BabyMufflon ist seit vier Jahren auf den meisten Bergwanderungen mit dem Damenmodell der Lowa Tibet GTX unterwegs.

Meine alten Lowa Lady GTX waren damals ausgelatscht und wurden deshalb schweren Herzens nach der Besteigung des Tafelbergs in Kapstadt zurückgelassen. Mit den Lowa Lady GTX war ich recht zufrieden gewesen, wollte aber als Nachfolgermodell einen noch etwas stabileren Schuh haben und bin so auf den Lowa Tibet gestoßen. Der Tibet ist einer der Klassiker von Lowa und seit vielen Jahren auf dem Markt etabliert.

Ich hatte auch noch Modelle von Scarpa und LaSportiva in Betracht gezogen, aber meine Füße waren bei der Anprobe am besten mit dem Lowa kompatibel. So bin ich der Marke treu geblieben.

Im Vergleich zu anderen Wanderschuhen (Lowa Lady und Lowa Cevedale) ist der Tibet ziemlich globig. Obwohl ich Cevedale und Tibet in derselben Größe habe, kommen mir die Tibet unterwegs wesentlich größer vor. Ein bißchen wie Yetifüße. Das war am Anfang gewöhnungsbedürftig. Dadurch ist der Schuh auch recht schwer, was sich bei einer zarten Gestalt wie mir durchaus bemerkbar macht.

Den Tibet gibt es in Leder und GoreTex-Version. Da ich mich kenne und weiß, dass ich meine Schuhe nicht ständig einschmiere, habe ich mich für die GoreTex-Version entschieden. Diese sind tatsächlich sehr pflegeleicht. Ich muss zugeben, dass ich sie wirklich nur ganz sporadisch mit Imprägnierspray einsprühe und trotzdem noch keine nassen Füße bekommen habe.

Lowa Tibet GTX

Bewährt hat sich auch der überdimensional hohe Gummischutzrand, der um den ganzen Schuh herum verläuft. Er sorgt dafür, dass das Leder nicht immer gleich eine Macke bekommt, wenn man beim Laufen an den ein oder anderen Stein rammelt.

Was mir bei den Tibet im Praxistest sofort aufgefallen ist, ist die ausgesprochen gute Griffigkeit der Sohle. Der Halt auf dem Untergrund ist signifikant besser als bei den Schuhen, die ich früher getragen habe. Wenn man auch bei steilen und gerölligen Stellen auf die Haftung der Sohle vertrauen kann, hat man definitiv mehr Spaß unterwegs. Bei gewissen Bedingungen wie nassem Holz, speckigem Fels oder auf Eis rutscht man allerdings auch mit diesem Schuh. Geckosaugnäpfe für Wanderschuhe wurden eben leider noch nicht erfunden…

Lowa Tibet GTX

Leichte Klettereien sind auch kein Problem. Für Klettersteige ist der Schuh sicher auch geeignet, das habe ich allerdings selbst nicht ausprobiert, da ich kein Klettersteigfreund bin.

Wie die meisten Modelle von Lowa (bei anderen Herstellern wird es ähnlich sein) kann man den Tibet neu besohlen lassen, wenn die Sohle runtergelaufen ist. Das spart gegenüber einer Neuanschaffung einiges an Geld und man bekommt quasi fast wieder einen neuen Schuh, der zudem schon eingetragen ist. Corinna von outdoormädchen.de hat einen tollen Bericht darüber geschrieben, wie das mit der Neubesohlung genau funktioniert und was die Schuhe bei Lowa dabei alles erleben! Wer das Ganze lieber in bewegten Bildern anschauen möchte, dem sei das Youtube-Filmchen von Lowa empfohlen

Für den Winter gibt es den Tibet auch als ‚Superwarm‘-Modell. Wer keine ganz verfrorenen Füße hat, benötigt für normale Winter- und Schneeschuhwanderungen aber kein separates Winterpaar. Wir sind diesen Winter bei weniger als -10°C stundenlang durch den Tiefschnee im Kleinwalsertal gestapft und meine Füße waren die ganze Zeit über wohltemperiert. Die Schuhe sind, wenn man keine extremen Wintertouren macht, sehr gut ganzjahrestauglich. Auch für Schneeschuhwanderungen sind sie bestens geeignet. Mit Schneeschuhen muss ich aber darauf achten, die Schuhe nur ganz locker zu schnüren, sonst gibt es Druckstellen an den Knöcheln.

Der Tibet trägt sich im Gelände auch auf längeren Touren sehr komfortabel. Wobei generell nach ca. 6 Stunden meine Füße anfangen zu schmerzen. Das war allerdings bislang bei allen Schuhen so und ist vermutlich normal.

Es gibt zwei Anwendungsfälle, bei denen ich auf andere Schuhe zurückgreife:

  • Bei Rucksacktouren mit weiten Strecken auf Asphalt hat sich der Tibet nicht bewährt. Als wir am Bodensee entlang von Konstanz nach Bregenz gewandert sind, waren meine Fußsohlen mehr oder weniger eine einzige Blase. Für solche Sachen braucht man einen besser gedämpften Schuh.
  • Da der Tibet nicht steigeisenfest ist (bzw. nur für Korbsteigeisen), greife ich bei Hochtouren auf den Lowa Cevedale zurück. Der ist mehr aufs Hochgebirge ausgelegt als der Tibet, während der Tibet sich besser für Hüttentouren eignet.

Fazit: mit dem Lowa Tibet kann man im Gebirge nichts falsch machen. Er hat sehr guten Grip, ist robust und pflegeleicht. Wenn ich jetzt einen neuen Schuh kaufen müsste, würde ich aber schauen, ob es  nicht ein ähnliches Modell gibt, das etwas leichter ist.

 

Dich interessiert, wie ein Wanderschuh im Hause Lowa entsteht? Ulligunde hat die Produktion in Jetzendorf besucht und eine sehr lesenswerte kleine Reportage dazu geschrieben.