Es sollte das Highlight des Winters werden. Voller Vorfreude gebucht im Herbst – noch bevor wir unsere Füße das erste Mal auf Schneeschuhe geschnallt hatten. Eine Tour aufs Wildhorn im Berner Oberland.

Start: Blankenburg, Bahnhof. Auto parkt am Bahnhof Oey-Diemtigen.

Ziel: Zwischenflüh im Diemtigtal, zurück nach Oey-Diemtigen mit dem Postbus

Aufstieg: Tag 1: 850 m, Tag 2: ca. 500 m

Abstieg: Tag 1: kein Abstieg, Tag 2: ca. 1300 m

Wegverlauf: Blankenburg – Fromatthütte (1855 m) – Fromattgrat (2170 m) – Stand (1939 m) – Zwischenflüh

Dauer: Tag 1: ca. 3,5 Stunden, Tag 2: 7 Stunden (inkl. Pausen)

Anforderungen: technisch einfache, konditionell mittelschwierige Wanderung, nicht markiert. Wer sich mit Orientierung und Lawinenbeurteilung auskennt, benötigt keinen Bergführer.

Wir waren unterwegs mit Höhenfieber. Ursprünglich geplantes Ziel war das Wildhorn.

Wochenlang haben wir uns konditionell vorbereitet. Geschunden und geschwitzt, damit wir den Aufstieg auf den Gipfel meistern können. Und dann das! Zu viel Neuschnee, Lawinengefahr, Umplanung.

Statt aufs Wildhorn (3247m) soll es auf den Fromattgrat (2170m) gehen. Die anfängliche Enttäuschung über die Umplanung der Bergschule ist groß. Uns wäre es lieber, die Tour zu verschieben auf ein Wochenende mit besseren Bedingungen. Das ist logistisch für die Anbieter von Bergtouren verständlicherweise nicht möglich. Zu oft spielt das Wetter nicht mit. Deshalb gibt es dann Ausweichtouren, die so weit angepasst sind, wie es die aktuelle Sicherheitssituation zulässt. Was auch gut ist – Sicherheit ist in den Bergen das oberste Gebot. Und ist gerade das die große Kunst, die es zu beherrschen gilt – umkehren, auch wenn der Gipfel in greifbarer Nähe ist. Nein sagen, auch wenn das Ziel noch so verlockend ist.

Treffpunkt ist Samstag früh am Blankenburger Bahnhof. Mit dem Auto bis Oey-Diemtigen, dann weiter mit dem Zug nach Blankenburg. So der Plan. Doch auch hier kommt es anders. Eine Stunde Stau bei Solothurn wegen eines Auffahrunfalls. Die planmäßige Ankunftszeit, die das Navi anzeigt, schleicht sich immer näher an die Abfahrtszeit unseres Zuges. Am Ende verpassen wir den Zug nach Blankenburg um Haaresbreite. Damit sind auch BabyMufflons Pläne, sich im Zug startklar zu machen (sprich: pullern zu gehen) ruiniert. Es muss eine andere Lösung gefunden werden. Der Halt an einer Bergbahn in Zweisimmen soll Erleichterung verschaffen. Doch ausnahmesweise gibt es dort kein WC. An manchen Tagen geht auch alles schief. Verstört und mit einem Franken bewaffnet betritt BabyMufflon also die nächstgelegene Gaststätte und bittet um Erlaubnis, das stille Örtchen benutzen zu dürfen. Diesmal geht der Plan auf. BabyMufflon darf pullern und nun kann es endlich los gehen.

Inzwischen hat schon unser Bergführer David angerufen und fragt, wo wir bleiben. Die restlichen Mitwanderer sind alle mit dem Zug gekommen. Wir treffen die Gruppe kurz vorm Bahnhof. David stattet uns mit LVS, Schaufel und Sonde aus. Dann geht es los.

Aufstieg Fromattgrat

Am Ortsende werden die Schneeschuhe angeschnallt. Anfangs geht es auf einem spärlich bescheiten Waldweg hinauf. Schnell stellen wir fest, dass die anderen Teilnehmer nicht die von BabyMufflon befürchteten Sportskanonen sind. Das Tempo ist gediegen bis gemütlich. Auch mal angenehm, dass nicht immer PapaMufflon vorneher spurtet.

Bei einer verschneiten Hütte wird Vesper gemacht. Unsere eigens für die Wanderung gekaufte Wurst haben wir im Kühlschrank vergessen. Dort liegt sie gut. Jetzt müssen wir uns an die sauren Apfelringe halten. Haribo macht eben nicht nur Kinder, sondern auch Wanderer froh.

Weiter geht es nun als nuff, mal steiler mal flacher bis wir nach ca. 3 Stunden die tiefverschneite Fromatthütte erreichen, die extra für unsere und eine weitere Ex-Wildhorngruppe an diesem Wochenende geöffnet hat.

Fromatthütte

Wir werden gut verpflegt mit Flädlesuppe (da fühlt man sich wie daheim), Spaghetti mit Tomatensoße und Schoko-/Karamellpudding. Das Feuer prasselt im Kamin und es ist so richtig gemütlich. Eine Hüttenübernachtung ist wie ein Paralleluniversum, denn es herrschen Bedingungen, die man im Alltag wohl kaum akzeptieren würde. In den Bergen findet man es urig und spannend. Plumpsklo, kein Wasser aus dem Hahn, sondern Brunnen vor dem Haus (eiskalt selbstverständlich), Schlafen im Massenlager mit zig anderen dicht an dicht.

Fromatthütte

Weckruf am nächsten Morgen um kurz vor sieben Uhr. Schnell in die Kleider geschlüpft und dann gehts ab zum Frühstück. Knuspermüsli und Nutellabrot. Was will man mehr? Jetzt kann der Tag kommen. David hat uns am Vorabend die geplante Route gezeigt. Ein weiter Weg über Fromattgrat, vorbei am Seebergsee über den Stand bis nach Zwischenflüh liegt vor uns.

Am Fromattgrat

Nach einem Check des LVS-Geräts geht es hinauf. 500 Höhenmeter bis zum Fromattgrat, wo uns eisiger Wind begrüsst. Doch als die Gruppe der anderen Bergschule schon weitergezogen ist, reisst der Himmel auf. Die Sicht wird frei auf die Gipfel des Berner Oberlands. Die nächsten Stunden scheint Sonne und wir genießen die Wanderung in vollen Zügen. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte.

Bei einem Abstieg im Tiefschnee sinkt BabyMufflon mit dem linken Fuß immer wieder seltsam tief ein. Eine Mitwanderin ruft von oben, dass ein Schneeschuh im Schnee steckt. BabyMufflon hat seinen Schneeschuh verloren! Im tiefen Schnee sieht man das nicht sofort, weil die Füße immer unter Schnee sind. Also merke: die Schuhe immer gut festschnallen und sobald man tief einsinkt kucken, ob sie noch da sind.

Der Rückweg ist im Großen und Ganzen ein Hatsch. Als nunna und das letzte Stück – ohne Schneeschuhe – auf Asphalt bis Zwischenflüh. Ab da gehts mit Bus und Bahn zurück zum Auto.

Es war – auch wenn uns der Wildhorngipfel verwehrt wurde – eine mega schöne Tour. Vor allem die Stunden, die wir am Sonntag in der Sonne durch den Schnee stapfen konnten.

Und fürs Wildhorn gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir kommen wieder, um Dir aufs Dach zu steigen!