Tag zwei des Alta Via delle Dolomiti n. 1 führt uns weiter durch den Naturpark Fanes Sennes Prags. Entspannt und bei bestem Wetter wollen wir es uns in dieser wundervollen Landschaft gut gehen lassen. Doch unterwegs werden wir unplanmäßig aufgehalten.

Wir schlafen aus, frühstücken gut und verlassen die Senneshütte am Morgen nicht allzu früh. Die heutige Etappe ist kurz. Somit haben wir jede Menge Zeit und können gemütlich bummeln. Ganz ungewohnt geht es heute zuerst ein paar Stunden runter und erst später wieder rauf.

Kurz nach der Senneshütte bei einer Bank vor einem Kruzifix treffen wir den Almöhi persönlich. Der ältere Herr mit weißem Rauschebart sitzt dort und schaut in die Berge. Wir wechseln ein paar Worte und sind uns einig, dass der Herrgott an diesem Plätzle ganz besonders gute Arbeit geleistet hat.

Fodara Vedla - idyllisches Almdorf

Fodara Vedla – idyllisches Almdorf

Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Almdorf Fodara Vedla. In einer grünen Mulde steht hier die Hütte Fodara Vedla, in der man auch hätte übernachten können. Sogar ganz nobel mit Balkon und eigener Dusche. Für eine Pause ist es bedauerlicherweise noch zu früh. Also kehren wir nicht ein und wandern direkt weiter. Ein Radler werden wir uns später gönnen.

Kleines Kapellchen bei Fodara Vedla

Kleines Kapellchen bei Fodara Vedla

Wenige Minuten später treffen wir auf Wegelagerer. Zwei Kühe versperren den Weg und strecken uns ihre dicken Hinterteile entgegen. Wir wissen nicht so recht, wie wir die zwei Damen am besten passieren sollen. Können Kühe ausschlagen wie Pferde? Man liest ja auch immer mal von Kuhangriffen… ganz so harmlos wie sie aussehen, sind diese Tiere offensichtlich nicht immer. Wir sagen also erst mal nett ‚Hallo‘ und versuchen es mit gutem Zureden. Das interessiert die zwei Guten allerdings wenig. Sie rühren sich nicht von der Stelle. Eine Weile stehen auch wir unschlüssig herum. Schlussendlich schleichen wir uns durchs Gras an den Ladies vorbei. Wieder eine Herausforderung erfolgreich gemeistert.

Zwei Wegelagerer bei Fodara Vedla

Zwei Wegelagerer bei Fodara Vedla

Es geht nun steil bergab bis hinunter ins Rautal. Der Weg zieht sich ein bißchen. Zum Rollenlassen ist es zu steil. Man ist die ganze Zeit am bremsen und das danken einem mit der Zeit die Oberschenkel und Knie. Die Aussicht auf die hohen Felswände, die das Tal links und rechts säumen, entschädigt für so manche Mühen.

Blick ins Rautal beim Abstieg

Blick ins Rautal beim Abstieg

Da wir prächtiges Wetter haben, sind wir nicht alleine unterwegs. „Salve“ grüßen uns die einheimischen Wanderer. Schnell haben wir die örtlichen Gepfogenheiten angenommen und grüßen routiniert mit einem „Salve“ zurück.

Endlich erreichen wir die Pederühütte. Sie steht am Ende des Rautals und ist mit dem Auto erreichbar. Entsprechend viel ist los. Ein kleiner Seitenblick in die Zivilisation. Wir gönnen uns eine Trinkpause, zischen ein Radler und dann nichts wie weiter. So viele Menschen sind wir nicht mehr gewöhnt.

Pederühütte

Pederühütte

Die Zeit des Abstiegs ist vorbei. Bis zur Faneshütte, unserem Tagesziel, geht es nun als nuff. Unterwegs begegnet uns an einer Alm unser potentielles Abendessen – in Form eines gestandenen Puters. Doch nein – wir haben unser Vesper ja im Rucksack. Schwarzbrot und Aufstrich. Dann kommt der Gute heute nochmal davon.

Ein schicker Puter

Ein schicker Puter

Wir trudeln am frühen Nachmittag an der Faneshütte ein. Als wir unser Zimmer sehen, bleibt uns schier die Spucke weg. Alles tiptop mit Waschbecken, Spiegel und Fernseher! Wo hat man das schon mal gesehen? Das ist eher ein Hotel als eine Hütte. Nobel geht die Welt zugrunde. Zahlreiche Kühe und Ponys tappen umher. Manche sind auch etwas nervös und rennen durch die Gegend.

Prachtexemplar einer Kuh an der Faneshütte

Prachtexemplar einer Kuh an der Faneshütte

Wir sitzen noch eine Weile draussen vor der Hütte und beobachten die ansässige Tierwelt. Zahlreiche Kühe, Hochlandrinder und Ponys treiben ihr  Unwesen.

Das Abendessen nehmen wir – Schande über uns – vor dem Fernseher ein. Zu Hause haben wir keinen, und so ist diese Möglichkeit für uns tatsächlich etwas ganz besonderes. Wenngleich es sicher nicht das klassische Abendprogramm einer Hüttenwanderung ist.

Holder Mondenschein an der Faneshütte

Holder Mondenschein an der Faneshütte