Gut Ding will Weile haben. Nach langem Ringen mit BabyMufflons ‚Kletter’angst erreichen wir im zweiten Anlauf den Gipfel des Säulings.

Start und Ziel: Pflach – großer Wanderparkplatz, der bei Pflach von der Straße Richtung Reutte abzweigt.

Auf-/Abstieg: je ca. 1050 Höhenmeter

Wegverlauf: Wanderparkplatz Pflach – Säulinghaus – Säulingwiese – Säulinggipfel. Auf selbem Weg zurück.

Dauer: ca. 5,5 h (ohne Pausen)

Anforderungen: bis zum Säulinghaus gut zu bewältigende Bergwege, Gipfelaufstieg steil, über weite Teile drahtseilversichert. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig.

Erfürchtiger Blick von Ferne

Erfürchtiger Blick von Ferne

Es ist unser langgehegter Traum. Einmal auf dem König der Ammergauer Alpen stehen. Der Berg, der uns stets als erstes begrüßt, wenn wir wiedermal wandergierig auf der A7 durchs Allgäuer Tor fahren. Von PapaMufflon liebevoll der Silhoutte wegen „die Titte“ genannt.

Schon König Ludwig II. bewunderte diesen Berg und suchte sich für sein Märchenschloss Neuschwanstein ein lauschiges Plätzchen unterhalb des Säulings aus. Der wusste genau, wo es am schönsten ist.

Die erste Tuchfühlung haben wir ein Jahr zuvor aufgenommen. Bis zum Säulinghaus sind wir gewandert. Haben dort stundenlang am Fuß des steilen Aufstiegs zur Säulingswiese unter einer Tanne gesessen, die todesmutigen Wanderer beobachtet – und diejenigen bewundert, die auch den letzten Aufstieg gewagt haben. BabyMufflon vor Ehrfurcht erstarrt – im Zweifel, ob es diesen schier unüberwindlich scheinenden Steilhang je überwinden wird. Das sieht aber auch steil aus von unten!

Sehnsüchtiger Blick gen Gipfel

Im April 2007 sind wir also zum zweiten Mal am Ort des Geschehens. Und heute soll es wahr werden. Wir wollen dem Säuling aufs Dach steigen. Der altebekannte Weg zum Säulinghaus ist ohne Probleme. Am Säulinghaus darf BabyMufflon sich nochmal kurz sammeln und pullern gehen, damit es unterwegs nicht durch drängende Gedanken an nicht vorhandene Büsche abgelenkt wird.

Blick vom Säulinghaus auf den Steilaufschwung zur Säulingwiese

Blick vom Säulinghaus auf den Steilaufschwung zur Säulingwiese

Und dann nichts wie los – ehe die Angst in Panik umschlägt und ein Weitergehen erneut verhindert. Als wir in die Wand einsteigen, hat BabyMufflon wachsweiche Knie. Das Herz schlägt bis zum Hals. Die Hyperventilation steht kurz bevor. PapaMufflon ist die Ruhe selbst. Kunststück, wenn man Sternzeichen Steinbock ist. BabyMufflon dagegen ist Krebs und wer hat jemals einen Krebs bergsteigen sehen?

Jetzt gehts als nuff!

Jetzt gehts als nuff! BabyMufflon in hochprofessionellem Wanderdress…frohen Mutes schreitet es voran!

Der Steig wird immer steiler. BabyMuflfon traut sich kaum nach unten zu sehen. Ausrutschen ist in dieser Wand definitiv keine gute Idee. Also immer gut an den zahlreich vorhandenen Sicherungen festhalten. Konzentriertes Steigen Schritt für Schritt. Schön ‚lanksamm‘.

