Lang, lang ist’s her. Wir schreiben das Jahr 2003 als Papa und Baby Mufflon ihren ersten zweisamen Urlaub im Allgäu verbringen. Einer unserer ersten Gipfelstürme führt uns als nuff auf die Große Schlicke.

Start und Ziel: Parkplatz Bärenfalle bei Musau (840m)

Auf-/Abstieg: 1200 m

Wegverlauf: Bärenfalle (840m) – Musauer Alm (1290m) – Otoo-Mayr-Hütte (1530m) – Große Schlicke (2059m) – selber Weg zurück

Dauer: mit Pausen haben wir wohl an die 10 Stunden benötigt…

Anforderungen: technisch einfache, aber konditionell fordernde Wanderung. Im Sommer sehr heiß, da kaum Schatten.

Arglos brechen wir am Morgen auf. Wird schon nicht so schwer sein, auf einen Berg zu steigen. Andere machen das doch auch.

Es soll die bislang längste, steilste und anstrengendste Wanderung unseres Lebens werden. Noch ahnen wir nicht, was es bedeutet, stundenlang bergauf zu steigen. Noch ahnen wir nicht, wie weh uns die Füße am Abend tun werden. Doch nicht nur Schweiß und Anstrengung werden wir kennen lernen. Auch das stolze Gefühl, sich überwunden zu haben. Den einzigartigen Moment, den man nur erlebt, wenn man nach mühsamem Aufstieg ans Gipfelkreuz klopft. Die Stille des Seins im Einklang mit sich und der Natur, die man bei der wohlverdienten Gipfelpause spüren kann – all das wird uns heute begegnen.

Los geht’s am Parkplatz Bärenfalle. Unsere Ausrüstung ist dilletantisch. Immerhin besitzen wir mittlerweile beide Wanderschuhe. Wanderhose, Funktionsshirt – Fehlanzeige. BabyMufflon besitzt nicht einmal eine Sonnenbrille. Dafür schleppen wir im Rucksack so manchen skurilen Gesellen mit auf den Berg. Da sind Yves und Rocher – zwei Waschlappen im Hasen- bzw. Bienenformat. Die beiden sind schwul und die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt. Und dann haben wir noch Jim – unseren Adoptivsohn, der unbedingt mit auf die Wanderung wollte. Zum selber Laufen war er dann aber doch zu faul.

Bei der Musauer Alm wird BabyMufflon beim Streicheln einer Kuh von einer Bremse angezapft. Das Blut trieft. Durch die Bewegung, die wir den Tag über haben werden, wird sich das Gift schön im ganzen Oberschenkel verteilen. Am nächsten Tag ist alles großflächig geschwollen. Der Fenistilhersteller freut sich.

Kurz vor dem Bremsenstich

Kurz vor dem Bremsenstich – da lacht es noch, das BabyMuff

Als wir um 9 Uhr die Otto-Mayr-Hütte erreichen fühlen wir uns schon wie die Helden. Dabei ist erst ein Viertel des Wegs geschafft. Es folgen knapp zwei weitere Stunden Aufstieg. Es ist heiß. Die Sonne brennt. Aber wir schaffen es. Um kurz vor elf ertönt unser Klopfen am Gipfelkreuz. Mit Stolz geschwellter Brust posieren wir fürs Gipfelbeweisfoto. Dann lassen wir uns erschöpft, aber glücklich auf der Gipfelwiese nieder. Lassen unsere Augen schweifen über die schier endlos scheinenden Gipfel der Tannheimer Berge. Gehrenspitze, Gimpel, Rote Flüh und wie sie alle heißen. Spätestens jetzt sind wir infiziert vom Wanderfieber. So viele Gipfel – so viele Ziele, die sich uns bieten. So viele schöne Tourentage, die noch vor uns liegen.

Gipfelbeweisphoto Schlicke

Gipfelbeweisphoto Schlicke

Der Abstieg wird hart. Schon bei der Otto-Mayr-Hütte sind wir beide fertig mit der Welt. Der Hatsch ab hier zum Parkplatz zieht sich wie Kaugummi in die Länge. „Noch eine Kurve, dann sind wir da“ verspricht PapaMufflon.

Otto Mayr Hütte

Otto Mayr Hütte

Wir gehen zehn weitere Kurven, kein Ende in Sicht. „Noch eine letzte Kurve, dann sind wir da“ sagt PapaMufflon ein ums andere Mal. Ob er damit eher sich oder BabyMufflon Hoffnung machen will – man weiß es nicht. Wir laufen und laufen. Die Füße (die bei uns in Baden bekanntlich bis zur Hüfte gehen) schmerzen gewaltig als wir endlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Mufflonomobil – seinerzeit ein alter Opel Kadett – erreichen.

Schön wars in den Bergen. Wir kommen wieder. Damals ahnen wir noch nicht – wie oft.