Wer im März noch Schneeschuhwandern will, muss sich allmählich in höher gelegenen Regionen nach Zielen umsehen. Melchsee-Frutt mit seinen fast 2000 m.ü.M eignet sich dafür ganz hervorragend. 

Auf unserer Skitouren- und Schneeschuhkarte haben wir schon länger ein Auge auf den Rotsandnollen geworfen, hatten aber im tiefen Winter niedrigere Ziele bevorzugt. Das muss man schließlich ausnutzen, wenn weiter unten Schnee liegt. Nun – im Frühjahr – soll es also endlich soweit sein, dem Nollen aufs Dach zu steigen. 

Doch wie es das Schicksal so will, macht uns die Lawinensituation einen Strich durch die Rechnung. Es hat in der Woche sehr viel Neuschnee gegeben, so dass teilweise sogar Lawinenstufe 4 ausgerufen wurde. Am Sonntag hat sich die Lage zwar etwas beruhigt, aber es herrscht noch immer Lawinenstufe 3 und damit erhebliche Lawinengefahr. Da es beim Aufstieg auf den Rotsandnollen die ein oder andere Steilstelle um die 30° Hangneigung gibt, entscheiden wir uns für die sichere Variante und weichen auf die markierten Trails aus. Die vorgeschlagenen Touren sind uns zu kurz. Die Route über den Bonistock – vier Stunden, 300 Höhenmeter – zu wenig. Übers Erzegg in drei Stunden, 230 Höhenmeter. Lächerlich. Also entscheiden wir kurzerhand beide Touren zu verbinden. Damit ist unsere körperliche Auslastung sichergestellt.

 Es ist Sonntag. Sonnenschein. Melchsee-Frutt ist neben Engelberg DAS Skigebiet für Luzerner Schneehasen. Sprich: es ist mit Andrang zu rechnen. Deshalb klingelt der Wecker unliebsam früh. Was tut man nicht alles für einen schönen Tag im Schnee. Um acht Uhr ist Abfahrt. Wir werden von unserem Mitstreiter Jochen abgeholt. Das ist ein Service! An der Stöckalp treffen wir uns noch mit Sabrina von unterwegs-zuhause, die heute ihre erste Schneeschuhwanderung unternehmen wird. Noch ahnt sie nicht, auf welches Abenteuer sie sich eingelassen hat… 

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Wir können direkt bei der Stöckalp parken – ohne weite Latscherei und ohne Shuttlebus können wir die Bergbahn entern und gondeln gemütlich nach oben.

Kapelle Melchsee-Frutt

Oben angekommen wird erst mal eine Grundvoraussetzung für eine entspannte Wandertour geschaffen: Die Mädels entern das WC. Um mehrere Liter erleichtert geht es dann auch schon los. Raus aus der Bergstation, links rum und schon weist uns das pinke Schild den Weg nach oben Richtung Bonistock.

Panoramaaufzug in Melchsee-Frutt

Panoramaaufzug in Melchsee-Frutt

PapaMufflon stapft vorneraus, die anderen tappen hinterher. Allzumühsam ist das Spuren heute nicht – der Schnee ist hart geforen und somit gibt es gar nichts zu Spuren. 

An pinken Stangen, die dem Wanderer den Weg leiten, mangelt es nicht. Das ändert sich, als der Weg auf die Skipiste trifft. Wir haben die Wanderung bereits im letzten Jahr einmal unternommen und uns damals todesmutig über die Piste geschlichen. Mit dem Ergebnis, dass wir auf dem Bonistock eine weitere Skipiste queren mussten. Diesmal sind wir schlauer und halten uns gleich am rechten Rand der Piste. 

Blick auf den Skizirkus

Nachdem wir den Bonistocklift passiert haben, treffen wir auf einen steilen Hang, den wir queren müssen. Bei unserer letzten Begehung hatte es hier Tiefschnee. Nicht so dieses Jahr. Der Schnee ist leicht angefroren und hat keinerlei Tiefgang. Man muss auf die Zacken der Schneeschuhe vertrauen. Nach einigen Metern stellt sich heraus, dass Sabrinas Modelle dieses Vertrauen nicht wirklich verdient haben. Seitenhalt – Fehlanzeige. Damit wir die Stelle trotzdem bewältigen können, schaufeln die Männer einen ebenen Weg, der auch mit weniger kraftvollen Schneeschuhen begangen werden kann. Den verlangten Wegezoll will leider keiner der nachfolgenden Wanderer bezahlen – aber gefreut und bedankt haben sie sich alle! Und die Jungs freuen sich, dass ihre Schaufeln endlich in Benutzung waren und sogar die ersten Gebrauchsspuren davongetragen haben. Wie verwegen!

