Eine der schönsten Etappen des Höhenwegs erwartet uns heute. Seen, Täler und gewaltige Felswände – sogar ein Gipfelchen steht auf dem Programm. Also alles, was das Wanderherz begehrt.

Die ersten paar Meter geht’s an der Straße entlang. Dann biegt man auf den Wanderweg zur Forcella d’Alleghe ein. Die Scharte erreichen wir ohne große Anstrengung – es geht nämlich ohne Steigung geradeaus – nach etwa einer Stunde.

Als nuff zur Forcella Coldai

Als nuff zur Forcella Coldai

Der weitere Weg bis zum Rifugio Sonino al Coldai und zum Lago Coldai ist bei den Einheimischen äußerst beliebt. Wir wussten gar nicht, dass die Italiener so ein wanderfreudiges Volk sind. Die ganze Familie zieht los – Mama, Papa und die Kinder. Oma, Opa und der Hund. Alle sind dabei. Mit großen Picknicktaschen sind sie unterwegs, um einen schönen Tag im Gebirge zu verbringen. Es wird sich lautstark unterhalten und viel gelacht.

Rifugio Sonino al Coldai

Rifugio Sonino al Coldai

Beim Rifugio Sonino al Coldai gönnen wir uns ein Erfrischungsgetränk. Heute scheint die Sonne aus allen Löchern und es ist entsprechend warm. Das macht durstig. Lange halten wir uns nicht auf, denn es steht ja gleich noch chillaxen am Lago Coldai auf dem Plan. Ein kurzer, aber ziemlich steiler Aufstieg zur Forcellla Coldai muss auf dem Weg dahin noch überwunden werden.

Indianer!!!! Angriff von der Focella Coldai...

Indianer!!!! Angriff von der Focella Coldai…Winnetou lässt grüßen

Dann liegt er vor uns – der Lago Coldai. Die Bilder im Internet haben nicht zu viel versprochen. Unter den Wänden der Civetta liegt er da in strahlendem blau. Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen und machen es uns bequem. Wir vespern und genießen die Kulisse. Eine Stunde, zwei Stunden, drei…nein – wie wissen nicht mehr, wie lange wir genau am See rumgelegen sind. Auf jeden Fall ist uns der Aufbruch schwer gefallen.

Lago Coldai

Lago Coldai

Dabei hat der Weiterweg einiges zu bieten – er führt entlang an der Megawand der Civetta. Es gibt ab der Forcella di Col Negro(2203m), die kurz nach dem See ist, zwei Wegalternativen – ein Pfad führt durch die Schutthalden der Civetta dicht unterhalb vom Fels. Allerdings steht da auch ein Schild rum, das auf Steinschlag verweist und rät, den offiziellen Weg (= Wegalternative 2) zu nehmen. PapaMufflon will – wie immer – gerne Abenteuer haben und möchte den Pfad nehmen. BabyMufflon plädiert für den offiziellen Weg. Auf dem kann man zwischen Blümchen umherbummeln. Ist doch viel gemütlicher. Theoretisch hätten wir uns auch einfach trennen und am Rifugio Tissi wieder treffen können. Aber nicht nur unser Eheversprechen, sondern auch eine unserer goldenen Wanderregeln besagen: ‚Wir bleiben immer zusammen und trennen uns niemals‘. Unser (Stand April 2016 noch nicht veröffentlichter) Bericht über die Besteigung des Steinebergs in der Nagelfluhkette wird erklären, warum wir diese Regel aufgestellt haben. Wir schaffen es tatsächlich, uns auch bei einem fest vereinbarten Treffpunkt zu verfehlen…

Links Civetta, rechts Col Rean mit Rifugio Tissi

Links Civetta, rechts Col Rean mit Rifugio Tissi

Durchgesetzt hat sich am Ende BabyMufflon mit seinem Blümchenweg. Ob es – wie immer – die durchschlagenderen Argumente hatte oder PapaMufflon – auch wie immer – als Klügerer nachgegeben hat – man weiß es nicht.

Blümlein am Wegesrand

Blümlein am Wegesrand

Auf jeden Fall steuern wir zielstrebig aufs Rifugio Tissi zu, das kühn nah am Gipfel des Col Rean (2281m) trohnt. Das Rifugio lassen wir links liegen und stürmen gleich das Gipfelkreuz. Vorsicht – hinterm Kreuz geht es ein paar hundert Meter in die Tiefe – also rechtzeitig abbremsen und nicht zu nah an die Kante treten! Am besten man nimmt auf der Wiese Platz während man die Nordwestwand der Civetta bewundert, dann kann man nicht aus Versehen vor lauter Faszination rückwärts in den Abgrund taumeln.

Gipfel Col Rean

Gipfel Col Rean

BabyMufflon inspiziert den Abgrund am Col Rean

BabyMufflon inspiziert den Abgrund am Col Rean

Die Civetta ist so riesengroß, dass es PapaMufflon nicht gelingt, ein gescheites Foto zu schießen, auf der die Wand voll zur Geltung kommt. Die beste Empfehlung, die wir an dieser Stelle machen können ist deshalb -> wandert den Dolomiten Höhenweg Nr.1 selbst. Dann könnt ihr euch live von der Pracht der Civetta überzeugen.

Bis zu unserem Quartier, dem Rifugio Vazzoler, benötigen wir noch ungefähr eineinhalb Stunden. Über die richtige Aussprache des Domizils streiten wir uns bis heute. Für BabyMufflon ist es das Rifugio Vazzoooler, PapaMufflon besteht auf Rifugio Vazzoleeeeer. Da PapaMufflon unser familieninternes Sprachgenie ist, hat er wohl möglicherweise recht. BabyMufflon bleibt trotzdem bei Vazzooooooler. Wie auch immer die Hütte richtig heißt – auf jeden Fall gibt es am Abend ausgesprochen leckere Pasta. Ein würdiges Ende für einen wundervollen Tag!