Blick nach unten - Fallen nicht empfohlen

Blick nach unten – Fallen nicht empfohlen

Eine Gruppe Jungspunde überholt uns. Einer zieht sich an der Sicherungskette nach oben. Diese nimmt gehörig Schwung auf und hätte BabyMufflon beinahe ins Straucheln gebracht, wenn es sich nicht gut festgehalten hätte. Der Schreck sitzt uns noch in den Knochen als dieselben Kerle von oben einen Stein lostreten. Er poltert knapp an uns vorbei in die Tiefe. Keine schöne Vorstellung, was passiert, wenn man so einen an den Kopf kriegt.

Der restliche Aufstieg wird souverän gemeistert. BabyMufflon hat sich aklimatisiert. Sogar ein bißchen Spaß macht die Kletterei inzwischen, das muss man zugeben.

Kurz vor der Säulingswiese

Kurz vor der Säulingswiese – den Gipfel immer im Visier

Und dann ist es soweit. Nach cirka drei Stunden Aufstieg stehen wir auf dem Säuling! Freudestrahlend klopfen wir ans hölzerne Gipfelkreuz. Welch ein Triumph! Unbändiger Stolz erfüllt BabyMufflons Brust – das Gefühl, sich überwunden und nun diesen Erfolg erreicht zu haben ist einfach großartig. Diese Aussicht – phantastisch! Auf der einen Seite blicken wir ins Flachland auf die allgäuer Seen und die Königschlosser Neuschwanstein und Hohenschwangau. In die andere Richtung erhebt sich ein Meer von Bergen – Tannheimer, Lechtaler, Mieminger. Ist das nicht – das ist doch – …einfach grandios!!!

Gipfelbeweisphoto Säuling

Es gibt nur einen einzigen Nachteil, wenn man auf dem Gipfel steht. Man muss auch wieder runter. Beim Gedanke an den Abstieg wird BabyMufflon gleich wieder mulmig. „Runter kommen sie alle!“ sagt PapaMufflon flapsig. Sehr lustig. Zum Glück haben wir ein Schnäpsle dabei. Der wird jetzt erst mal stilecht im Flachmann ausgepackt und dann gibts für jedes Mufflon einen großen Schluck.

Blümchen auf der Säulingswiese

Blümchen auf der Säulingswiese

Forggensee vom Säuling aus

Forggensee vom Säuling aus

Säulingswiese

Säulingswiese

BabyMufflon drängt zu baldiger Rückkehr. Es sind für später Gewitter angesagt. Neben gewissen Steilstellen sind Gewitter BabyMufflons persönlicher Alptraum Nummer Eins. Unsere Touren sind stets eng auf den Wetterbericht abgestimmt. Bei Gewittergefahr wird grundsätzlich keine längere Tour durchgeführt. Schon so mancher fröhliche Wandergesell wurde unterwegs vom Blitz erschlagen. Kreuze und Gedenktafeln als stumme Zeugen dieser Tragödien findet man im Gebirge zu Hauf. Deshalb gilt für uns: Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Gut, wenn es nach PapaMufflon ginge, sähe es anders aus. Aber in Sachen Sicherheit weiß BabyMufflon sich meistens durchzusetzen.

Zurück zu unserer Tour. Wir machen uns an den Abstieg. Kurz vor der Säulingswiese rutscht BabyMufflon im Schotter aus und landet auf dem Po. Im hier ungefährlichen Gelände kein Problem. Das Steilstück steigen wir langsam und konzentriert ab. Unterwegs treten keine Komplikationen auf- zumindest keine, an die wir uns nach so langer Zeit noch erinnern können. Als wir das Säulinghaus erreichen, fällt die ganze Last von den Schultern. Wieder in Sicherheit! Und scheeeee woars!!!

 

 

Noch mehr Geschichten vom Säuling gefällig? Auch Noa von Kulturnatur hat den Säuling erklommen – in anderer Variante von Schloss Neuschwanstein her!

Der Säuling erscheint Dir zu schwierig, Du möchtest aber trotzdem das Panorama genießen können? Dann wandere auf das Koflerjoch – der Gipfel ist direkt neben dem Säuling, ist wesentlich einfacher und bietet ebenfalls eine traumhafte Aussicht.