Wir erreichen den Chringenpass und machen erst mal eine Verschnaufpause. Denn am Pass wartet schon die nächste Herausforderung auf uns: eine große und durchaus heikle Wächte muss durchstiegen werden, wie auf der Beschreibung von globaltrail vorhergesagt. 

Zwei Mädels an der Wächte am Chringenpass - Melchsee-Frutt - Bonistock

Skeptische Blicke die Wächte hinab – da sollen wir runter?

Hinter der Wächte geht es gut ein paar Meter in die Tiefe. Bei unserem letzten Besuch gab es keinen Durchgang durch die Wächte. Wir hatten auch keine Schaufeln dabei, um uns durchzugraben und sind damals umgedreht. Diesmal hat bereits jemand einen Weg gebahnt und einige Stufen geschlagen. Trotzdem sieht das Manöver von oben etwas kribbelig aus. 

Jochen wagt den Abstieg als Erster und checkt die Lage. Danach folgt PapaMufflon. Er greift nochmal zur Schaufel, um den Weg zu ebnen. Die beiden Mädels beobachten die Arbeiten dankbar von oben. Dann dirigiert er erst Sabrina, dann BabyMufflon sicher nach unten. Also PapaMufflon – solltest Du jemals die Schnauze voll haben vom Software entwickeln und den Beruf wechseln wollen – Du würdest einen prima Bergführer abgeben!!! 

Rückwarts absteigen durch die Wächte am Chringenpass

Im Rückwärtsgang wird durch die Wächte abgestiegen

Nach diesem Abenteuer brauchen wir erst mal eine Pause. Wir suchen uns ein sonniges Plätzle und genehmigen uns ein leckeres Mahl.

Fröhliche Wanderer am Chringenpass - Melchsee-Frutt

Juhuu – die Wächte am Chringenpass ist bezwungen!!! Alle freuen sich 🙂

Danach geht es hinunter zur Tannalp

Zwei Mädels kucken in die Landschaft - Melchsee-Frutt

Die beiden Mädels bewundern die schöne Landschaft

Blick auf Hochstollen

Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit einer weiteren Winterbeschäftigungsmöglichkeit: Eisfischen. Auf dem Melchsee sind diverse Angler unterwegs, die mit großen Eisschrauben ein Loch durchs Eis gebohrt haben und nun auf einen guten Fang hoffen. Auch einige Iglus sind gebaut worden. Das wäre auch mal was für uns – eine Nacht im selbstgebauten Iglu (vermutlich wird es über uns zusammenbrechen…).

Hochebene Melchsee-Frutt

Kurz vor der Tannalp erreichen wir den Einstieg in den nächsten Schneeschuhtrail zum Erzegg. Für eine blau ausgeschriebene Route (blau bedeutet leicht) geht es teilweise erstaunlich steil bergauf.

Aufstieg aufs Erzegg bei Melchsee-Frutt

Der Aufstieg zum Erzegg ist steiler als er aussieht

Schnell stehen wir voll im Schweiss. Doch nicht lange und wir erreichen einen Aussichtspunkt, der mit Bänken ausgetattet ist. Wir erhalten den Lohn für alle Strapazen, die wir heute auf uns genommen haben. Trinken, Sonnenschein und eine atemberaubende Aussicht auf diese geniale Winterlandschaft. Berge so weit das Auge reicht. Schnee in Mengen, die wir bisher nur aus Film und Fernsehen kannten. Was will man mehr?! Das Leben ist einfach schön 🙂

Wir genießen die Pause und lassen uns Zeit ehe wir sanft durch die verschneiten Hänge nach unten stapfen.

Abstieg vom Erzegg bei Melchsee-Frutt

Jochen beim Abstieg vom Erzegg – rutscht leider nicht so wie gewünscht

Doch halt! Wir wollen diesen Ausflug nicht beenden, ohne noch eine andere Seite des Winters auszukosten – Après Ski! Bei Rivella und Cola – Essen ist leider schon aus, da sich der Tag bereits dem Ende zuneigt – beobachten wir das bunte Treiben auf der Piste.

Und damit geht wieder ein schöner Tag in den Bergen zu Ende.

 

Sabrinas Bericht zur Wanderung findet ihr bei unterwegs-zuhause.com.

 

Auf zum Erzegg

Hinweis: Bei Winterwanderungen im Schnee herrscht Lawinengefahr – nur mit LVS, Sonde, Schaufel und Studium des Lawinenbulletin unternehmen und vorher eine Lawinenausbildung machen!