Die Sonne legt heute mal eine Pause ein. Bewölkt und teils im Nebel führt uns der Weg über den Nuvolau zu den Cinque Torri.

Wir hätten die Möglichkeit den Tag mit einem richtigen Abenteuer beginnen. Vom Lagazuoi zum Falzaregopass kann man durch Felstunnel aus der Kriegszeit absteigen. Mit Helm und Stirnlampe tastet man sich durch den glitschigen Fels hinab und kann sich dabei kriegshistorisch weiterbilden. Doch BabyMufflon ist nicht nach Abenteuer zu Mute. Nasser Fels am Morgen – das klingt nach Kummer und Sorgen. Und so wählen wir – Schande über uns! – den Abstieg mittels Seilbahn.

Talstation der Seilbahn zum Lagazuoi

Talstation der Seilbahn zum Lagazuoi

Vom Falzaregopass aus gehts dann wieder zu Fuß weiter. Der Weg verläuft unspektakulär und bei dem Wetter weitgehend ohne Aussicht. Spannend wird es beim Aufstieg zur Forcella Gallina. Es erwartet uns ein bißchen Kraxelei. Selbst bei dem heute feuchten Untergrund ist die Stelle nicht schwierig. Nach wenigen Minuten ist auch dies bewältigt und es geht immer dicht an der Felswand entlang zum Rifugio Averau.

Eine Hütte! Wie schön! Da es etwas kühl ist, nutzen wir das verlockende Angebot und kehren erst mal ein. Es gibt eine schöne heiße Schokolade. Mmmmh! Mit neuem Tatendrang geht es danach weiter auf den Nuvolau. Mit Hütten wird in den Dolomiten nicht gespart – kaum aus dem Rifugio Averau draussen, steht hier schon das nächste Schutzhaus, das Rifugio Nuvolau. Wir widerstehen der erneuten Versuchung und verbringen die Gipfelpause im Freien. Vor der Hütte steht eine Art Kunstskulptur, die sich vor der bergigen Kulisse ganz gut macht. Die Wolken, die durch die Gegend ziehen tun ihr übriges zu einer mystischen Stimmung.

Skulptur beim Rifugio Nuvolau

Skulptur beim Rifugio Nuvolau

Als es uns zu frisch wird, nehmen wir den Abstieg in Angriff. Noch etwa eine Stunde ist es bis zu unserem Tagesziel, dem Rifugio Scoiatolli – zu deutsch: Eichhörnchen. Diesmal gibt es kein Zweierzimmer für uns, sondern einen Platz im Lager. Wir sind die ersten und suchen uns die besten Plätze aus.

Bis zum Abendessen sind noch ein paar Stunden hin. Deshalb machen wir uns noch auf den Weg ins nahe gelegene Freilichtmuseum. Im Ersten Weltkrieg war hier ein Kommandositz der italienischen Artellerie. Einige Stellungen wurden für die Nachwelt wiederhergestellt und sind mit zahlreichen Schautafeln (auch auf deutsch) versehen. Das alles gibt einen wirklich guten Einblick in die Geschichte. Das kann man sich ruhig mal ansehen auch wenn man sonst nicht so der Historikfreak ist. Der Eintritt ist übrigens frei.

Freilichtmuseum Cinque Torri - nachgestellter Kriegsschauplatz

Freilichtmuseum Cinque Torri – nachgestellter Kriegsschauplatz

Nachdem wir uns genug historisch weitergebildet haben, beobachten wir noch ein bisschen die zahlreichen Kletterer, die den Cinque Torri aufs Dach steigen.

Und dann ist es endlich Zeit fürs Abendessen. Nch so viel frischer Luft samt Bewegung sind wir ziemlich hungrig.Die Hütte ist eher geführt wie ein Restaurant und so bekommt jeder seinen eigenen Tisch. Das Essen schmeckt hervorragend, so viel wissen wir noch. Was es im Details gab, daran können wir uns nicht mehr erinnern. Die Wanderung ist ja schon ein paar Jahre her.

Als wir schließlich wieder das Lager entern sind wir erstaunt – wir sind noch immer die einzigen. Folglich haben wir ein 10-Personen-Lager ganz für uns alleine. Es scheinen nicht so viele Leute unterwegs zu sein wie gedacht. Oder die Masse verteilt sich gut bei der großen Anzahl von Hütten in der Gegend. Man weiß es nicht. Was uns angeht, so schlummern wir friedlich ein und träumen von den nächsten Abenteuern. Denn schon morgen geht es weiter auf dem Dolomiten Höhenweg Nr. 1.