

Im Bachtelspalt

Im Bachtelspalt

Nachdem wir uns durch den engen Spalt zurück ans Tageslicht gezwängt haben, bummeln wir durch viel Wald nach Wald und nehmen den Zug zurück nach Fischenthal.